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Mineralische Untergründe prüfen

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Mineralische Untergründe prüfen

Teil 1 – Estriche. Die Kenntnis der Untergrundbeschaffenheit besitzt eine große Tragweite für nachfolgende Bodenbeschichtungen: Mit einfachen Prüfmethoden lassen sich Art und Eigenschaften bestimmen.

Autorin | Fotos: Susanne Wierse

Durch verschiedene Prüfungen lässt sich feststellen, welche Festigkeit ein Estrich aufweist oder welche Estrichart vorliegt. „Oft reicht es, die Eigenschaften des Untergrundes einzugrenzen“, erläutert dazu Martin Gies, Spezialist bei Disbon für Betonoberflächen und Estriche. „Mit den am Objekt möglichen, einfachen Prüfmethoden lässt sich erkennen, welche Eigenschaften ein Estrich oder Beton aufweist und die anschließenden Vorarbeiten und Beschichtungsaufbauten können darauf abgestimmt werden.“

Auf der Baustelle gilt als wichtigste Regel: Der Untergrund muss sauber, trocken und tragfähig sein. „Die Tragfähigkeit lässt sich orientierend durch einfaches Kratzen mit dem Spachtel oder mit einer kleinen Drahtbürste an der Oberfläche prüfen. Mehlt oder kreidet eine Oberfläche oder ist sie porös, ist keine ausreichende Festigkeit im oberflächennahen Bereich gegeben“, erklärt Martin Gies weiter. Eine weitere einfache Eingrenzung bei der Untergrundprüfung ist es, einen Spritzer Wasser aufzutragen. Hier kann man deutliche Unterschiede sehen. Das Wasser kann von der Oberfläche abperlen oder vom Untergrund aufgesogen werden. So lässt sich die Einteilung vom stark bis zum schwach oder nicht saugenden Untergrund, in weiche oder feste Oberfläche schnell treffen, mit direkter Auswirkung auf die anschließende Beschichtung.

„Trage ich auf einen glatten, nicht saugenden Untergrund bspw. eine Epoxidharzgrundierung auf, wird diese nicht in den Untergrund penetrieren und keine ausreichende Haftung erzielen. Bei einem saugfähigen Untergrund kann das Harz einziehen und sich so mit dem Untergrund verbinden. Ist der Untergrund allerdings zu weich, zieht die Grundierung zwar ein, die Fläche ist dennoch nicht mechanisch belastbar. Bei einem Estrich muss deshalb die minderfeste Sinterschicht bis auf das tragfähige Korngefüge abgetragen werden“, so Martin Gies.

Eine weitere einfache Untergrundprüfung lässt sich mit dem Hammer durchführen. „Fährt man mit der breiten Seite des Hammers über die Oberfläche, lässt sich am Klang feststellen, ob ein Verbundestrich hohl liegt, also nicht fest mit dem Untergrund verbunden ist.“ Hohllagen müssen beseitigt werden, sonst können nachträglich Risse entstehen.

An geeigneter Stelle kann man durch das Abschlagen einer kleinen Ecke den Untergrund freilegen und im Anschluss mit einem Indikator (Thymolphthalein) die Alkalität des Bauteils prüfen. Das ist nötig, da sich an der Oberfläche die Alkalität abbaut. Färbt sich der freigelegte Untergrund blau, ist er stark alkalisch. Das ist ein Indiz darauf, dass mineralische zementöse Bestandteile enthalten sind, es sich folglich um einen Betonwerkstoff handelt.

Trifft man auf der Baustelle auf einen schwarzen Untergrund im Fußbodenbereich, hat man es wahrscheinlich mit einem bitumen-/asphaltgebundenen Material zu tun. Dies lässt sich mit der Epoxidharzverdünnung und einem Tuch prüfen. Solches Material hinterlässt auf dem angefeuchteten Lappen eine braunschwarze Färbung.

Beschichtung im Fußbodenbereich

Bei einem relativ weichen Untergrund wie einem Calciumsulfat-Estrich kann der Untergrund durch Schleifen vorbereitet werden, um die mehlende Sinterschicht zu entfernen. Hinzu kommt hier, dass diese Untergründe stark saugend sind und das Bindemittel Gips feuchteempfindlich. Der Beschichtungstipp von Martin Gies: „Damit keine Zersetzung durch Feuchtigkeit eintritt, empfehle ich eine diffusionsfähige Beschichtung, bspw. eine 1-komponentige Acrylatdispersion für geringe Belastungen, bei höherer Belastung ein dickschichtigeres wasserbasiertes Epoxidharz. Die Grundierung sollte dabei möglichst dünnflüssig sein, damit sie weit in den Untergrund eindringt und eine Verfestigung erreicht wird. Auch bei anderen saugfähigen Untergründen wie zementösen Spachtelmassen benötigt man dünnflüssige (niedrig viskose) Grundierungen.“

Ein Beton- oder Hartstoffestrich kann aufgrund seiner Festigkeit nur kugelgestrahlt oder mit einer Diamantfräse vorbereitet werden. So wird eine Rauigkeit erzeugt, an der sich eine Grundierung verkrallen kann. Ein Beton- oder Hartstoffestrich wird meist in Bereichen mit einer höheren mechanischen Belastung eingesetzt. Hier empfiehlt Martin Gies bspw. nicht wässrige Epoxidharze (Total-Solid), die auch in hohen Schichtdicken aufgetragen werden können. Es müssen Harze mit guter Adhäsionshaftung sein, die auch bei schwachsaugenden Untergründen eine Verkrallung gewährleisten.

Dichtere Untergründe wie Fliesen sind kritisch zu betrachten. „Hier muss intensiv gestrahlt und damit angeraut werden, nur dann ist eine Verkrallung der Beschichtung im Untergrund möglich. Außerdem muss die Haftung der Fliese am Untergrund kritisch geprüft werden.“ Als Grundierung empfiehlt Gies ein Total-Solid-Epoxidharz, welches eine gute Adhäsionshaftung hat und zusätzlich eine Spachtelung des Fugennetzes mit einem Epoxidharz-Sand-Gemisch. So erhält man eine flächige Haftung der nachfolgenden Beschichtung auf dem Untergrund.

Bei bituminösen Untergründen wie dem Hartasphalt liegt eine gewisse Elastizität vor. Hier empfiehlt der Fachmann, mit einem elastischen Beschichtungsmaterial wie einem Polyurethan-Harz oder mit einem dünnschichtigen wässrigen Epoxidharz oder mit Acrylat zu arbeiten. Diese Materialien verfügen über eine gewisse Bewegungsaufnahme und Abplatzungen können somit verhindert werden. Eine mechanische Untergrundvorbereitung ist auch hier erforderlich.

Weitere Fotos:
www.malerblatt.de


PraxisPlus

Alles griffbereit

Die hier vorgestellten Prüfungen wurden mit Hilfsmitteln aus dem Caparol Untersuchungskoffer durchgeführt. Er enthält alle notwendigen Nachweisreagenzien und Materialien für eine umfassende Untergrundprüfung. Weitere Informationen zum praktischen Koffer:

www.caparol.de/service/untersuchungskoffer

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