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Industrieverband Hartschaum IVH

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Industrieverband Hartschaum IVH

Aggressiv und wenig objektiv wurden in verschiedenen Publikumsmedien Wärmedämm-Verbundsysteme auf Basis des Dämmstoffs Polystyrol wegen angeblicher Brandgefahr an den Pranger gestellt. Das Malerblatt befragte Geschäftsführer Dr. Hartmut Schönell und Pressesprecherin Ute Hagmann vom Industrieverband Hartschaum IVH zu den erhobenen Vorwürfen.

 

Die Verbraucher wurden durch zwei Fernsehsendungen und einen Artikel in einer überregionalen Zeitung stark verunsichert was die Fassadendämmung mit dem Dämmstoff Polystyrol anbelangt. Als ich mir diese Beiträge ansah wurde ich das Gefühl nicht los, dass da bewusst falsch informiert werden sollte. Wie sehen Sie das?

Schönell: Bereits seit rund zwei Jahren laufen kampagnenartige Angriffe auf den Dämmstoff Polystyrol. Kampagnenartig sage ich deshalb, weil wir nicht wissen, ob da jemand dahinter steckt oder ob es einfach zu einem Medien-Hype wurde nach diesem inzwischen weithin bekannten Brand in Frankfurt. Auf jeden Fall haben wir dort noch ganz schön zu kämpfen, denn die Vorwürfe sind ja in jeder Hinsicht ungerechtfertigt. Wir haben es ja an der Fassade mit einem Produkt zu tun, mit einem Verbundsystem, das zu einem Teil aus Styropor besteht. Das alles ist schwer entflammbar und das deutsche Baurecht sieht ja vor, dass Bauprodukte benützt werden dürfen, solange sie normal entflammbar oder besser sind. Es gibt ja Millionen von Dachstühlen aus Holz in unseren Häusern, die normal entflammbar sind – und danach kräht kein Hahn.

Kam es denn zu einer Häufung von Bränden an den Fassaden oder warum wurde diese Sau durch die Medienwelt getrieben?

Schönell: Das ist ja das Verrückte: uns sind neun Brände bekannt, also Fassadenbrände, neun Stück seit 2005, davon noch zwei in Österreich, das ist geradezu lachhaft, unter 0,1 Promille bei insgesamt 180.000 Bränden im Jahr, die an oder in Gebäuden entstehen.

Dr. Hartmut Schönell

Dann hört sich das alles ein bisschen nach einem schlechten Film an. Und dort gibt es immer einen Bösewicht. Wer könnte Interesse daran haben, den Dämmstoff EPS, Expandiertes Polystyrol, schlechtzumachen?

Schönell: Ich werde hier keinesfalls spekulieren, ob jemand dahintersteckt und wer das dann sein könnte. Wir wissen es einfach nicht. Vielleicht ist es für manche Publikumsmedien eine schöne Sache, sich auf Themen zu stürzen, die vermeintlich Schlagzeilen hergeben. Die Redaktionen bekommen doch auch immer weniger Zeit und Geld für solide Recherchen. Und so wird versucht, aus allem ein „Ereignis“ zu machen, sogar aus einem Fernsehinterview. Aber trotz aller Versuche die Dinge aufzublasen, ist es doch so, dass man hier auf noch nicht mal ein Dutzend Brände schaut und dabei nicht die Millionen Quadratmeter sieht, die gedämmt wurden und mit denen alle Beteiligten zufrieden sind, die Verarbeiter, also Handwerker wie Maler und Stuckateure oder auch die Verbraucher, die Auftraggeber.

Hagmann: Vielleicht reizt das Thema Dämmung manche Journalisten auch, weil Industrie und Politik sich da mehr oder weniger einig sind und in die gleiche Richtung marschieren. Da ist möglicherweise die Dämmung mit Polystyrol ein gefundenes Fressen und eine Art Plattform, die auf Stellen abgesucht wird, über die negativ berichtet werden kann.

Die meisten Experten, die sich mit der Dämmung beschäftigen, sind doch dafür. Die kamen aber bei den kritischen Berichten überhaupt nicht zu Wort.

Schönell: Deshalb sind wir bestrebt, andere Experten als die in den Beiträgen genannten reden zu lassen. Wir wollen Experten aus Wissenschaft, Architektur, wollen Verarbeitern und Verbrauchern eine Bühne verschaffen. Dann wird auch klar, warum sich im Laufe der letzten Jahre 85 Prozent der Menschen für ein Wärmedämm- Verbundsystem mit EPS entschieden haben.

Hagmann:
Das spricht für sich und muss eigentlich nicht weiter kommentiert werden. Diese Fachleute kommen zwar in den Fachmedien immer zu Wort, doch nicht in den Publikumsmedien, weil das eben keine spannende Geschichte für die hergibt.

Ute Hagmann

Betrachten wir uns an dieser Stelle kurz die anderen Bereiche der Energieeinsparung. Die Heizungs- und die Fensterleute wollen natürlich, dass zuerst für deren Produkte und Leistungen Geld in die Hand genommen wird. Ist da der Verbraucher nicht hin- und hergerissen, was er tun soll?

Hagmann: Na ja, man muss ja erst mal die Gebäudehüllesanieren, um dann die entsprechende Heizleistung darauf einzurichten.

Schönell: Die sinnvolle Rangfolge ist zuerst der nicht transparente Teil der Gebäudehülle der hat Priorität, dann der transparente Teil, also die Fenster – und wenn das gemacht ist, dann muss innendrin die Heiztechnik darauf abgestimmt werden.

Vielleicht können wir an dieser Stelle auch gleich zwei Begriffe erläutern, die gerne in die Diskussionsrunden geworfen werden: Energiebedarf und Energieverbrauch.

Schönell: Ja, beides wird vielfach so leicht dahingesagt. Es gibt da einen großen Unterschied. Nehmen wir den Fahrzeugbereich als Beispiel: Wenn ich ein neues Auto kaufe, dann lese ich im Prospekt „Durchschnittsverbrauch 9,4 Liter“. So, das ist der Bedarf des Automobils bei normgerechtem Verhalten unter Ausschluss des Nutzerverhaltens. Und jetzt nehmen wir zwei Doppelhaushälften. In der einen wohnt ein Rentnerehepaar, das den ganzen Tag zu Hause ist und das immer friert, in der andern leben Studenten, die von sieben bis 19 Uhr gar nicht im Haus sind. Der Verbrauch wird in der einen Hälfte hoch und in der anderen gering sein. Und das ist eben der Unterschied zwischen Bedarf und Verbrauch. Darauf weisen wir immer wieder hin.

Jetzt wieder zurück zur Berichterstattung über die Wärmedämm-Verbundsysteme mit dem Dämmstoff Polystyrol. Nach der Fernsehsendung des WDR und nach dem Artikel in der FAZ nahm sich auch die kritische Zeitschrift Öko-Test des Themas an.

Schönell: Ja, Öko-Test befasste sich mit Styropor und Wärmedämmung. Der Autor Volker Lehmkuhl hat wirklich recherchiert und sich mit den verschiedenen Möglichkeiten der Dämmung seriös auseinandergesetzt und kam zu deutlich anderen Aussagen als die im WDR-Beitrag gehörten oder die in der FAZ gelesenen.

Ein plakatives Wort, das ebenfalls regelmäßig in den Medien auftaucht, ist Nachhaltigkeit.

Schönell: Lassen Sie es mich so sagen: Ein Liter Erdöl in Form von Styropor im Wärmedämm-Verbundsystem über 50 Jahre an der Wand „geparkt“, das spart wenigstens 200 Liter Erdöl ein. Das ist die Antwort auf Nachhaltigkeit. Die Umwelt-Produktdeklarationen des Instituts für Bauen und Umwelt bescheinigen Styropor über den gesamten Lebensweg von der Wiege bis zur Bahre eine hohe Nachhaltigkeit. Und der Dämmstoff Polystyrol hat ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich sage immer, das ist kein Ferrari oder Maserati, sondern ein Golf. Ein gut bewährter Golf, um von A nach B zu kommen. Und weil Styropor zudem leicht zu handhaben ist, wird das von Handwerkern sehr breit eingesetzt.

Hagmann: In Heidelberg ist ja die größte Passivhaus-Siedlung und die ist auch komplett mit Styropor gedämmt. Und die bekommt internationale Beachtung, da werden beispielsweise Gruppen aus China durchgeführt, einfach um darzustellen, wie so etwas funktionieren kann, von der Architektur her, von der Außenwirkung und unter dem Aspekt der Energie-Einsparung.

Ihnen ist die gute Zusammenarbeit gerade auch mit Handwerkern, mit Malern und Stuckateuren wichtig. Wie transportieren Sie das?

Schönell: Wir legen Wert auf die Zusammenarbeit mit den Verarbeitern und das bewiesen wir zwei Jahre lang in unserer Kampagne „Wärme im Dialog“. Da gab es eine gemeinsame Plattform und zwar vom Industrieverband Werkmörtel IWM, vom Fachverband Wärmedämm-Verbundsysteme und von uns, vom Industrieverband Hartschaum IVH. Mit dabei waren auch die beiden Verbände der Maler und der Stuckateure. Diese Kampagne bewährte sich gut in der „Außenmission“, weil wir hier Geschlossenheit zeigten, aber auch nach innen, weil wir uns seither teilweise besser verstehen als vorher.

Wie sehen Sie dann die derzeit laufende Kampagne „Dämmen lohnt sich“, die von vier Herstellern getragen wird?

Schönell: Die sehe ich sehr positiv. Da werden ja erhebliche Mittel in die Hand genommen, um in der Breite positive Argumente weiterzugeben. Da muss ich sagen, Chapeau, alle Achtung, was da jetzt gemacht wird zu einem guten Zeitpunkt, das ist der Schweiß der Edlen wert, die sich dafür zusammentaten, Stotmeister, Brillux, Caparol und Baumit.

Wie werden Sie in Zukunft mit kritischer Berichterstattung umgehen?

Hagmann: Ganz klar, wie in der Vergangenheit wollen wir nichts verheimlichen. Wir sprechen über unseren Dämmstoff offen und möchten von den Kritikern realistisch betrachtet werden.

Schönell: Wir werden nicht den Kopf in den Sand stecken, wir müssen und wollen uns äußern und müssen geschickt kommunizieren in alle Richtungen.

Frau Hagmann, Herr Dr. Schönell, herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Ulrich Schweizer.

Ute Hagmann und Dr. Hartmut Schönell: Wir legen Wert auf die Zusammenarbeit mit den Verarbeitern.

Fotos: Ulrich Schweizer
Quelle: Malerblatt 08/2014
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