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Rollende Werkstatt

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Rollende Werkstatt

Nach spätestens sechs Jahren tauscht die Hälfte aller Maler ihr Firmenfahrzeug aus. Es gibt auch andere, die ihrem Auto länger treu sind. Das muss kein Nachteil sein.

Josef Schneider

Vor 22 Jahren erstand Malermeister Helmut Gschiel aus München einen Mercedes-Benz MB 100. „Das Fahrzeug hatte gewisse Schwächen und ist eigentlich untermotorisiert“, erzählt er. Trotzdem würde es der 76-Jährige für nichts in der Welt hergeben. Denn seinen MB 100 hat er nach dem Kauf selbst um- und ausgebaut und seither permanent optimiert. Das Ergebnis ist ein ausgeklügelter Werkstattwagen, den es in dieser Form wohl kein zweites Mal geben dürfte – weder in Deutschland noch irgendwo sonst auf der Welt. „Für mich ist er perfekt“, sagt Gschiel.
In München gibt es keinen schöneren MB 100, hat ihm sein Händler bescheinigt. Aber nicht nur die gepflegte Optik des Oldtimers überrascht. Das eigentlich Faszinierende ist der Innenausbau. Hunderte von Pinseln und Spachteln sind darin untergebracht. Unzählige Farbdosen, Tuben, Klebebänder und andere Materialien bevölkern die Schubladen und Regale. Leitern, Elektrowerkzeuge, Baustrahler – alles ist ordentlich verstaut. Werkzeuge aus aller Welt finden sich darin. Die hat Gschiel auf seinen zahllosen Reisen selbst gesammelt.
Wandervogel
„Ich bin ein Werkzeugfreak“, sagt Gschiel über sich. Aber er ist auch ein Wandervogel. Geboren 1940 in Österreich begann er mit fünfzehn eine Malerlehre. Als Geselle ging er auf Wanderschaft, arbeitete in einem Hotel in St. Moritz, verbrachte dann mehrere Jahre in England, Schottland und Schweden, um sich schließlich in Australien beruflich weiterzuentwickeln. „In meinen Wanderjahren ging es mir vor allem ums Lernen“, betont Gschiel. Auch nachdem er sich in den 1970er-Jahren selbstständig gemacht hatte, ließ er das Reisen nicht. „So drei bis vier Monate im Jahr war ich immer unterwegs, meistens im Winter.“
Heute arbeitet Gschiel noch rund sechs Monate im Jahr. „Aber nur für Kunden und Aufträge, auf die ich Lust habe“, betont er. Meist sind es hochwertige oder fachlich anspruchsvolle Arbeiten. „Ich traue mich an Dinge ran, die andere nicht wollen oder können.“ So hat er beispielsweise den Wasserschaden in einer Luxusvilla beseitigt. „Da musste ich Schäden an Vergoldungen, Spachtel- und Lasurtechniken und exklusiven Tapeten ausbessern. Die meiste Zeit ging mit der Bemusterung drauf.“ Ohne seine rollende Werkstatt hätte Gschiel den Auftrag wohl kaum so erfolgreich durchführen können. „Ohne mein Auto bin ich auf der Baustelle wie ein Vogel ohne Flügel.“

praxisplus
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