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Bunt ist meine Lieblingsfarbe

Bunt ist meine Lieblingsfarbe
Souvenirs und Suaden

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Foto: Florian Kunde / Adobe Stock

Neue Eindrücke und Gedanken von einer Reise sind nachhaltigere Souvenirs als die üblichen „Stehrümchen“. Eigentlich wollte ich bei meinem Aufenthalt in Venezien auch wieder mal nach Burano, dessen fast schrille Buntheit nicht nur für Maler immer wieder beeindruckend ist und mich jedes Mal mit dem überraschenden Satz des Bauhausgründers Walter Gropius konfrontiert, dessen funktionale Architektur man eigentlich stets mit der Farbe Weiß verknüpft: „Bunt ist meine Lieblingsfarbe.“

Terrain abstecken

Stattdessen habe ich auf einer Bootsfahrt entlang der Küste des malerischen Chioggia erfahren, dass die Fischer dort früher die Boote in der Farbe der Häuser strichen, um ihr Terrain abzustecken und die Anlegeplätze zu markieren, ähnlich wie heute manche Hausbesitzer, die ihre sekundäre Garage in der Farbe der Fassade streichen lassen und so zeigen, was sie haben. Zur richtigen Farbgestaltung habe ich in meiner Reiselektüre einen guten Hinweis von Prof. Markus Schlegel gefunden: „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker heißt es bei der Medizin. Also fragen Sie Ihren Handwerker oder Gestalter bei der Fassade!“ Wer’s beherzigt, minimiert Risiken und Nebenwirkungen. Natürlich gab’s nicht nur farbige Eindrücke und Anregungen. In Venedig erinnerten mich die „Löwenmäuler“, kunstvoll verzierte steinerne Briefkästen, in denen Denunzianten die Mitbürger anonym anzeigen und beschuldigen konnten – auch damals unter anderem schon wegen Korruption oder Beschädigung der Lagune, heute würden wir dazu Umweltverschmutzung sagen. Das jetzt in Baden-Württemberg eingeführte, höchst umstrittene System, bei dem man Mitbürger bei Verdacht auf Steuerdelikte anonym anzeigen kann, ist trotz seines frisch gestrichenen Namens „Anonymes Hinweisgebersystem“ nicht neu – eher mittelalterlich. Im alten Venedig wurden viele der Denunzierten gefoltert oder ertränkt. Etwas humaner das Urteil für Schuldner in Padua: Sie wurden dazu verurteilt eine Zeitlang öffentlich auf dem „Schandmal“, einem steinernen Hocker, zu sitzen – strafverschärfend in Unterhosen. So drakonisch sind die Strafen für Steuerhinterziehung heute nicht mehr. Wenn sich die anonyme Anzeige bestätigt, muss man freilich die sprichwörtliche Hose runterlassen, eine Geldstrafe zahlen oder vergleichsweise komfortabel einsitzen. Gleichwohl argumentieren die Gegner des anonymen Hinweisportals vehement mit einem Zitat, das fälschlicherweise einem nationalsozialistischen Dichter zugeschrieben, aber wohl schon Ende des neunzehnten Jahrhunderts aus sozialdemokratischem Umfeld stammt: „Der größte Schuft im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.“ Die Renaissance der anonymen Anzeigen wird noch lange für kontroverse Diskussionen sorgen.

Gibt’s nicht gibt’s doch

Multitasking gibt es nicht. Jedenfalls sagt das eine Studie, bei der Harvard-Studenten getestet wurden. Dabei konnte sich deren Gehirn nur auf ein, maximal zwei komplizierte Tätigkeiten konzentrieren. Hätte man selbstständige Handwerker getestet, wäre das Ergebnis vielleicht anders ausgefallen: In der linken Hand das Telefon, mit der rechten Kalkulationsdaten eingeben und gleichzeitig registrieren, dass die Gesellen im Hof wieder falsches Material aufladen – und dabei noch überlegen, wie das künftig zu vermeiden ist. Geht doch.

Bezahlbare Wohnungen

Dem steht vieles im Weg. Proteste auf Baumhäusern, wenn bei der Erschließung neuer Flächen für den Bau von Wohnhäusern ein paar Bäume gerodet oder Lurche umgesiedelt werden müssen. Mehr freilich noch die stetig wachsende Flut länderunterschiedlicher Gesetze, Vorschriften und Normen – inzwischen insgesamt 20 000. Nicht nur höhere Standards und weitere Vorschriften zum Klimaschutz wie die neue Pflicht zu Solaranlagen treiben die Kosten. Auch die Ansprüche steigen. Zu den Anforderungen beim energetischen Bauen und Modernisieren gesellt sich aktuell der Wunsch nach allergiearmen Häusern. Dafür gibt es jetzt ein Siegel, das erhält, wer anhand der Baubeschreibung nachweist, dass er keine gesundheitlich bedenklichen und allergieauslösenden Baustoffe einsetzt und weitere Forderungen eines Maßnahmenkatalogs erfüllt, zum Beispiel auch die, nur „allergiefreundliche Farben“ zu verwenden. Letzteres ist uns Malern recht – aber für bezahlbares Bauen ist die Inflation der Forderungen schlecht.

Jetzt Geschenke bedenken

Auch in diesem Jahr erinnere ich rechtzeitig an die Auswahl der Weihnachtsgeschenke oder -grüße für Ihre Kunden – damit die, im doppelten Sinne des Wortes, auch gut ankommen. Neue Ideen findet man zum Beispiel auf der Clouberry Homepage von Halwa Heigl, die Produkte empfiehlt, die nicht nur umweltfreundlich sind, sondern vor allem „die DNA ihres Unternehmens transportieren.“ Beispiel: Wenn eine breite Leistungspalette Ihre Stärke ist, vielleicht digitale Geschenkkarten mit Zugangscodes zu einer Seite, auf der sich der Kunde unter mehreren Geschenken, die alle was mit Farbe, Wohnen, Modernisieren zu tun haben sollten, seines auswählen kann. Nicht schlecht zum Thema Farbe auch Grußkarten mit Bildern von Pflanzen, die einen farbigen Namen haben, wie Blaue Hortensie, Rosa Nemisea oder Goldlack. Die Karten kann man direkt in die Erde stecken und anpflanzen. „Damit unsere Geschäftsverbindungen weiter blühen und gedeihen“, könnte vielleicht draufstehen. In diesem Jahr also auf alle Fälle etwas, das mit Ihrer betriebsindividuellen Maler-Message zu tun hat. Auch wenn wie zum Beispiel bei guten Hotels in Ihrer Kundendatei die Vorlieben und Hobbies wichtiger Kunden vermerkt sind, kommen Sie leicht auf passende Ideen, mit denen Sie bestimmt ins Schwarze treffen.

Nachlese

Beim Lesen des Artikels „Illusionen zaubern“ in Heft … musste ich spontan an „Holzfarb“ denken. So hieß in meiner Lehrzeit nicht etwa eine für Holz besonders geeignete Farbe, sondern der Begriff stand für die damals noch häufigere Imitation von Holzoberflächen mit Lasuren. Ich habe das noch gelernt. Von unseren Lehrgängen, zu denen wir – sonntags – zu fünft mit unseren Mopeds 40 Kilometer weit anreisten, ist mir das Ritual bei Kursbeginn in besonderer Erinnerung: Ich musste mit einem Krug in die Wirtschaft und „Tröppelbier“ holen, das wir als Bindemittel verwendeten. Geld für Flaschenbier auszugeben hätte unser Meister, ein Könner vom alten Schlag, niemals erlaubt. Die speziellen Werkzeuge, der Dachshaarvertreiber war das teuerste, haben wir gepflegt und gehütet. Das Wegschmeißen, weil Zeit teurer geworden ist als Werkzeuge, kam erst später. Pinsel auswaschen und binden – nur noch was für ökologische Einfaltspinsel. Aber mit Sparsamkeit ist man auch heute nicht auf dem Holzweg.


PraxisPlus

Autor Werner Schledt war jahrzehntelang Betriebsberater und Verbandsgeschäftsführer im hessischen Maler- und Lackiererhandwerk.

Werner Schledt

Gangstraße 35 c

60388 Frankfurt/Main

werner@schledt.de


Walter Gropius

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