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Dämmung ja, aber

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Dämmung ja, aber

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Die Teilnehmer des Roundtables.
Über 65 Prozent der Malerunternehmen führen Dämmarbeiten aus. Ein guter Grund, den aktuellen Status von WDVS in der Sanierung näher zu betrachten.

Autor: Martin Mansel I Fotos: Qualitätsgedämmt e. V.

In Berlin trafen sich Ende Juli eine Runde von Personen, die alle mit dem Thema WDVS zu tun haben, um darüber zu diskutieren, was Fachbetriebe unternehmen können, um ihr Geschäft mit energetischer Sanierung, genauer mit Wärmedämmverbundsystemen, zu stärken. Mit am Tisch saßen: Peter Rathert, Ministerialrat, Referatsleiter im Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat, Jan Bauer, Präsident Bundesverband Farbe, Gestaltung, Bautenschutz, Reinhard Rose, stellv. Geschäftsführer Franz Rebl Malereibetriebe GmbH und Lothar Bombös, der Vorstandsvorsitzende des Vereins Qualitätsgedämmt e.V., Uli Krenn, der die Runde moderierte, hatte aktuelle Branchenzahlen aufbereitet, um den Einstieg ins Gespräch zu erleichtern.

Differenzierte Betrachtung nötig

Im Neubau hat WDVS seinen festen Platz, die Auswahl des verwendeten Materials steuere sich hier meist über den Preis. Das erklärt Lothar Bombös. Im Segment Sanierung schwächelt diese Art der Dämmung seit langem. Dass dies nicht nur an schlechter Presse liegt, belegen die Zahlen der B+L Studie 2018. Für mehr als die Hälfte aller Wohnungen trifft ein privater Eigentümer die Entscheidung zur Sanierung. Und bei diesen hat im vergangenen Jahrzehnt ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Das Argument: „Saniere Dein Haus, dann kannst Du viel Energie sparen“ verfängt nicht mehr. Heute bestimmen andere Motive, ob und wann saniert wird. Laut Studie ist die Sanierungsintensität oft abhängig von Lebensphasen und nicht immer das Resultat rationaler Überlegung. Laut B+L Global Building Monitor sind zwei Hauptphasen identifizierbar, zum einen das Lebensalter zwischen 28 und 35, wenn der Haushalt gegründet wird, zweitens das zwischen 52 und 60 Jahren, wenn die Kinder das Haus verlassen haben. Außerdem werden die Sanierer immer älter. Noch vor 20 Jahren hätten die meisten Menschen sich dagegen entschieden, in fortgeschrittenem Alter noch das Haus zu modernisieren. Wo aber über 60-jährige sich noch für jugendlich halten, verändert sich auch die Perspektive.

Wenn jedoch saniert wird, spielen Werterhalt und Optik eine größere Rolle als bisher. Auf Platz 1 der Sanierungshitliste liegt nach wie vor Verschleiß/ Beseitigung von Schäden (57 %), auf Platz 2 und 3 folgen Optik und Design (41,8 %) und Wert der Immobilie verbessern (38,6 %). Nur noch ein Viertel der Befragten gaben an, sich hauptsächlich für eine Sanierung zu entscheiden, um Energie (z. B. Heizkosten) zu sparen. Die Bereitschaft zur Fassadensanierung ist am größten, wenn ohnehin Renovierungsarbeiten anstehen. Fördermittel spielen nur eine geringe Rolle. Die Aussicht auf eine Bearbeitung von Förderanträgen scheint eher abzuschrecken. Dies versucht Lothar Bombös zu entkräften. Er sagt, eine Beantragung sei an einem Nachmittag problemlos zu erledigen.

Gründe für Sanierungsstau

Rund zwei Drittel des deutschen Gebäudebestandes sind in einem sanierungsbedürftigen Alter. Das wirtschaftliche Potenzial ist also nicht zu unterschätzen. Was sind also die Gründe für den Sanierungsstau in Deutschland, und wie kann man die Sanierungsbereitschaft aktivieren? Ministerialrat Peter Rathert wünscht sich eine stärkere Information der Öffentlichkeit, eine Kampagne, die dem veränderten Verhalten der potenziellen Sanierer Rechnung trägt.

Neben der mangelnden Bereitschaft der Kunden sind als weitere Argumente für den Sanierungsstau der Fachkräftemangel und die Ausrichtung der Betriebe zu nennen. Die Handwerker bevorzugen den Neubau. Werden Aufträge abgelehnt, sind dies zu 75 % Sanierungsarbeiten.

Ausblick

Der Neubau kann die Nachfrage nach Wohnungen nicht ausreichend befriedigen. Daher ist eine Zunahme bei der Sanierung von Bestandsimmobiliein trotz bestehender Hemmnisse zu erwarten. Verschiedene Möglichkeiten, mit der Problematik bei WDVS umzugehen, hat Uli Krenn in der Liste auf Seite 106 aufgeführt.

Infos zu WDVS:
www.daemmen-lohnt-sich.de


PraxisPlus

Das können Handwerker tun, um das Geschäftsfeld WDVS besser zu bearbeiten.

  • Abwarten. Alles wird besser (spätestens nach dem Neubau-Boom und mit dem GEG)
  • Den Schwung anstehender politischer Entscheidungen (steuerl. Absetzbarkeit) nutzen
  • Mehr aktives Marketing für WDVS, auch auf der firmeneigenen Website
  • Im persönlichen Kundenkontakt aktiv die Fassadensanierung/-dämmung empfehlen
  • Auf WDVS spezialisierte Trupps installieren und gezielt damit werben
  • Auf Fördermöglichkeiten hinweisen und individuelle Kosten-/Nutzenrechnung durchführen
  • Werbemittel (Flyer, Broschüren) mehr auf Gebäudesanierung abstimmen
  • Social Media nutzen, um die Kernbotschaften für Fassadendämmungen zu kommunizieren
  • Mehr Kooperationen mit anderen Fachbetrieben und Institutionen (regionale Institute)
  • Sich auf margenstarke Leistungen („Pinselsanierungen“) beschränken, WDVS aufgeben

1957

Am Wohnhaus eines Malermeisters in Berlin-Dahlem wird das erste WDVS angebracht.

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