Am Puls der Einrichtungswelt

Dynamisch startete die Messe imm cologne mitsamt der Wohnschau LivingInteriors für Bad, Licht und Wand in das Möbeljahr 2016. Globalisierung und Urbanisierung kristallisierten sich als die beiden Hauptthemen heraus.

Andrea Grunau

Möblieren macht Spaß, das hat die Internationale Möbelmesse in Köln deutlich gezeigt. „Business und Inspiration schließen sich dabei nicht aus“, so Messechef Gerald Böse. Die Atmosphäre vor Ort war geprägt durch Networking der unterschiedlichen Disziplinen und handwerklichen Fertigkeiten. Edle, verspielte oder naturnahe Wohnkonzepte, ausgestattet mit innovativen Möbeln, Accessoires und Heimtextilien spiegeln die gegenwärtigen Lebensgefühle wider. Ergänzt werden die jeweiligen Wohnwelten gerne durch intelligente Smart-Home-Techniken.
Fließende Konturen
Wahre Inspiration mit „Wow-Effekt“ suchte man allerdings vergebens. Auch in diesem Jahr dreht sich im Wohnsegment vieles um Gemütlichkeit und Geborgenheit in den eigenen vier Wänden mit persönlichen Rückzugsorten. Fließende Konturen anstelle von Ecken und Kanten, weiche, haptisch ansprechende Materialien wie Alcantara oder Samt für die Sinnlichkeit im Dandy-Look. Glaubt man den Prognosen des Deutschen Tapeten-Instituts, stemmen sich die aktuellen Tapetenmuster gegen Mainstream und Monotonie, erzeugen ein wahres „Wechselbad der Gefühle“. Grün ist die Hoffnung und verleiht gerade Wänden das gewisse Etwas an Dynamik. In seiner Neutralität wirkt Grün beruhigend, ohne zu ermüden. Eine begrünte Zone gegen den Alltagsstress, lässt sich auch mit Möbeln schaffen.
Neues kommt aus der Vergangenheit und ist dem einen oder anderen sehr wohl bekannt wie ein guter alter Freund. „Mid-Century-Design“ hat nun Hochkonjunktur und vereint Möbelstücke der 1940er- bis 1960er-Jahre als Neuauflagen und Weiterentwicklungen. Warum das Ganze? Weil Vintage nun einmal seit längerem gut funktioniert! Die Auswahl von Farben und Materialien sorgt letztlich dafür, dass sich das neue Produkt mit dem Zeitgeist verbindet und in bestehende Wohnensembles integriert.
Schwarz ist im Kommen
Der Hype um die Wiederkehr von Metallen wie Messing und Kupfer scheint nachzulassen. Dafür heißt es „black is back“ – nicht nur bei Möbeln, sondern sogar als Wandfarbe, dann jedoch im Verbund mit goldenen Akzenten. Weiterhin angesagt: erdige Töne, dazu Senfgelb, Petrol sowie Grau in allen Nuancen. Sattes Blau und kräftiges Türkis verdrängen die in der Vergangenheit beliebten Beerentöne. Erstgenannte Töne sorgen besonders bei Polstern, Stoffen und Tapeten für frischen Wind. Warum also nicht mal blaumachen? Zarte Rosatöne werden uns weiterhin begleiten, Pantone ließ verlauten, ihre Trendfarben des Jahres seien „Rose Quartz“ und „Serenity“, ein warmes, helles Rosa beziehungsweise sanftes Hellblau. In einem Farbverlauf gehen beide fließend ineinander über, werden eins. Warme Farben für die Achtsamkeit und Entspannung im modernen Alltagsstress.
Flechtkunst wieder gefragt
Natürliche Materialien wie Holz, Stein, Glas und Metall erfreuen sich ebenfalls großer Beliebtheit. Neben einem hohen Holzanteil, beispielsweise bei Tischplatten, Stuhl- und Tischgestellen, kommt Naturstein als Tischoberfläche optimal zum Einsatz, beispielsweise der Klassiker Marmor. Filz in angesagten Farben wird zu schnittigen Wellenlamellen oder festgezurrten Segeln als Paravent verarbeitet. Die Flechtkunst, eine der ältesten Handwerkstraditionen überhaupt, ist wieder en vogue, sei es bei Körben, Teppichen, Hockern, Stühlen oder filigranen Sesseln. Erdige und sandige Töne sind dabei besonders angesagt.
Frischer Wind
Neben den etablierten Marken sorgten überraschend kleine, junge Hersteller für Aufsehen. Aus Frankreich, Finnland, Bosnien und Herzegowina, Slowenien oder Tschechien, meist mit ihren Erst-Kollektionen, sind die Jungunternehmer an den Rhein gekommen. Erstaunlich: Sie besitzen häufig bereits eine umfangreiche Produktpalette. Accessoires und Kleinmöbel sind für sie kein Zusatzgeschäft, sondern Sprungbrett, um ins Revier etablierter Namen vorzudringen.