Farbe in Bestform

Fassaden müssen nicht statisch sein, sie können sich samt ihrer Farbigkeit verändern – indem sie die Umgebung reflektieren oder aber die Natur integrieren.

Autor: Armin Scharf

Verspiegelte Kartoffelquelle

In Belgien gehören die „Frites“, also in Fett goldbraun gebackene Kartoffelstäbchen, hierzulande auch als „Pommes Frites“ bekannt, fast zum nationalen Kulturerbe. Friterien, die das Knollenprodukt feil bieten, gehören fest ins belgische Stadtbild. So sehr, dass die Stadt Brüssel einen Architektur-Wettbewerb für neue Frites-Kioske auslobte, die künftig in der Hauptstadt stehen sollen. Aus den insgesamt 52 Einreichungen wählte die Jury den Entwurf des Büros Moto aus Gent. Eigentlich ist der einfache, kistenförmige Baukörper völlig unscheinbar, auch die hochklappbare Frontfassade, die während der Öffnungszeiten zum schützenden Vordach wird, ist eigentlich wenig spektakulär. Den Ausschlag für die Auswahl dürfte neben der lässigen Leuchtreklame auf der Dachkante vor allem die Vollverspiegelung der Außenflächen gegeben haben. Die reflektierenden Flächen lösen den Quader im Stadtbild fast komplett auf, das Bild der Umgebung ändert sich mit dem Standort des Betrachters, über Eck ergeben sich irritierende Perspektivwechsel. Ein durchaus interessanter Ansatz für insgesamt zehn Kioske. Ob sich die spiegelnde Kartoffelbraterei bei Sonnenschein – den es auch in Belgien geben soll – in eine Umgebungsbraterei verwandelt, wird sich zeigen.

Verwachsendes Hochhaus

Wie ein Fremdkörper steht das 314 Zimmer große Oasia Hotel zwischen den vielen anderen Hochhäusern Singapurs. Mit 190 Metern Höhe und 27 Etagen ist das Hotel zwar nicht das größte, aber wohl eines der spektakulärsten Gebäude des Geschäftsviertels. Anders als seine Nachbarn mit ihren hermetisch geschlossenen Fassaden öffnet sich das Gebäude, seine Hülle setzt sich aus zahllosen durchlässigen Aluminiumgewebe-Paneelen zusammen, die in fünf warmen Rottönen leuchten. Im Laufe der Zeit wird das Rot verschwinden, verdeckt von insgesamt 54 verschiedenen Pflanzenarten, die in 1793 Pflanzboxen untergebracht sind und sich über die Hülle ranken. Die Idee ist nicht nur, urbanen Lebensraum für Pflanzen, Insekten und Vögel zu bieten, sondern auch eine sich stetig wechselnde, vielfarbige und blühende Fassadenoptik zu realisieren.

Offenheit zeigt das Gebäude auch durch seine drei riesigen, in den Stockwerken 6, 12 und 21 verorteten Veranden sowie einem nutzbaren Dachbereich mit Pool. Dort zieht sich Fassade weit über die Dachkante nach oben, formiert so eine große, begrünte Laube, die zwar den Blick auf die Skyline drumherum verbirgt, aber dafür eine Oase in der hektischen Großstadt bildet. Übrigens: Die Fliesen der diversen Pools kommen aus Deutschland.

Weitere Fotos:
www.malerblatt.de


PraxisPlus

Objekt: Friterie-Kiosk, Brüssel

Bauherr: Stadt Brüssel und National

Federation of Friteries

Architektur: Studio Moto, Gent


PraxisPlus

Objekt: Oasia Hotel, Singapur

Bauherr: Far East Soho Pte Ltd

Architektur: Woha, Singapur