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Hochpigmentiert in Hamburg

Paint & Brush-Store von Amandus Mayer
Hochpigmentiert in Hamburg

Der Fokus von Paint & Brush-Gründer Amandus Mayer liegt seit über 20 Jahren auf hochwertigen Farben britischer Hersteller. Das Malerblatt hat ihn in seinem Showroom in Hamburg besucht. Eine Story über Pigmente und über 100 Jahre Malergeschichte.

Autor: Martin Mansel I Paint & Brush

Der Ziegelbau in Hamburg-Eimsbüttel, in dem sich heute Showroom und Manufaktur von Paint & Brush befinden, war früher erst eine Fischräucherei und beherbergte später dann eine Zeit lang ein Filmstudio. Die Umgebung: ein typischer Hamburger Hinterhofmix im Wandel. Als Nachbarn hat Mayer eine Autosattlerei, einen Kfz-Betrieb und ein Interior-Design-Geschäft. Malermeister Amandus Mayer hat über 47 Jahre Berufserfahrung, legt jedoch seit 2015 nicht mehr selbst Hand an die Wand, sondern konzentriert sich voll auf die Beratung und den Verkauf. Betritt man seinen Showroom, taucht man ein in eine Welt aus Farben. Mayer präsentiert hier mit seinem Team Farben von Farrow & Ball, Little Greene, der Paint & Paper Library und zusätzlich seine eigene Kalk- und Lehmfarbenkollektion.

Emulsion vs. Dispersion

Schon lange lebt Mayer seine Leidenschaft für Farben. Vor mehr als 20 Jahren war er einer der ersten Importeure von Farrow & Ball. Was ihn hier und bei den Produkten der anderen britischen Hersteller begeistert, sind der hohe Pigmentanteil und die transparenten Basen. Seiner Ansicht nach sind die Farbwirkung der Oberfläche und die Ausdruckskraft, die mit den hochpigmentierten britischen Emulsionen möglich sind, mit den üblichen Dispersionsfarben nicht erreichbar. Er lobt den Glanzgrad, den Strich und die wechselnde Wirkung je nach Sonnenstand und Schattenwurf. Im Showroom zeigt er uns verschiedene Oberflächen und deutet dabei auf eine Wandfläche, die seit Jahren nicht neu beschichtet wurde und die fast täglich von Kunden angefasst wird, dabei aber immer noch ansehnlich ist. Er erläutert: „Ja, die Farben sind empfindlich, aber das hält sich in Grenzen.“ Menschen, die besonders kritisch in Bezug auf Verschmutzung sind, empfiehlt er die abwaschbare Qualität Modern Emulsion. Mayer ist erfahren im Umgang mit anspruchsvoller Kundschaft, kennt aber auch die Sicht des Malers. „Man muss den Kunden oft die alltägliche Sicht der Dinge nahebringen. Es hat doch keinen Sinn, immer die Taschenlampe an die Wand zu halten und dem Maler zu sagen, schau mal hier. Hier ist noch ein Fehler“, so Mayer.

Eine riesige Spielwiese

Danach befragt, warum er gerade diese Hersteller anbietet, sagt er: „Mit den Farbkarten steht dem Maler eine riesige Spielwiese offen, mit der er in der Lage ist, seine Kunden und das sind überwiegend Kundinnen, zu überzeugen. Alle Farben lassen sich miteinander kombinieren und dies auf einem sehr ähnlichen Qualitätsniveau.“ Gefällt beispielsweise einer Kundin ein bestimmter Farbton von Little Greene, findet sie aber nichts Passendes auf der dazugehörigen Farbkarte, ist bestimmt auf der von Paint & Paper Library etwas dabei. Er zählt weitere Vorteile auf: „Beim Auftragen spritzt sie nicht, wenn ich sie gestrichen habe, riecht sie nicht und als Maler habe ich weniger zu tragen, weil sie so ergiebig ist.“

Ziel sei, die Kundin mit der handwerklichen Arbeit so zu überzeugen, dass sie künftig nur noch mit diesem Maler und diesen Farben arbeiten will. Mayer hat eine strikte Haltung zur Qualität, die sich durch seinen ganzen Lebensweg zieht.

Diese Qualität vermittelt er Malern und Malerinnen in ein- und zweitägigen herstellerunabhängigen Schulungen und Workshops. Diese behandeln technische und betriebswirtschaftliche Themen, um Anwendungssicherheit und Beratungskompetenz zu verbessern. Schulungen gibt es unter anderem zu den Fragestellungen: Warum profitiert mein Betrieb von der Verarbeitung von englischen Farben? Weswegen macht es Sinn mit dem Original zu arbeiten? Wie kann ich mich als Malerbetrieb vom Mainstream absetzen? Warum ist die Verarbeitung von nachhaltigen Farbqualitäten wie Lehm! profitabel? Mayer ist überzeugt davon, dass Maler sich danach nicht nur neue Kundenkreise erschließen können, sondern auch wesentlich auskömmlicher arbeiten können. Er verweist auch auf positive Auswirkungen des Paint & Brush Netzwerkes, da Kundenanfragen, z.B. über den Onlineshop, an durch ihn geschulte Firmen weitergegeben werden.

License to mix

Er geht mit uns in seine Manufaktur, die sich an den Showroom anschließt. Eine Mitarbeiterin klebt hier gerade selbst hergestellte Muster der hauseigenen Lehmfarbe auf Farbkarten. Hier stehen auch die Originalmischmaschinen der drei britischen Hersteller und die Maschine für die eigenen Lehmfarben. Auf diesen Maschinen produziert er mit Originalbasen und Pigmentpasten Farben nach Originalrezept. Dadurch, dass die Mischgeräte mit den Zentralen der Hersteller in England vernetzt sind, sind auch immer die aktuellen Updates am Start.

Im Umfeld von Hamburg können Kunden die Farbe auf Wunsch sofort abholen. Deutschlandweit, man liefert unter anderem auch viel nach Bayern und dorthin, wo es keine herstellereigenen Showrooms gibt, erhalten sie ihre Bestellung innerhalb von zwei bis vier Tagen. Malern bietet er ein Full-Service-Paket.

Lehm!

Das hauseigene Label Lehm! ist mit dem EU-Ecolabel des RAL-Instituts in Berlin zertifiziert, laut Mayer ein grundehrliches nachhaltiges Produkt. Die Grundstoffe kommen aus dem Teutoburger Wald und werden dann in Hamburg mit Pigmentpasten in Form von aufgelösten Echt-Pigmenten eingefärbt. Die Farbkarte Lehm! weist 85 Farbtöne auf, was für viele Kunden laut Mayer sehr überraschend ist. Individualmischungen sind auf Anfrage möglich. Er erläutert: Die Lehmfarbe kann ich direkt auf viele Arten von Untergründen streichen. Sie ist absolut matt. Lehm! hat eine große Oberfläche, vergleichbar mit einem Schwamm und ist diffusionsoffen. Nach dem Auftrag ist das Raumklima sofort verändert. Gerüche werden reduziert. Daher verwenden auch Gastronomen diese Farbe gern. Die Farbwirkung beurteilt Mayer wie die der englischen Farben. Auch für die Lehmfarben bietet Mayer Sampledosen an.

Kalk aus Italien

Begeisterung klingt mit, als das Gespräch auf Kalkfarben kommt. Mayer bezieht sein Material aus kleinen mittelständischen Manufakturen in Italien nahe Trevino. Es handelt sich um traditionell hergestellte Putze und Farben aus 100 Prozent Löschkalk, der bis zu einem Jahr in speziellen Bassins gereift ist. Unter dem Namen Purnatur bietet er diese Kalkputze höchster Reinheit an, z. B. Stucco di Agua für fugenlose Bäder oder Terre du Chaux für Kalkböden. Sobald es wieder möglich ist, möchte Mayer auch wieder Seminare anbieten, bei denen italienische Meister die Techniken vor Ort vorführen.

A.W. Mayer – die Story

Die Geschichte von A.W. Mayer u. Sohn beginnt in Neckarrems in Baden-Württemberg. Großvater August Wilhelm absolvierte dort die Malerlehre. Die Chancen, sich dort etwas aufbauen zu können, waren allerdings aufgrund der damals herrschenden Wirtschaftskrise gering. Daher wollte August Wilhelm auswandern. Amerika war das große Ziel, um dort einen Neuanfang zu wagen. Er machte sich auf den Weg nach Hamburg, um dort ein Schiff zu besteigen. Das war nur nicht so einfach und er musste sich auf eine längere Wartezeit einstellen. Die Stadt Hamburg hatte Küchen eingerichtet, wo die Auswanderwilligen sich verpflegen konnten. Dort lernte er seine spätere Frau Martha kennen. August Wilhelm blieb in Hamburg. Er ging nicht aufs Schiff. Er fing an, in Hamburg sein Handwerk auszuüben und das mit zunehmendem Erfolg, da er nicht nur Maler war, sondern auch ein guter Gestalter. Dann wuchs die Familie. Amandus Mayers Vater Berthold war das jüngste der Kinder.

Dann kam der erste Weltkrieg. Das Unternehmen wechselte mehrfach den Standort. Mayer Senior hatte sich da allerdings schon einen Namen gemacht. Berthold Mayer hatte 1933 bereits den Meisterbrief in der Tasche und machte sich selbstständig. Dann kamen der zweite Weltkrieg, Einberufung und Kriegsgefangenschaft in Russland. Nach dem Krieg kehrte er nach Hamburg zurück. 1949 schließlich betrat er auf der Suche nach Aufträgen die C&A-Filiale auf der Mönckebergstraße in Hamburg. Daraus entwickelte sich eine ständige Geschäftsbeziehung, die über 30 Jahre Bestand hatte, der Grundpfeiler für die zweite Generation A. Wilhelm Mayer. Berthold Mayer betreute die Filialen, sowohl beim Neubau wie auch bei Unterhaltungsarbeiten. Nach und nach konnte er seinen Betrieb weiter ausbauen, eine richtige Erfolgsstory. 1958 erblickte dann Amandus Mayer das Licht der Welt. Er wuchs in der elterlichen Malerwerkstatt auf, absolvierte seine Malerausbildung ebenfalls in Hamburg, arbeitete dann als Jung-Geselle zwei Jahre in der Schweiz, machte in Stuttgart seine Meisterprüfung und sammelte in Frankfurt Erfahrungen. 1985 kehrte er in den elterlichen Betrieb zurück und übernahm diesen dann später.

Einen wichtigen Impuls für seine spätere Arbeit erhielt er, als er ein Zeitungsinterview las, in dem sich ein Architekt darüber ausließ, dass die Maler immer mit diesen kleinen Farbkarten kämen und Angebote nur schwer nachvollziehbar präsentierten. Das leuchtete Mayer ein und als er die Chance hatte, den heutigen Standort anzumieten, eine ehemalige Fischräucherei, begann er damit, Stück für Stück ein Showroomkonzept umzusetzen, um Kunden und Architekten Gestaltungsmöglichkeiten an konkreten Beispielen zu zeigen. Denn Mayer wollte sein Geschäftsmodell ändern und vom Großflächengeschäft hin zu hochwertigen Privatkundenaufträgen wechseln. Zusätzlich zum Hamburger Betrieb baute er in den Folgejahren noch eine Niederlassung auf Sylt auf und setzte zahlreiche hochwertige Projekte um.

Da es keine familiäre Nachfolge gab suchte Mayer eine andere Lösung für eine Betriebsübergabe. 2015 verkaufte er seinen Malereibetrieb an eine führende Malerfirma in Hamburg. Durch die Übergabe in professionelle Hände sieht er die Zukunft der Traditionsfirma gesichert. Das gab Mayer die Freiheit, sich voll auf die Farbberatung und den Verkauf von Farben zu konzentrieren.

Weitere Informationen:
www.paintandbrush.de

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