Gebäudehülle & Innenraum

40 Jahre Kremer Pigmente: Smalte war der Auslöser

Ein befreundeter Restaurator bat einst den Physiker und Chemiker Georg Kremer, etwas über die Produktion des historischen Pigmentes Smalte herauszufinden. Kremer, der seinerzeit einen Lehrstuhl an der Uni Tübingen innehatte, forschte und fand schließlich eine Rezeptur. Kurz darauf tauschte er Lehrstuhl gegen Minilabor. Jetzt feierte Kremer Pigmente 40-jähriges Jubiläum.

Friederike Schulz

Ganz klein hat Georg Kremer in einem Labor in seinem Keller in Tübingen 1977 angefangen. Der Lehrstuhl in Physik wurde gegen das Forschen und Herstellen alter Farbpigmente und Malmittel eingetauscht. Smalte war bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts einer der wichtigsten Blautöne; dann wurde es mehr und mehr durch das einfach herzustellende Kobaltblau verdrängt. Rund 200 Jahre später sollte das lange verloren geglaubte Rezept den Grundstein für eine der weltweit bekanntesten Produktionsstätten für Pigmente legen: die Kremersche Farbmühle.

Um auf dem Markt langfristig bestehen zu können, erwarb Georg Kremer im Jahr 1984 gemeinsam mit seiner Frau Brigitte die alte Mühle in Aichstetten. Hier wurde lange Zeit Mehl mittels Wasserkraft gemahlen. Viel Renovierungs- und Ausbauarbeit war nötig, um die Mühle zum Zentrum des Unternehmens zu machen. Die Gebäude waren etwas heruntergekommen, aber noch gut genug in Schuss und vor allem groß genug, um als Forschungs-, Vertriebs- und Produktionsstätte zu dienen.

Zwei Generationen

Mit Efeu bewachsenene, farbig gestrichenene Gebäudeteile und Kopfsteinpflaster auf dem Hof geben der Mühle heutzutage ein verwunschen wirkendes Äußeres.

Im September 2017 wurde in der liebevoll restaurierten Unternehmenszentrale das 40-jährige Firmenjubiläum gefeiert. An der Seite von Georg Kremer: Sohn David, der seit zehn Jahren im Betrieb seines Vaters mitarbeitet, ihn mittlerweile federführend leitet. Kremer junior ist hier aufgewachsen. Er führt die zahlreichen Jubiläumsgäste durch die für ihn besondere Stätte.

In einem Anbau des Verwaltungstrakts befindet sich eine hundert Jahre alte Ölmühle aus Italien, die vor 25 Jahren mit hohem Aufwand nach Aichstetten transportiert wurde. Zwei riesige Mühlsteine tun hier nun ihren Dienst, um mit dem schonenden, langsamen Mahlvorgang das berühmte Pigment „Veroneser Grüne Erde“ herzustellen, das in Keramik- oder Metallmühlen verbrennen würde.

David Kremer setzt die Mühle in Gang, dabei lässt sich beobachten, wie sich die tonnenschweren Steine in dem riesigen Mahltrog bewegen. Trotz der Begeisterung, die Kremer bei der Präsentation versprüht: Es fiel ihm am anfangs nicht leicht, nach Aichstetten zurückzukehren. Mit seiner aus Madrid stammenden Frau, lebte er lange Zeit in Berlin, der Sprung zurück in die Allgäuer Provinz war zunächst nur für zwei Jahre „auf Probe“ angedacht. Mittlerweile sind es zehn Jahre geworden. Zwar fehle ihm die Stadt manchmal, erzählt David Kremer, er habe sich mit Aichstetten aber arrangiert – auch um das Erbe seiner Eltern fortzuführen.

Rare Pigmente

Die Kremers sind Kosmopoliten, sprechen mehrere Sprachen, fahren auf Fachmessen und Konferenzen in der ganzen Welt, wählen die Steine für die Pigmentherstellung eigens in Steinbrüchen aus, sind dabei stets neugierig auf das Unbekannte. Die Mühle mit ihren 40 Angestellten ist und bleibt aber das Zentrum ihres Schaffens.

Über hundert eigene Pigmente werden in der Farbmühle produziert, darunter so rare wie Lapislazuli. Hinzu kommen noch eigens hergestellte Aquarellfarben und Bindemittel. Im Angebot sind aber weitaus mehr Produkte, etwa Pigmente, die bei einer gewissen Temperatur ihre Farbe wechseln. Auch Anleitungen zur Herstellung von Farben und Lasuren werden von Kremer angeboten.

Wer mit den Pigmentpionieren in Kontakt tritt, bekommt fachlich kompetente Ratschläge im Bereich der Pigmentverwendung, aber auch Informationen über Malmittel oder Hilfe bei Komplikationen im Beschichtungsaufbau. Die Herstellung alter Pigmente gepaart mit modernen Farben, abgestimmt auf die Bedürfnisse der Nutzer, war und ist das Erfolgsgeheimnis des Unternehmens.


praxisplus

Weitere Informationen über die Kremer Farbmühle, die angebotenen Produkte, Kurse und Seminare finden Sie unter:

www.kremer-pigmente.com



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