Die Nacht zum Tag machen

Ein transparenter Überzug für kreative Wandgestaltungen verspricht einen besonderen Effekt. Das Material absorbiert Tages- und Kunstlicht und kann die aufgenommene Lichtenergie bei vollständiger Dunkelheit wieder abgeben.

Autorin: Susanne Sachsenmaier-Wahl | Fotos: Meffert

Der Wunsch, sich durch eine individuelle Innenraumgestaltung abzuheben, ist nicht nur bei Laden- oder Restaurantbesitzern groß, sondern auch im privaten Bereich. Immer mehr Kunden sind auf der Suche nach einer effektvollen Wandgestaltung, wie sie nicht an jeder Ecke zu finden ist.

Nach Putzen, Spachtelmassen und Lasuren in allen erdenklichen Varianten waren es zuletzt Metallicbeschichtungen, die viele Wände in repräsentativen Bereichen zierten. Kaum eine Wandgestaltung kam in den letzten Jahren ohne Glimmer, Glanz und Glitter aus.

Zeit für neue Effekte also. Wie wäre es zum Beispiel mit Oberflächen, die sich mit den Lichtverhältnissen verändern, die bei Nacht beispielsweise einen Leuchteffekt erzeugen?

Mit einem neuen Kreativprodukt lässt sich die spektakulärste überirdische Lichtshow am arktischen Himmel in die heimischen vier Wände holen: das Polarlicht (in der nördlichen Hemisphäre auch Nordlicht oder wissenschaftlich Aurora borealis genannt). Lichter in einer Farbpalette aus Grün, Rosa und Violett verzaubern bei diesem Naturphänomen die dunkle Nacht.

Das Polarlicht für zuhause

Ein Effekt, der dem Polarlicht entlehnt ist, lässt sich mithilfe eines transparenten Ergänzungsprodukts erzielen, das bei Nacht leuchtet. „Aurora boreale“, wie der italienische Deko-System-Spezialist Giorgio Graesan die Produktinnovation in Anlehnung an das Polarlicht nennt, ist eine wässrige Acryldispersion mit Spezialpigmenten. Diese absorbiert Tages- und Kunstlicht und kann die aufgenommene Lichtenergie bei vollständiger Dunkelheit wieder abgeben, sodass ein besonderer Design-Effekt entsteht. „Das Nachleuchten hält dann etwa sechs bis acht Stunden an,“ erklärt Benjamin Korb, Maler und Lackierermeister sowie Anwendungstechniker bei Meffert. Selbstverständlich funktioniert das Effektprodukt nur, wenn eine regelmäßige Lichtquelle vorhanden ist, damit sich das Material immer wieder vollständig „aufladen“ kann. Im Idealfall sollte das Material Tageslicht „auftanken“, um in den dunklen (Abend-)Stunden seine besondere Wirkung entfalten zu können. Doch es geht auch anders, verrät Benjamin Korb: „Wenn nicht genügend natürliches Tageslicht auf die Fläche fällt –
z. B. in dunklen Bars oder Diskotheken –, kann mit künstlichem ultraviolettem Licht nachgeholfen werden.“

Der Untergrund bestimmt den Effekt

Generell kann die transparente Beschichtung auf vielen Untergründen zum Einsatz kommen. „Dem Verarbeiter sind hier kaum Grenzen gesetzt, seine Ideen auf die Wand zu bringen und Aurora Boreale seine eigene Handschrift zu verleihen,“ so Benjamin Korb. „Es ist nur wichtig, dass – wie bei allen Beschichtungen – der Untergrund tragfähig, fest, trocken und sauber ist und dafür gegebenenfalls fachgerecht vorbereitet wurde.“ Besonders gut kommt, nach Meinung Korbs, der Effekt aber auf einem pastösen Kreativputz auf Kalkbasis zur Geltung. Dieser bietet nahezu unbegrenzte Gestaltungsmöglichkeiten, wie z. B. Steinimitationen oder Oberflächen mit floraler Anmutung. Der Kreativputz wird mit der venezianischen Glättekelle in nur einem Spachtelgang aufgetragen, dadurch entsteht eine polierte Steinoptik, die sich für den
Leuchtüberzug nicht optimal eignet. Warum, erklärt Benjamin Korb so: „Aurora Boreale leuchtet auf den glatten Flächen weniger prägnant als in den Vertiefungen.“ Die Oberfläche braucht also Struktur. Kein Problem: Wird die Kalkputzoberfläche nach dem Auftrag mit einem Stupfwerkzeug bearbeitet, entstehen beispielsweise dreidimensionale Strukturen mit der Optik eines rauen Steins. Eine spezielle Kelle mit gewelltem Rand ergibt eine an Bambushalme erinnernde Struktur. Anschließend können nach Wunsch mit Farbe weitere Akzente gesetzt werden. Lediglich Metallicfarben sollten unter dem transparenten Leuchtüberzug nicht zum Einsatz kommen. Diese weisen eine extrem glatte Oberfläche auf, was sich negativ auf die Haftung auswirkt.

Bei Licht unsichtbar

Die Farbigkeit des Untergrundes wird durch die nachleuchtende Beschichtung nicht beeinträchtigt. „Bei Tageslicht ist Aurora Boreale vollkommen transparent,“ bestätigt Benjamin Korb, ergänzt aber: „Allerdings kommt es auch auf die richtige Auftragsmenge an: Trägt der Anwender das Material zu dick auf, kann ein leicht milchiger weißer Film entstehen, der die Untergrundfarbe beeinflusst.“ Wieviel Material sollte also idealerweise aufgebracht werden? „Die Auftragsmenge ist natürlich abhängig von der Untergrundbeschaffenheit,“ erklärt Benjamin Korb und präzisiert: „Soll eine große, glattere Fläche beschichtet oder sollen raue Steinadern partiell betont werden?“ Dem Einsatzzweck entsprechend kann auch die erforderliche Auftragsmenge variieren. Grundsätzlich sei Aurora Boreale aber zweimal dünn aufzutragen.

Aurora Boreale wird mit einem Pinsel oder Schwamm, wie schon erwähnt, vorzugsweise auf strukturiertem Putz aufgetragen. „Geht der Anwender anschließend noch mit einem sauberen, nassen Schwamm über die Fläche und trägt somit das Material auf den höherliegenden Stellen ab, wird der in der Dunkelheit erkennbare Kontrast zwischen glatten und rauen Flächen noch verstärkt,“ verrät Benjamin Korb. Wie intensiv das Polarlicht die Nacht erhellt, liegt also in den Händen des Verarbeiters.

Weitere Fotos zum Kreativputz:
www.malerblatt.de


PraxisPlus

In Deutschland werden die kreativen Produkte des italienischen Deko-System-Spezialisten Giorgio Graesan schon seit über 20 Jahren über die beiden Meffert-Marken Dinova und ProfiTec vertrieben. Die anschauliche Produktbroschüre zu Aurora Boreale kann auf den Websites der beiden Marken heruntergeladen werden

www.dinova.de
www.profitec.de


Benjamin Korb, Anwendungstechniker bei Meffert

Dem Verarbeiter sind kaum Grenzen gesetzt, seine Ideen auf die Wand zu bringen und Aurora Boreale seine
eigene Handschrift zu verleihen