Freistehendrealisiert

Wegen des zentral aufgesetzten Glockenturms war die Einrüstung der evangelischen Kirche in Wiesbaden Naurod eine schwierige Aufgabe: Die Lasten ließen sich nicht über die Dachfläche und Außenmauern ableiten.

Fotos: Layher

Aufgrund der Architektur und der Gründung in sumpfigem Boden auf einem Pfahlrost aus rund 250 Eichenstämmen war es unmöglich, Last über die Dachfläche und die Außenmauern abzuleiten. Das notwendige Arbeitsgerüst stellte die Verantwortlichen vor Herausforderungen: Es musste komplett freistehend realisiert werden.

Lösen konnte die Eugen Nachbauer Gerüstbau diese technisch anspruchsvolle Aufgabe mit dem Layher-Allround-Gerüst. In enger Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Kilian Ingenieure wurde eine Gerüstkonstruktion geplant, welche alle Anforderungen sicher erfüllt und dennoch wirtschaftlich ist. Die Gerüstbauer errichteten zuerst ein Fassadengerüst um das ungewöhnliche Bauwerk. Die Gerüstvariante mit gewichtsoptimierten Bauteilen und selbstsichernder Keilschlossverbindung sorgte dabei für einen schnellen und sicheren Aufbau. Die Standsicherheit der freistehenden Konstruktion gewährleisten 40 Tonnen Beton- und Wasserballast mit robusten Stahlböden ist zudem ein rutschsicheres Arbeiten möglich – bei Regen wie bei Schnee.

Gerüstüberbrückungen

Für die wirtschaftliche Einrüstung des Kirchturms kam der Gerüstbaufirma Nachbauer eine Neuentwicklung zugute: Als Basis für den Weiterbau sollten vier jeweils 21 Meter lange paarweise über Kreuz auf dem Fassadengerüst abgesetzt werden – freitragend. Die Wahl fiel hier auf den neuen Fachwerkträger – einem hochtragfähigen Ergänzungsbauteil, welches maßlich und statisch ins Allround-Gerüst integriert ist. Schnell per Bolzenverbindung montiert, lassen sich Überbrückungen und Lastabfangungen so noch effizienter und – durch den modularen Aufbau – trotzdem flexibel realisieren. Variable Höhen, Breiten und Längen stellen eine exakte Anpassung an Last- und Geometrievorgaben sicher.

Die vier Überbrückungen aus den leichten und handlichen Einzelbauteilen des Allround-Fachwerkträgers wurden dazu im Betriebshof am Boden zu Elementen mit sechs Metern Länge vormontiert, vor Ort zusammengebaut und dann mit dem Kran aufgesetzt. Steht kein Kran zur Verfügung, lässt sich der Fachwerkträger per Hand montieren – auch im Freivorbau aus gesicherter Lage. Das Arbeitsgerüst für den Turm konnten die Gerüstbauer dann einfach auf diese Überbrückungen setzen, beziehungsweise als Hängegerüst an ihnen abhängen. Praktisches Detail: Die Fläche zwischen zwei parallel laufenden Fachwerkträgern wurde mit Stahlböden ausgelegt. Diese dient während der Sanierungsarbeiten als Transportplattform für den angeschlossenen Personen- und Materialaufzug.

Treppenturm

Zugänglich ist die Baustelle darüber hinaus über einen integrierten Treppenturm. Auch für Treppentürme stehen im Allround-Baukasten passende Ergänzungsbauteile zur Verfügung. Vom Podesttreppenturm für zulässige Belastungen bis 2,5 kN/m² bis hin zu Treppentürmen aus Einzelwangen und Stahlböden bis 7,5 kN/m². In diesem Fall kam der 16-stielige Treppenturm zum Einsatz. Bei diesem werden die Treppenläufe mit variablen Breiten aus einzelnen U-Treppenwangen sowie Serienböden als Stufen zusammengesetzt. Durch das geringe Gewicht und Volumen der Einzelteile ist für einen wirtschaftlichen Auf- und Abbau gesorgt. In nur 25 Tagen konnte ein Team von acht Mann so einen sicheren Arbeitsplatz für die Sanierungsarbeiten realisieren – ohne Kirchenkuppel, Fundament und Pfahlgründung mit zusätzlichem Gewicht zu belasten.

Weitere Informationen:
www.layher.de