Innung Stuttgart

Farbe für Frischluft – Photokatalytische Farben

Feinstaub ist in vielen großen deutschen Städten ein Problem. Besonders häufig in den negativen Schlagzeilen ist Stuttgart. Was das Malerhandwerk gegen verschmutzte Luft tun kann, hat sich der Landesinnungsverband des Maler- und Lackiererhandwerks Baden-Württemberg überlegt. Gestoßen ist er auf „alte Bekannte“.

Autor I Foto: Andreas Ehrfeld

Marketingfloskel oder nicht? So lautete anfangs die Frage, die sich Thomas Bär, Geschäftsführer des Landesinnungsverbands des Maler- und Lackierhandwerks Baden-Württemberg, und Thomas Maier von der technischen Beratungsstelle des Verbands stellen mussten.

Die Rede ist von photokatalytischen Fassadenfarben, die damit beworben werden, Stickoxide (NOx) aus der Luft abbauen zu können. Photokatalytische Fassadenfarben sind schon seit über zehn Jahren auf dem Markt, gelten aber bislang als Nischenprodukt.

Nach intensiven Recherchen kam der Baden-Württembergische Innungsverband zu dem Ergebnis: Die Wirkung photokatalytischer Fassadenfarben ist kein Marketing-Gag. Im Gegenteil: Zahlreiche Studien belegen, dass die Anstriche Stickoxide aus der Luft abbauen können. „Die Farbe hat die gleichen Eigenschaften wie andere Außenanstriche auch, kostet auch nur ganz geringfügig mehr“, sagt Thomas Bär. Kleine Einschränkungen gibt es jedoch. Die zur Verfügung stehende Farbpalette photokatalytischer Fassadenfarben ist etwas geringer, gerade bei kräftigeren Farbtönen.

Amtlich bestätigt

Ziel der Innung war es, in den Luftreinhalteplan der Stadt Stuttgart aufgenommen zu werden, um eine Art „amtliches Gütesiegel“ für die Farben zu bekommen. Dieses Ziel wurde erreicht. Im nächsten Schritt wurde recherchiert, welche Liegenschaften der öffentlichen Hand in den nächsten Jahren neue Außenanstriche erhalten sollen. In die Auftragsausschreibung soll dann nach Möglichkeit mit aufgenommen werden, dass für den Anstrich die photokatalytische Farbe verwendet wird. So wünscht es sich zumindest die Innung. Mit Keim und Sto sind sowohl ein Mineral- als auch ein Dispersionsfarbenhersteller mit im Boot. „Für den Maler sehen wir ebenfalls Vorteile. Er kann sich von all den „Hausmeisterservices“ abheben, die denken, das Malerhandwerk bestehe nur aus „Eimer auf, Farbe an die Wand klatschen.“ Schließlich könne er die Kunden hier beraten, sein Profil schärfen. Zudem stärkt das Fachhandwerk sein Image und leistet einen positiven gesellschaftlichen Beitrag.

Funktionsweise photokatalytischer Fassadenfarben

Die photokatalytischen Beschichtungen basieren auf speziellen Titandioxideigenschaften. An der Oberfläche der Funktionsbeschichtung finden, unter dem aktivierenden Einfluss von Licht, Zersetzungsprozesse statt. Besondere Rezepturen der Farbhersteller sorgen gleichermaßen für Stabilität des Bindemittels wie für Aktivität. Als Katalysator kommt Anatas, eine reaktionsfreudigere Variante des Titandioxids, zum Einsatz. Wird diese durch UV-Strahlung mit Energie versorgt, verschieben sich Elektronen in den Titandioxidkristallen. Diese reduzieren angelagerte Sauerstoffmoleküle der Luft zu Radikalen, die wiederum organische Moleküle zu Kohlendioxid und Wasser abbauen. Wichtig: Der Prozess setzt sich beliebig fort, da der Katalysator – solange er Lichtenergie erhält – die chemischen Reaktionen anregt, ohne sich dabei selbst zu verbrauchen. Der Prozess findet nur direkt an der Oberfläche der Beschichtung und nur unter Lichteinfluss statt. Unter diesen Voraussetzungen zerlegen photokatalytisch aktive Farben organische Schmutzpartikel an der Fassade ebenso wie Luftschadstoffe, die mit der Fassade in Berührung kommen.

Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) bescheinigt der Farbe, die Stickoxide aus der Luft um zwei Prozent zu mindern. Das klingt zunächst nicht nach viel. Allerdings: Ein spürbarer Beitrag zur NOx-Reduktion wäre schon zu erreichen, wenn nur ein kleiner Teil der Millionen Quadratmeter Fassadenfläche mit photokatalytischen Farben beschichtet würde, ist sich der Baden-Württembergische Landesinnungsverband sicher. Einen Versuch ist es allemal wert.

Weitere Informationen:
www.farbe-bw.de

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