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Kammzugtechnik: Materialien und Ausführung

Kammzugtechnik
Strukturen im Putz

Kammzugputz_02.jpg
Foto: Meffert

Teil 1: Mit der Kammzugtechnik entstehen auf Oberflächen faszinierende Topografien mit klarer, regelmäßiger Linienführung.

Autor: Benjamin Korb | Fotos: Susanne Wierse

Kammzugputze mit ihren waagerechten, senkrechten oder wellenartigen Linien wurden hauptsächlich in der Zeit des Jugendstils und im Historismus zur Belebung verschiedener Fassadenbereiche eingesetzt. Ihren historischen Anfang nahmen sie wohl im bäuerlichen Handwerk in Österreich. Heute gliedert man mit dieser Handwerkstechnik neben historischen Gebäuden auch moderne Fassadenoberflächen sowie Innenräume.

Die dreidimensionale Oberflächenstruktur der Kammzugputze verwandelt Oberflächen in abwechslungsreiche Topografien mit Höhen und Tiefen sowie einer klaren Linienführung. Mit einem meist regelmäßig geschnittenen, kammartigen Werkzeug (z. B. Stahlkamm, Sägeblatt, Saharakelle usw.) wird der noch nasse Putz durchgezogen, also „durchgekämmt“. Den Variationen in der Gestaltung, wie der Form, Erhöhung, Richtung und Vertiefung des Zuges, sind praktisch keine Grenzen gesetzt. Die Kammzugtechnik kann freihändig oder mit einer Werkzeugführung umgesetzt werden. Dabei kann das Werkzeug waagerecht, wellenförmig sowie senkrecht gezogen werden. Diese Struktur bietet eine Abwechslung zu den üblichen Rillen- oder Kratzputzoberflächen und trägt die Handschrift des Verarbeiters.

Untergründe, Werkzeuge und Materialien für die Kammzugtechnik

Geeignet sind gemäß VOB, Teil C, DIN 18363 Maler- und Lackierarbeiten tragfähige Untergründe, die den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen, an Außenwänden sowie in Innenräumen. Bei WDV-Systemen ist auf eine systemzugehörige Zulassung (AbZ) zu achten. Stark saugende Wände sollte man vornässen, damit das für die Trocknung benötigte Wasser nicht zu schnell aus dem Material gezogen wird. Üblicherweise wird in diesem Fall die Saugfähigkeit durch Grundieren eingestellt und zur weiteren Verarbeitung vorab mit einem Putzgrund, unter Berücksichtigung der ausreichenden Trocknungszeiten zwischen den Beschichtungen, zur Verbesserung der Haftungsvermittlung fachgerecht ausgeführt.

Für die plastische und dreidimensionale Kammzugtechnik eignen sich je nach Werkzeugauswahl und Strukturwunsch grundsätzlich mineralisch und organisch gebundene Putze. Organische Oberputze können bei der Verarbeitung Vorteile bieten, da nach dem Aufrühren und der Konsistenzeinstellung die Viskosität des Putzes für die gesamte Verarbeitungszeit nahezu gleich bleibt. Strukturunterschiede können durch Viskositätsschwankungen minimiert werden.

Bei mineralischen Putzsystemen können Unterschiede durch ungleichmäßiges Anrühren (Mischverhältnis Material zu Wasser) in der Viskosität und Standzeit auftreten. Auch mineralische Systeme haben ihre Vorteile. Unsere Empfehlung: die unterschiedlichen Systeme testen und für sich selbst das passende Material finden. Als Verarbeitungswerkzeuge eignen sich der Putzkamm, die Saharatraufel oder eine Zahntraufel.

Schritt-für-Schritt zur Kreativtechnik

Im ersten Arbeitsgang wird das Material je nach gewünschter Schichtdicke, Körnung, Konsistenz und ggf. Zulassung mithilfe einer Zahnkelle (Zahnung 6 oder 10 Millimeter) auf den fachgerecht vorbereiteten Untergrund aufgetragen. Im Anschluss lässt sich das Material mit einem Flächenspachtel aus poliertem, rostfreiem Stahl zu einer gleichmäßigen Oberfläche verziehen und bildet jetzt eine ebene homogene Fläche.

Im zweiten Schritt entsteht das Oberflächenbild der Kammzugtechnik: Durch das Ziehen des Kammwerkzeugs im feuchten Material – in waagerechter, wellenförmiger oder freihändiger Weise – entsteht die gewünschte dreidimensionale oder 3-D- Struktur. Entscheidend für die Qualität des Zuges ist der gleichmäßige Druck des Werkzeuges in das noch frische Material. Nach Möglichkeit, in Abhängigkeit von der Flächengröße, durch ansatzfreies Arbeiten. Mit der Saharakelle empfiehlt sich eine richtungsgleiche Anwendung/Applikation, d. h. wiederkehrend von oben nach unten oder regelmäßig von links nach rechts.

Kammzugtechnik Tipps

Bei Gebäudeöffnungen und Ecken sollte man stets von den Öffnungen wegziehend arbeiten.

Für nahezu ansatzfreies Arbeiten sollten bei der Kammzugtechnik die Fassadenflächen zusammenhängend bearbeitet oder vor Beginn kleinflächiger geplant werden. Sonst ist in Abhängigkeit von der Flächengröße die Zuglänge von Ansatz zu Ansatz zu gestalten.

Die Besonderheit dieser Gestaltungstechnik liegt in der „Handschrift“ des Kunsthandwerkers, die sich in einer nicht absolut geradlinigen (maschinell-perfekten) Struktur widerspiegeln darf.

Das Video zur Technik


Kammzuftechnik

Anrühren des mineralischen Universalmörtels, der für den Innen- wie Außenbereich geeignet ist.


Jetzt ist der Mörtel verarbeitungsfertig.


Auftrag des Mörtels mit einer Zahntraufel

(10 mm).


Der Mörtel wird geglättet, ohne vom Material etwas wegzunehmen.


Kammzugtechnik

Der feuchte Putz wird mit einer Saharakelle wellenförmig strukturiert.


Kammzugtechnik

Die frisch strukturierte Oberfläche: Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.


Verbürsten der Oberfläche mit einem feuchten Pinsel in der Maserrichtung.


Die „Saharadüne“ ist perfekt.


PraxisPlus

Die Meffert AG hat die historische Kammzugtechnik unter Verwendung der Saharakelle zur Innen- und Außengestaltung weiterentwickelt. Hierauf liegt auch das Augenmerk im Teil 1 dieser Serie. Für die im Video gezeigte Saharakellentechnik wurde zur Untergrundvorbereitung der P823/M823 Putzgrund verwendet. Die Saharakellentechnik wurde mit dem P1020/M1020 Universalmörtel appliziert. Ausgesuchte Farbtöne sind nach dem Vision 2.0 Farbsystem tönbar. Die Verwendung ist für innen und außen geeignet. Informationen über die ständige Weiterentwicklung der mineralischen und pastösen Produkte:

www.profitec.de 

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