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Farbiges und Buntes

Unverdünnt aufgetragen mit Werner Schledt
Farbiges und Buntes

Foto: stock.adobe.com/ Florian Kunde /

Nur sieben Prozent der Deutschen glauben daran, dass man es bei uns mit Fleiß und Arbeit zu einem Vermögen bringen kann. Das ist das erschreckende Ergebnis einer Umfrage der Postbank über die Chancen zu einer halben Million zu kommen. Immerhin: Etwa ein Drittel der Jüngeren hält das durch Wohnungseigentum noch für möglich. Dagegen setzt jeder Fünfte – in Ostdeutschland sogar jeder Dritte – auf einen Lottogewinn, um ein solches Vermögen aufzubauen. Dabei beträgt die Chance auf 6 Richtige 1:1,5 Millionen. Und daran vermögen so viele zu glauben. Was für ein Unvermögen.

Helle Begeisterung für dunkles Blau

Zum Jahresbeginn hat das Pantone Color Institute wieder die Farbe des Jahres ermittelt. Diesmal ist es „Classic Blue“, ein sehr dunkles Blau, an dem sich Möbelhersteller, Kosmetikfirmen und die Modebranche orientieren. Im Malerhandwerk und bei unseren Kunden hat die jeweilige Trendfarbe nie eine Rolle gespielt. Sie ist ja auch viel kurzlebiger als die Renovierungsintervalle. Fürs Outfit aktuell – in Haus oder Wohnung schnell out.

Müll für Marketing

Ein Bon pro Brötchen -einige Bäcker haben ihre Kunden aufgefordert, die ungeliebten Bons in den Briefkasten des Finanzamtes zu werfen. Andere sammeln sie selbst und schicken sie gebündelt ans Finanzministerium. Kreative machen sich nichts draus, sondern machen was daraus: Ein Angebot, den Betrag vom Schirm einer speziellen Kasse mit dem Handy zu fotografieren und den Bon selbst auszudrucken.

Viel unternehmerischer: Aus dem Müll Marketing machen und die ausgegebenen Bons über die Nummern wöchentlich mit einem Gewinnspiel verknüpfen. Selbst gebackenen Werbung – täglich frisch.

Fassaden wie Farbfotos

Fassadenmalerei, insbesondere das großflächige Bemalen von Fassaden, meist mit naturalistischen Darstellungen, sieht man jetzt, hauptsächlich in Städten, immer häufiger. Diese großflächige Malerei begleitet und unterstreicht nicht die Architektur, sondern setzt sich über sie hinweg und nutzt die Fassade, meist starkfarbig und lauthals, wie eine überdimensionale Leinwand. Großes Kino also – aber technisch oft brillant.

Noch dazu: „Die Montagsmaler“ ein hochkarätiger Förderkursus der Innung Rhein-Main für Maler ab dem 3. Lehr- bzw. Gesellen bis zum 35. Lebensjahr, beschäftigen sich derzeit mit Illusionsmalerei. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sie am Ende mit einer solchen Fassadenmalerei zeigen, was sie gelernt haben. Das wäre auch eine unübersehbare und medienwirksame Werbung für unsern gestalterischen Beruf.

Köder für Kids

In einer oberbayerischen Stadt, in der mit 98,6 Prozent Vollbeschäftigung herrscht, wirbt ein Unternehmen um junge „Teamplayer“ mit folgendem Angebot: „Teamshirts, Dienstwagen, Tablet, Handy samt Vertrag, monatlicher Tankgutschein, Urlaubsprämie und Geburtstagsgeschenk. Dazu noch Hilfe bei der Wohnungssuche und Umzugspauschale, selbstbestimmte Arbeitszeit und kostenloser Fortbildung.“ Toll. Aber der Köder muss bekanntlich nicht dem Angler schmecken, sondern den Fischen. Ob die wohl anbeißen?

Nicht fertig, aber schon farbig

Die Fassade des neuen Romantik-Museums in Frankfurt ist noch nicht fertig, aber schon farbig. Viel zu farbig, sagen die zahlreichen Kritiker, die sich am leuchtenden Gelb stören und fragen, was den Architekten zu dieser Farbgebung, unmittelbar neben dem Goethehaus, bewogen hat. In der Tat dominiert die Farbigkeit einer Sekundärarchitektur die des nach dem Krieg historisch rekonstruierten Geburtshauses. Und freilich ist zu befürchten, dass „die nächste Farbe am Licht“, wie Goethe das empfindliche Gelb genannt hat, durch die Patina schon bald ins Grünlich-Kotige abdriftet. Andererseits wird Gelb, wie man weiß, peripher früher als alle anderen Farben wahrgenommen. Das neue Museum wird also in dem Ensemble als erstes im Blickfeld sein. Vielleicht ist ja das gewollt. Oberflächlich ist die Kritik an dieser Oberfläche gleichwohl nicht.

Farblehre vom Feinsten

Auch mir war nicht mehr präsent, welch große Rolle die Farben in unseren Märchen spielen und welche Bedeutung sie dort haben. Dem geht jetzt in der „Grimmwelt Kassel“ eine Ausstellung „Rotes Käppchen, blauer Bart. Farben im Märchen“ auf den Grund. Dabei geht es nicht nur um die übergreifende Bedeutung der Farben, man kann darüber hinaus in dieser „Mitmachausstellung“ Farbtypberatung in Anspruch nehmen, sich in goldregnende Lichtinstallationen stellen und bei vielfältigen optischen Angeboten selbst aktiv werden. Natürlich sind auch die Modelle und Farbkreise der Lehren von Goethe und Runge, die ja beide auch Märchen schrieben, zu studieren. Farblehre vom Feinsten also. Die Ausstellung läuft bis zum 13. April. Vielleicht ein interessantes Ziel für einen Betriebs- oder Innungsausflug.

Nomen est omen

Im Ausland eine Werbeagentur entdeckt, die „Kundenbinderei“ heißt. Guter Name. Trotzdem: Die beste Kundenbinderei ist Qualität.


PraxisPlus

Autor Werner Schledt war jahrzehntelang Betriebsberater und Verbandsgeschäftsführer im hessischen Maler- und Lackiererhandwerk.

Werner Schledt

Gangstraße 35 c

60388 Frankfurt/Main

werner@schledt.de


Bei Ärgernissen: Sich nichts draus machen – was daraus machen!

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