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Unverdünnt aufgetragen

Unverdünnt aufgetragen

Die monatliche Glosse mit Werner Schledt

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Foto: stock.adobe.com/ Florian Kunde

Autor Werner Schledt war jahrzehntelang Betriebsberater und Verbandsgeschäftsführer im hessischen Maler- und Lackiererhandwerk.

Im April geschickt

„Im April mit seinen Launen, kann man über manches staunen.“ Gereimt hat das der Aphoristiker Oskar Stock und in der Tat ist’s erstaunlich, was man in diesen Tagen lesen konnte: „Hoher Lohn verdirbt die Laune“ – jedenfalls bei verheirateten Frauen. Die sind mit ihrem Leben unzufriedener als Frauen, die weniger oder genau so viel wie ihr Partner verdienen. Das Überraschendste bei der Auswertung des deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, das die Ergebnisse aus Deutschlands größter Umfrage zu den Lebensbedingungen ausgewertet hat: Frauen, die mehr als ihre Männer verdienen, bewerten ihr Leben messbar sogar noch ein bisschen schlechter als die Frauen, die überhaupt kein eigenes Einkommen haben.

Also: Liebe angestellte Ehefrauen im Malerbetrieb des angetrauten Mannes: Bloß nicht beim Mittagessen ein höheres Gehalt als das des Chefs verlangen. Glücklich bleiben!

Im Schneckentempo

Noch immer stammt die Hälfte aller Wohngebäude in Deutschland aus den Jahren 1949–1990 und nach wie vor kommt fast ein Drittel aller CO2-Emissionen aus schlecht gedämmten Häusern und veralteten Heizungen. Immerhin, für die Besitzer selbstgenutzter Immobilien hat sich was bewegt: Ab dem 1. Januar beteiligt sich das Finanzamt mit 20 Prozent der Kosten für nachträgliche Wärmedämmung und gewährt eine Steuerermäßigung – nicht etwa nur eine Reduzierung des zu versteuernden Einkommens – von bis zu 40.000 Euro. Das ist ein starkes Argument, auch für unsere Auftragswerbung. Dagegen geht’s bei den Mietwohnungen nur langsam voran. Um die Klimaziele zu erreichen, müssten die Sanierungsquote verdoppelt und Zuschüsse in zweistelliger Milliardenhöhe aufgelegt werden. Gefordert wird aber auch die Reduzierung der Modernisierungsumlage auf die Mieter. Dies wiederum könnte dazu führen, so die Vermieter, dass die Sanierung hier nur langsam vorankommt. Für die Förderung der energetischen Modernisierung braucht es aber Tempo – kein Schneckentempo.

Verbreitet Unzufriedenheit

Eigentlich geht’s uns doch ganz gut, sollte man meinen. Denkste. Obwohl die Stundenlöhne zwischen 2013 und 2018, inflationsbereinigt wohlgemerkt, um 8 Prozent gestiegen sind, die Arbeitslosenquote sich mehr als halbiert hat, Fachkräfte händeringend gesucht und die Sozialleistungen dauernd erweitert werden, glaubt mehr als jeder zweite im Land, dass unser Wirtschaftssystem mehr schade als nutze.

Auf die Frage, ob es ein besseres System als die Marktwirtschaft gibt, antworten in Westdeutschland nur noch 48 Prozent „nein“, in Ostdeutschland, trotz aller Erfahrungen mit dem Sozialismus, gar weniger als ein Drittel. Die Unzufriedenen schauen voller Neid auf die Reichen, vergleichen sich aber nicht mit ihren unmittelbaren Nachbarn oder unseren Nachbarländern, sagen Wissenschaftler. Ja, Unzufriedenheit macht sich breit.

Stau vorm Bau

Die Zeit zwischen Baugenehmigung und erstem Spatenstich wird immer länger und beträgt da und dort schon mal zwei Jahre. Die Gründe: Viel zu wenig Angestellte und Beamte einerseits und immer mehr Vorschriften andererseits. In Berlin z. B. wird der Mietendeckel den Verwaltungsaufwand wohl deutlich erhöhen und Personal binden. Schon jetzt fehlen den Kommunen fast 150 000 Verwaltungsfachkräfte und jeder vierte Staatsdiener ist älter als 55 Jahre und wird bald in den Ruhestand gehen. Dann wird, wenn nicht Abläufe rationalisiert werden und Ältere den Ruhestand verschieben, um ihre Erfahrungen weiterzugeben, das Bauen noch länger dauern – viel länger.

Sprachlos macht chancenlos

Flüchtlinge, die sich mit dem Erlernen Sprache schwertun und sich auch sonst nicht weiterbilden – das sind immerhin 13 Prozent – haben kaum Chancen auf Arbeit und Integration. Dagegen hat jeder zweite fünf Jahre nach der Ankunft Arbeit gefunden, davon schon annähernd 70 Prozent in Voll- oder Teilzeit, 20 Prozent in einer Lehre oder einem bezahlten Praktikum. Das ist für die Betreffenden so ermutigend wie für Betriebe. Schade nur, dass sich immer noch zu viele nicht für einen Schulabschluss oder eine Lehre entscheiden, weil sie schneller Geld verdienen wollen – oder müssen. Die müsste man noch überzeugen.

Deutschland braucht mehr Meister

Wir brauchen mehr Meister, nicht nur Fußballmeister. Deshalb hat die Bundesregierung den Weg zur Meisterschaft, von der Lehre bis zur Meisterprüfung jetzt mit einem deutlich erweiterten Aufstiegs-BAföG besser geebnet und die Ausbildung im Handwerk, auch für Studierte, attraktiver gemacht. Zudem muss z. B. Förderung des Unterhaltes nicht mehr zurückgezahlt werden und Existenzgründern wird ggf. durch den Erlass der Restdarlehen ein schuldenfreier Start in die Selbstständigkeit ermöglicht. Viele Handwerker können die erweiterte Förderung beanspruchen. Bleibt zu hoffen, dass sie das Aufsteiger-BAföG auch in Anspruch nehmen.

Wieder Lehrgeld zahlen?

Ja, aber im Gegensatz zu früher zahlt es heute der Staat. Für alle Ausbildungsseminare der Innung Rhein-Main z. B. werden die Kursgebühren von der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen übernommen. Hundertprozentig.

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