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Von innen und außen

Betrieb & Markt
Von innen und außen

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Foto: Florian Kunde / Adobe Stock

Die Farbbeutel, mit der die frische Fassade versaut wurde, galten wohl dem Bewohner, einem Kommunalpolitiker anderer Couleur als die Vandalen. Besonders ärgerlich: Der Betreffende ist in dem Haus nur Mieter, der Betroffene also der Hausherr. An dem bleibt’s wohl kleben. Bei dessen Beratung ergab die Recherche, dass in vielen, vielleicht sogar den meisten Fällen der häufigste Vandalismus, die Graffiti, beim Haus nicht mitversichert ist, aber dies zusätzlich vereinbart werden kann. Darauf könnten die Maler nach jeder Fassadenrenovierung den Kunden hinweisen, – vielleicht mit einer kleinen Aufmerksamkeit. Warum nicht, originell formuliert und verpackt, zum Foto der neuen Fassade ein Rabatt in Höhe des Jahresbeitrags für die Ergänzung der Police als Dankeschön für den Auftrag? Damit Farbbeutel und Spraydosen den Kunden zu allem Verdruss nicht auch noch da treffen, wo’s am wehesten tut.

Erfolg behindert

„Aus Schaden wird man klug.“ Der vorherige Beitrag bestätigt die Erfahrung aus der Betriebsberatung, dass oft erst ändert, wer sich zuvor ärgert. Aktueller Ärger also ein Motiv für längst überfällige Änderungen, Erfolg dagegen eher eine Rationalisierungsbremse. „Erfolg ist das größte Hindernis für Veränderungen“, sagt auch Michael Groß, Jahrhundertsportler, erfolgreicher Unternehmer und Coach, in einem Interview über sein Buch „Das Beste liegt vor uns“, das sich primär an Menschen im besten Alter richtet und helfen soll, den Wandel nach einer Krise zu meistern.

In seiner Zeit als Olympiasieger und Weltmeister konnte ich den vielgefragten Star sogar als Vorbild für die Freisprechrede des LIV Hessen gewinnen. „Wer nicht kann, was er will, muss wollen, was er kann.“ Dieses Zitat von Leonardo da Vinci gab er unseren jungen Leuten auf seinem Autogrammbild damals mit auf den Weg. Vielleicht wäre er ja lieber Fußballer geworden, habe ich bisweilen gedacht (inzwischen weiß ich, dass er für seinen Traumberuf Pilot nur ein paar Zentimeter zu groß war), aber schließlich wollte er doch, was er konnte – und zwar so beharrlich und zielorientiert, dass er in seinem Metier der mit Abstand Erfolgreichste wurde und als „Albatros“ alle überflügelte. Auch deshalb werde ich sein Buch lesen. Vor allem aber, weil auch drinsteht: „Wenn es uns zu gut geht, bewegt sich ja gar nichts.“

Weiß statt heiß

Wir Maler wissen nicht erst seit der Fassadendämmung, dass weiße Oberflächen sich deutlich weniger aufheizen als dunkle. Die Bahn will das jetzt zur Klimaverbesserung nutzen: Die Gleise sollen weiß beschichtet werden, mit einer besonders abriebfesten Farbe, die freilich in Intervallen zu erneuern ist. Pünktlich zu Beginn der heißen Jahreszeit schafft sie das nicht mehr – allenfalls mit Verspätung.

Klasse im Fach

Dem Trend, Abitur zu machen und zu studieren – was viele inzwischen nur erfolglos probieren – steht ein ebenso bedenklicher gegenüber: Die Anzahl der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss ist erneut gestiegen, um 20 Prozent. Davon schaffen viele auch die Berufsausbildung nicht. Der Appell im Bildungsbericht an die Betriebe, auch Jugendliche ohne Schulabschluss auszubilden, ist für uns nichts neues. Wir hatten ja oft keine Wahl und haben durch zielgruppenorientierte Ausbildungsmodelle und -offensiven Chancen geboten, von denen viele auch genutzt wurden. Und von nicht wenigen, die eine Lehre als Maler und Lackierer gemacht haben, lässt sich heute sagen: In der Klasse schwach – aber Klasse im Fach.

Top nach Klopp

Nach seinen großartigen Erfolgen wollen die Engländer Jürgen Klopp sogar ein Denkmal setzen. Sein Erfolgsrezept für Fußball lässt sich auch auf Firmen übertragen: Er sieht sich zwar zuständig für die Aufstellung, mehr aber noch für die Einstellung. Deshalb pflegt vor allem enge Beziehungen zu seinen Spielern. Warum das so erfolgreich sei wisse er selber nicht, sagt er, aber er lebe es und es funktioniere. So gut, dass aus durchschnittlichen Spielern ein überragendes Team wurde. Bei Klopp klappts – im Betrieb bestimmt auch.

Ausbildung rechnet sich

Betriebe, die von der Krise betroffen sind, aber dennoch im bisherigen Umfang ausbilden, können jetzt mit Prämien bis zu 3000 Euro rechnen. Damit soll dem Einbruch bei der Ausbildung durch Verunsicherung bei Betrieben und Bewerbern begegnet werden. Konnte man früher davon ausgehen, dass Ausbildung kostenneutral ist, weil dem Entgelt ja produktive Leistung gegenübersteht, hat sich diese Betrachtungsweise durch drastische Erhöhungen vieler Lehrlingsvergütungen verändert. Mit den Zuschüssen soll sich die Ausbildung besser rechnen. Unterm Strich rentiert sie sich aber vor allem, weil aus Azubis Fachkräfte werden.

Lernen wird leichter

Corona hat die virtuellen Lehr- und Lernformate ein Stück weitergebracht und gezeigt, dass da mehr geht als die bloße Übertragung von Frontalunterricht. Junge Menschen lassen sich nun mal am Lernen besser beteiligen, ja begeistern, mit Medien, die sie ohnehin benutzen und beherrschen. Da ergeben sich neue Möglichkeiten. Auch für die berufliche Bildung. Haben wir das auf dem Schirm?

Freihandzeichnen statt Freilandparty

Es stand sogar in zwei Tageszeitungen, mit großem Bild: Die „Montagsmaler“, eine Nachwuchsförderung der Innung Rhein-Main, trafen sich in einem historischen Park – zum Freihandzeichnen, einer der Grundlagen für viele gestalterische Techniken. So ein Förderkreis dient nicht nur der Weiterbildung, sondern ist auch gut fürs Image unseres Berufes. Zahlreiche Bekannte, die mich auf den Artikel angesprochen haben, waren überrascht, was Maler und Lackierer alles lernen – und können. Schade, dass wir nicht öfter als gestalterisches Handwerk wahrgenommen werden.

Absolut aktuell

Statt Fernflüge also kleine Ausflüge. Bei einem entdeckte ich im Taunus an der Fassade eines Fachwerkhauses, vom Maler frei aus dem Pinsel geschrieben, dieses Zitat von Sokrates: „Wie zahlreich sind doch die Dinge, derer ich nicht bedarf.“ Absolut aktuell.


PraxisPlus

Autor Werner Schledt war jahrzehntelang Betriebsberater und Verbandsgeschäftsführer im hessischen Maler- und Lackiererhandwerk.

Werner Schledt

Gangstraße 35 c

60388 Frankfurt/Main

werner@schledt.de


Michael Groß

Erfolg ist das größte Hindernis für Veränderungen“

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