Handwerkskunst und Technik

Eine zukunftsorientierte Weiterbildung für Gesellinnen und Gesellen im „World Skills Germany Bundesleistungszentrum für das Maler- und Lackiererhandwerk“ bietet die Ferdinand-Braun-Schule in Fulda.

Autor: Björn Müller | Fotos: Ferdinand-Braun-Schule

Zwei Jahre, vier Semester und am Ende ein eigenes Projekt. Das erwartet Gesellinnen und Gesellen des Malerhandwerks, wenn sie die Aufstiegsfortbildung an der Ferdinand-Braun-Schule beginnen. Mit dem Schwerpunkt Gestaltung und Denkmalpflege handelt sich um eine integrierte Ausbildung mit der Doppelqualifikation „Staatlich geprüfte/-r Techniker/-in« und »Meister/-in im Maler- und Lackiererhandwerk“. Die Gesellen kommen aus ganz Deutschland mit einem gemeinsamen Ziel: Sie wollen mehr aus ihrem Leben und Beruf machen. Nach dem Abschluss winken gut dotierte Festanstellungen und wahrscheinlich eine schnelle Karriere, denn, dass sie vielseitige Projekte selbstständig umsetzen können, beweisen sie bereits innerhalb ihrer Weiterbildung.

Eigene Projekte

Die Ausbilder und Lehrkräfte der Fachschule für Technik in Fulda geben den Studierenden die Möglichkeit, öffentliche Gebäude nach eigenen Ideen zu renovieren oder umzugestalten. 2018 waren es acht Projekte, die entweder allein, zu zweit oder zu dritt geplant und umgesetzt wurden. Das reicht vom Kundenkontakt über Entwurf und Beratung, Kalkulation, Angebotserstellung, praktischer Umsetzung bis hin zu einer entsprechenden Präsentation mit Kolloquium.

Technik und Allgemeinbildung

Doch bis es so weit ist, lernen die Studierenden die notwendigen Grundlagen: Durch die enge Zusammenarbeit von Industrie und Handel und gediegene Handwerkskunst, die heutzutage wieder nachgefragt wird, werden alte Techniken wiederbelebt oder neue Arbeitsweisen praktiziert. Es werden zum Beispiel mit handgeschnittenen Schablonen einzigartige Muster auf die Wände gebracht oder es werden grafische Motive auf unterschiedlichste Art und Weise ausgedrückt. Es wird lackiert, marmoriert, gespachtelt und geschliffen, getupft und gewischt, Maß genommen, abgewogen und gemischt. Neben der Gestaltung spielt auch der Objektschutz eine wichtige Rolle.

Darüber hinaus besteht auch ein Pflichtpensum von allgemeinbildenden Fächern wie z. B. Deutsch, Mathematik, Englisch, Politik und Wirtschaft. Vergessenes wird wieder aufgefrischt, Neues dazugelernt. Es geht um strukturiertes Denken und Arbeiten, um den richtigen Umgang mit Kollegen, Mitarbeitern und Vorgesetzten, um historische und politische Kenntnisse und um die Grundlagen des globalisierten Wirtschaftens. Es werden Unterrichtsstunden zu moderner und historischer Fachkunde durchgeführt und es finden Exkursionen und Studienfahrten zu Messen und Ausstellungen statt – ergänzt durch zahlreiche Fachvorträge, die über das Bundesleistungszentrum World Skills des Maler- und Lackiererhandwerks organisiert werden und dort stattfinden.

Zwei Abschlussprojekte

Svenja Danhäuser, Eduard Stark und Patrick Röder erhielten mit dem Projekt „Pausenhalle“ die Möglichkeit, die in die Jahre gekommene Pausenhalle der Lüdertalschule im Ort Großenlüder neu zu gestalten. Es ging darum, die Pausenhalle gestalterisch anzupassen und Nutzungsideen umzusetzen. Die drei Studierenden schreiben: „Um ein stimmiges Konzept erstellen zu können, suchten wir uns das Schullogo als Hauptmerkmal aus. Wir erstellten eine Gliederung der Pausenhalle, in der jeder Bereich einen eigenen Nutzen und Namen bekam. Dies unterstützten wir durch verschiedene Farbgebungen, um sie deutlich voneinander abzugrenzen.

In einem weiteren Technikerprojekt beschäftigten sich die Schüler Lukas Keller, Sebastian Kübler und Johannes Beierle mit der Gestaltung eines Flurs in der Demenz-Abteilung des Altenheims Kursana-Domizil in der Gemeinde Künzell. Auch hier ging es um technische und gestalterische Lösungen. Die angehenden Techniker wussten, bei Altersdemenz funktioniert das Langzeitgedächtnis meist noch recht gut, sodass die Betroffenen ihre Zimmer nicht nur dank einer besonderen Farbsättigung, sondern auch anhand alter Fotos wiederfinden können.

Persönliche Weiterentwicklung

Im Laufe der Jahre hat sich gezeigt, dass die Projektarbeit von den Studierenden sowohl fachlich als auch persönlich als sehr prägend, gewinnbringend, angenehm und lehrreich bewertet wird. In der Projektarbeit zeigen sich die deutlichsten Spuren der „Aufstiegsfortbildung“, weil hier zum ersten Mal eine Leistung von der Planung bis zur Fertigstellung voll verantwortlich gefordert wird und sich der Rollenwechsel vom Ausführenden zum Gestalter vollzieht.

Die Weiterbildung zu Farb- und Lacktechnikerinnen bzw. -technikern ist ein hervorragender Baustein für eine Verbesserung sowohl der beruflichen Möglichkeiten als auch der persönlichen Fortentwicklung.

Weitere Fotos:
www.malerblatt.de


PraxisPlus

Ferdinand Braun Schule

Goerdelerstraße 7

36037 Fulda

www.ferdinand-braun-schule.de