Lehmgestaltungsserie

Lehmputz im Knitter-Look

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Edle Wandgestaltung: Die feine Knitter-Struktur in dem weißen Lehmfeinputz wirkt äußerst dezent, aber keineswegs langweilig. Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl
Zerknittert statt glatt gespachtelt: So präsentiert Michaela Huber ihre Lehmtechnik in der vierten Folge unserer Lehmgestaltungsserie. Die filigranen Strukturen lassen die Wandfläche lebendig wirken, ohne dabei zu stark in den Vordergrund zu treten. Der eingesetzte weiße Lehmputz vermittelt Eleganz.

Text und Fotos: Susanne Sachsenmaier-Wahl

Häufig sind es die kleinen Dinge im Leben, die es großartig machen. Wer hat diesen Spruch nicht schon einmal irgendwo gehört oder gelesen? Diese geflügelten Worte könnte man eins zu eins auf die Lehmtechnik von Michaela Huber übertragen. Äußerst dezente Strukturen, die erst bei genauerem Betrachten ins Auge fallen, lassen die Lehmputzoberfläche elegant und natürlich zugleich erscheinen. Um die Eleganz der Gestaltungstechnik zu unterstreichen, hat Michaela Huber einen naturweißen Lehmfeinputz gewählt. Er lässt ein dezentes Spiel von Licht und Schatten in der filigranen Knitterstruktur entstehen, das sich je nach Betrachtungswinkel unterschiedlich deutlich zeigt.

Zeitungspapier hinterlässt Spuren

Die Struktur erhält der Lehmfeinputz durch einfaches Zeitungspapier. Bevor die Zeitung nach der Morgenlektüre also ins Altpapier wandert, kommt ihr noch eine gestalterische Aufgabe zu. Damit das Papier die gewünschte Struktur im Putz hinterlassen kann, sollte es bereits vor dem Aufziehen des Putzes zerknüllt und wieder leicht glatt gezogen werden.

Der Lehmputz wird auf den vorbereiteten Untergrund gleichmäßig aufgezogen. Dann glättet man ihn mit der venezianischen Glättkelle ab. Jetzt muss der Putz etwas anziehen; er sollte sich noch feucht, aber nicht mehr „klebrig“ anfühlen. Falls er tatsächlich ein bisschen zu trocken geworden sein sollte, kann man den Putz vor dem nächsten Arbeitsschritt noch einmal mit einer Nebelsprühflasche leicht anfeuchten. Denn nun kommt das Zeitungspapier ins Spiel. Dieses wird auf die Putzoberfläche aufgelegt und mit der Moosgummiwalze kreuz und quer angedrückt. Dabei wird die Knitterstruktur der Zeitung in den Putz geprägt. Danach wird das Papier abgenommen und in die angrenzende Fläche eingerollt. Auf diese Weise strukturiert man die gesamte Putzoberfläche. Das Zeitungspapier kann solange verwendet werden, bis es spürbar feucht ist. Dann sollte es getrocknet bzw. gegen eine neue Zeitungsseite ausgetauscht werden. Nach Fertigstellung der Arbeiten kann die Zeitung dann selbstverständlich wie gewohnt ins Altpapier wandern. So entsteht kein unnötiger Abfall, was mit dem umweltfreundlichen Baustoff Lehm sehr gut harmoniert.

Preisgekrönte Lehmputz-Struktur

Die Intensität der Struktur lässt sich in einem gewissen Rahmen steuern. Je stärker die Knüllstruktur des Zeitungspapiers ist, desto deutlicher zeichnet sich diese selbstverständlich auch im Putz ab. Und in einem feuchteren Putz prägt sie sich stärker ein als in einem stark abgetrockneten. Allerdings sollte der Putz niemals so feucht sein, dass beim Abnehmen des Papiers die Oberfläche aufgezogen wird, denn das würde die filigrane Knitterstruktur stören. Und gerade diese macht die Oberfläche ja so interessant. Das wurde Michaela Huber auch von der Jury des ersten Claytec-Lehmgestaltungswettbewerbs bestätigt, der im April 2018 stattfand (das Malerblatt berichtete in Ausgabe 6/2018 auf S. 60 ff.) Sie verlieh Michaela Huber dafür einen zweiten Preis.

Weitere Fotos:
www.malerblatt.de


Fotohinweis: Susanne Sachsenmaier-Wahl

Das Zeitungspapier wird mit der Moosgummiwalze in den noch leicht feuchten Putz eingedrückt, so dass sich die Knitterstruktur einprägt.


Fotohinweis Susanne Sachsenmaier-Wahl

Der Lehmfeinputz wird in gleichmäßiger Schichtdicke auf die Fläche aufgetragen und verschlichtet.


Fotohinweis: Susanne Sachsenmaier-Wahl

Mit der venezianischen Glättkelle wird der Lehmputz abgeglättet, bis keine Spachtelgrate mehr vorhanden sind.


PraxisPlus

Michaela Huber

ist Malermeisterin
und Gestalterin im
Handwerk.
Besonders ange-
tan haben es ihr die Naturbaustoffe (Lehm, Kalk, Tadelakt,…), mit denen sie begeistert arbeitet. Die „Knitter“-Technik hat sie beim Experimentieren mit Lehmputz entwickelt und beim Claytec-Lehmgestaltungswettbewerb eingereicht – mit Erfolg!

huber-michaela@web.de



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