Anwendungstechnik

Alternative zur Platte

Innen- und Fassadendämmungen erfolgen bislang meist mithilfe von Dämmplatten. Eine neue spritzbare Dämmung auf Mörtelbasis soll nicht nur für gute Dämmwerte sorgen, wertvolle Ressourcen schonen und recycelfähig, sondern auch einfach zu verarbeiten sein – insbesondere auch auf unebenen Untergründen.

Autorin: Susanne Sachsenmaier-Wahl | Fotos: Maxit

Für die Innen- und Fassadendämmung sind bis heute Plattenlösungen das üblichste Prinzip. Diese seien unter Fachleuten jedoch nicht unumstritten, sagt Reinhard Tyrok, Leiter Marketing bei Maxit: „Neben der oft komplizierten Montage ist auch die Basis gängiger Wärmedämmsysteme – etwa Polystyrol und Mineralwolle im Außen- sowie Mineralschaum im Innenbereich – im Gespräch.“ Lange Lieferzeiten, technische Bedenken oder ökologische Ansprüche sorgten für Skepsis, weshalb die Suche nach Alternativen bereits in vollem Gange sei.

Mikroskopisch kleine Hohlglaskugeln

Bei Maxit suchte man deshalb nach einer neuartigen Lösung für die Wärmedämmung. Seit Kurzem ist das Ergebnis eines vom Unternehmen initiierten, langjährigen Forschungsprojektes marktreif: Gefördert aus Bundesmitteln und in enger Zusammenarbeit mit der Universität Bayreuth, dem Finger-Institut für Baustoffkunde der Universität Weimar (FIB) sowie dem Unternehmen 3M (Minnesota) konnte eine Baustofftechnologie entwickelt werden, die den geforderten Ansprüchen gerecht wird. Bei „Ecosphere“ handelt es sich um eine Spritzdämmung, die nach Auffassung von Reinhard Tyrok mit herkömmlichen Dämmputzen nur wenig gemeinsam hat: „Wir bei Maxit sprechen eher von einer Spritzdämmung als von einem Dämmputz, da dieser konventionelle Begriff unserem Produkt einfach nicht gerecht wird.“ Das Geheimnis von Ecosphere sind mikroskopisch kleine Vakuum-Hohlglaskugeln, sogenannte Glass Bubbles, die – anstelle von Bausand oder anderen Leichtstoffen – ihren Einsatz finden. „Die verwendeten Mikro-Hohlglaskugeln besitzen wesentliche Vorteile gegenüber den bekannten Leichtzuschlagsstoffen, wie zum Beispiel Perliten: Sie sind geschlossenzellig und umschließen ein Teilvakuum. Darüber hinaus sind die Kugeln sehr leicht und dennoch relativ stabil. Mit ihnen konnten wir einen gezielten Porenraum herstellen, der optimale Produkteigenschaften bietet“, erläutert Tyrok. Die Hohlglaskugeln verfügen aufgrund dessen nicht nur über eine hohe Druckfestigkeit, sondern überzeugen auch mit besonderen thermischen Isolationsfähigkeiten. Das macht sie zum idealen Zusatz für wärmedämmende Produkte. Mit einem Lambda-Wert von 0,040 W/(mK) besitzt die neue Spritzdämmung bessere Dämmeigenschaften als etwa Blähton oder Perlite und kann problemlos mit Polystyrol und Mineralwolle mithalten.

Zudem sorgen die Hohlglaskugeln in der Spritzdämmung auf rein physikalische Weise dafür, dass Algen und Schimmel auf der Fassade kaum eine Chance haben. Durch die gute Isolier- und Wärmespeicherfähigkeit der Dämmschicht kühlt die Außenwand deutlich langsamer aus und trocknet entsprechend schnell ab.

Ressourcenfortbestand gesichert

Und wie steht es um die Nachhaltigkeit bzw. Umweltverträglichkeit des Putzes? „Wir haben uns bereits bei der Entwicklung von Ecosphere die Natur zum Vorbild genommen: Hier ist alles exakt so ausgeführt, dass es bei möglichst geringem Ressourcenaufwand seinen Zweck bestmöglich erfüllt“ sagt Reinhard Tyrok. Als Beispiel diene etwa der Aufbau menschlicher Knochen, die aus idealen, multizellulären Porenstrukturen bestehen. Tyrok ergänzt: „Daher spricht auch die Ergiebigkeit von Ecosphere für sich: Mit nur einer Tonne Trockenmasse lassen sich rund 8.000 Liter Spritzdämmung generieren. Da unser Produkt zudem rein mineralisch ist, lässt es sich auch problemlos recyceln. Für die Herstellung der Glaskugeln wird zudem kein wertvoller Bausand benötigt, was dem herrschenden Ressourcenmangel entgegenkommt.“ Die Mikro-Hohlglaskugeln können aus verschiedenen Arten von Sand gewonnen werden, sodass der Ressourcenfortbestand gesichert ist. Es entsteht ein alkaliarmes Glas, welches zudem nicht brennbar ist. Die neue Dämmung für den Innen- und Außenbereich ist als „nicht brennbar“ (A1) klassifiziert.

Einfache Verarbeitung

Nichtbrennbarkeit, Recyclingfähigkeit und selbst Ressourcenschonung verleihen der Spritzdämmung aber noch nicht ihre Alleinstellung. Wirklich einzigartig werden diese Eigenschaften in Verbindung mit der Tatsache, dass keine Dämmplatten zum Einsatz kommen. „Ecosphere-Spritzdämmungen punkten durch die einfache Verarbeitung mittels Putzmaschine, sodass auch Unebenheiten im Untergrund kein Problem sind“, betont Tyrok und ergänzt: „Die Dämmungen eignen sich grundsätzlich für jeden Untergrund, auch Mischmauerwerk stellt kein Problem dar.“ Montagefehler, wie sie bei Plattensystemen auftreten können, seien dank der Spritzbarkeit nahezu ausgeschlossen. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels dürfte dies ein interessanter Aspekt sein.

Die Verarbeitung erfolgt klassisch mit der Putzmaschine aus dem Sack oder Silo. Reinhard Tyrok erläutert, wie die Verarbeitung erfolgt: „An die Wand kommt die Ecosphere-Spritzdämmung in nur einem Arbeitstag. Mehrschichtig bis zur gewünschten Auftragsstärke wird dabei „frisch in Frisch“ gearbeitet. Standzeiten zwischen den Arbeitsgängen sind nicht nötig. Nach dem Aufspritzen wird die aufgebrachte Dämmschicht einfach mit einer Abziehlatte geglättet. Dabei verhält sich die Masse im Prinzip wie Rasierschaum: Sie ist also vollkommen frei gestaltbar und doch in sich stabil. Somit sind auch außergewöhnliche Formen, wie etwa Rundungen, problemlos dämmbar.“

Verschiedene Schichtdicken möglich

Marktübliche Dämmputz-Ausrüstung kann für die Verarbeitung der innovativen Dämmung ohne Adaption genutzt werden. Auch bei der Verarbeitung müssen keine neuen Wege beschritten werden, betont der Marketingleiter: „Die Auftragsart der Spritzdämmung mittels Putzmaschine ist bereits von Dämmputzen bekannt, sodass ausführende Verarbeiter kein neues Verfahren erlernen müssen.“ Die Dämmung kann in unterschiedlichen Schichtdicken appliziert werden. „Bis zu einer Schichtdicke von zehn Zentimetern kommen Ecosphere-Fassadendämmungen ohne Putzträger aus – bei größeren Auftragsstärken bis maximal 150 Millimeter ist dieser jedoch zu berücksichtigen. Abhängig vom restlichen Wandaufbau haben sich im Bereich der Innendämmung Schichtdicken von 40 bis 80 Millimetern, im Außenbereich von 30 bis 100 Millimetern bewährt. Eine Überdimensionierung ohne nennenswerten Mehrwert in der Dämmleistung, wie man sie mittlerweile häufig beobachtet, wollen wir explizit vermeiden“, stellt Reinhard Tyrok klar.

Aufbau wie bei einem WDVS

Nach der Dämmschicht ist der Aufbau vergleichbar mit dem eines WDVS. „Bei der Verarbeitung von Ecosphere rüstet eine Armierungsschicht auf gleicher Materialbasis die Spritzdämmung gegen Außeneinwirkungen aller Art. Danach folgen ein mineralischer Oberputz sowie gegebenenfalls ein Farbanstrich“, erklärt Tyrok den Systemaufbau. Bei der Farbtonauswahl von Letzterem gibt es keine Einschränkungen, betont der Marketingleiter: „Natürlich sind auch dunkle und farbintensive Anstriche auf Ecosphere-Dämmungen möglich. Genau wie bei WDV-Systemen empfehlen wir in diesem Fall Fassadenfarben mit IR-reflektierenden Pigmenten.“

Schließlich bleibt noch die Frage, wie die innovative Spritzdämmung im Vergleich zu einem WDVS preislich liegt. „Mit einem WDVS aus Polystyrol kann Ecosphere preislich natürlich nicht mithalten,“ gesteht Reinhard Tyrok, „aber wir befinden uns sehr wohl im Segment von WDV-Systemen mit Mineralwollplatten.“

Weitere Informationen:
bit.ly/2LP5yym


Reinhard Tyrok, Leiter Marketing Maxit

Die Dämmungen eignen sich grundsätzlich für jeden Untergrund, auch Mischmauerwerk stellt kein Problem dar



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