Anwendungstechnik

Voll recyclingfähig

WDVS-Gegner kritisieren an der Verbundbauweise immer wieder, sie sei nicht nachhaltig, da nicht recyclingfähig. Ein neuartiges WDVS soll nun ermöglichen, dass alle Komponenten des Systems – vom Dämmstoff über Dübel und Gewebe bis zum Putzmörtel – sortenrein getrennt und der Wiederverwertung zugeführt werden können.

Autorin: Susanne Sachsenmaier-Wahl | Fotos: Saint-Gobain Weber

Wärmedämm-Verbundsysteme bieten viele Vorteile – leider aber auch einige Kritikpunkte, die von ihren Gegnern gerne in den Fokus gerückt werden. Neben der Brennbarkeit einzelner Systeme ist ein beliebter Kritikpunkt die mangelnde Nachhaltigkeit von WDVS. Nicht nur die Dämmstoffe – pro Jahr belaufen sich diese in Deutschland auf etwa 5 Millionen Kubikmeter – sondern auch Rohstoffe, wie etwa Sand für die Putzherstellung oder Metall und Kunststoff, die für die Dübelherstellung notwendig sind, werden bisher in den meisten Fällen für eine einmalige Nutzung verschwendet. Das Problem liegt in der gemischten Entsorgung eines WDVS. Die eingesetzten Rohstoffe sind dadurch für eine weitere Nutzung verloren, was nicht nur teuer, sondern vor allem ökologisch unbefriedigend ist. Das soll sich durch das erste recyclingfähige Wärmedämm-Verbundsystem nun ändern.

Separationsschicht als Lösung

Christian Poprawa, Direktor Vertrieb und Marketing bei Saint-Gobain Weber, ist stolz auf die jüngste WDVS-Innovation seines Unternehmens: weber.therm circle ist das erste recyclingfähige Wärmedämm-Verbundsystem. „Alle seine Komponenten können nach dem Ende der Nutzungsdauer sortenrein getrennt werden – die Voraussetzung für eine Wiederverwertung der einzelnen Baustoffe“, erklärt er stolz. „Damit bietet das patentierte WDV-System eine Antwort auf den Vorwurf, dass die Verbundbauweise nicht nachhaltig, da nicht recyclierfähig sei.“

Doch wie wird die Rückbaubarkeit des neuen WDVS erreicht? „Die Recyclierfähigkeit erreicht das System durch den Verzicht auf Klebemörtel, d. h. die Dämmplatten werden rein mechanisch auf dem Mauerwerk befestigt“, führt Cristion Poprawa aus. „Weitere wichtige Aspekte sind eine sogenannte Separationsschicht aus einem speziellen Armierungsgrundputz mit eingelegtem Separationsgewebe sowie eine spezielle Qualität der verwendeten Mineralwolle.“ Konkret bedeutet das: Die Dämmplatten werden mechanisch mit Schraubdübeln auf dem Mauerwerk befestigt. Die spezielle Mineralwollqualität erlaubt dabei, dass sich die Dämmplatten besonders gut an den Untergrund anschmiegen. Das Herzstück des recyclierfähigen WDVS bildet jedoch die Separationsschicht, deren besondere Eigenschaften der Vertriebs- und Marketingdirektor wie folgt beschreibt: „Der speziell entwickelte, massive Armierungsgrundputz hat eine egalisierende und versteifende Funktion. In die Putzschicht wird ein Separationsgewebe eingelegt. Der Grundputz wird mit dem Separationsgewebe in einer Schichtdicke von 10 bis 15 mm auf die Dämmplatte aufgebracht. Dabei wird das Gewebe – anders als bei der Armierung – nicht im oberen, sondern im unteren Drittel und somit nah an der Dämmplatte platziert. Dies erleichtert später die Trennung der Komponenten und den rückstandslosen Rückbau.“

Die Befürchtung, dass sich der Verarbeiter bei der Montage des Systems gravierend umstellen muss, wischt Poprawa sofort beiseite: „Die Verarbeitung von weber.therm circle basiert bewusst ausschließlich auf bekannten und bewährten Arbeitsschritten, die lediglich in Details variiert werden (z.B. Anzahl Dübel pro Platte, Einlegetiefe des Separationsgewebes). Die vertrauten Arbeitsprozesse sind wichtig, um eine schnelle Akzeptanz und Nutzung des Systems unter Handwerkern zu erreichen.“

Schulungen zur Qualitätsgarantie

Dennoch möchte der Hersteller sicherstellen, dass das System fachmännisch verarbeitet wird und dass die positiven Eigenschaften nicht etwa durch Schlamperei bei der Ausführung überschattet werden. „Damit eine hohe Qualität garantiert werden kann, ist die Teilnahme des ausführenden Betriebs an einer Qualifizierungsschulung des Herstellers Voraussetzung für die Verarbeitung des Systems“, ergänzt Christian Poprawa. Hier bekommt der Verarbeiter auch Antworten auf Fragen, wie beispielsweise nach der Farbigkeit des Oberputzes. Derzeit liegen dunkle und intensive Farbtöne im Trend. Sind diese auch mit dem recyclierfähigen WDVS möglich? „Grundsätzlich ja, aber der Grundgedanke des Systems ist ein durchgehend mineralischer Aufbau. Sehr knallige Farbtöne, wie sie nur mit pastösen Produkten realisiert werden können, würden wir daher nicht empfehlen, sondern durchgefärbte Edelkratzputze in der gesamten Bandbreite farbiger mineralischer Zusätze oder einen Anstrich auf Basis von silikatischen Bindemitteln“, lässt uns Poprawa wissen.

Rückbau ohne Restmüll

Thema bei der Qualitätsschulung ist selbstverständlich auch der Rückbau. Denn dieser hängt unweigerlich mit der vorgeschriebenen Montage zusammen. Christian Poprawa erläutert uns, wie der Rückbau erfolgt: „Die Putzschicht wird rasterförmig mit einer Mauernutfräse aufgeschnitten. Dann wird das Separationsgewebe vom Abbruchgreifer des Baggers gefasst und gestrippt, das heißt bahnenweise mitsamt dem Putz sauber abgezogen. Anschließend können die Stahlschrauben aus der Wand geschraubt und die Dübelköpfe mit einer Fräse vom Dübel getrennt werden. Die Mineralwollplatten werden dann im Ganzen von der Wand genommen. So lassen sich die demontierten Baustoffe bequem separat sammeln.“ Können also restlos alle Komponenten recycelt werden oder bleibt Restmüll vorhanden? „Alle Komponenten – Mineralwolle-Dämmplatten, mineralische Putze, Glasfasergewebe, Stahlschrauben und Kunststoff-Köpfe der Befestiger – können sortenrein getrennt und damit dem Recycling zugeführt werden“, bestätigt Poprawa.

Auf der Homepage von Saint Gobain Weber erfährt der Interessent denn auch, was mit den einzelnen rückgebauten Komponenten geschieht: Die Mineralwolle kann nach dem Rückbau in die direkte Wiederverwertung gehen. Sie findet eine neue Aufgabe in Gebäudetrennfugen oder geflockt als Einblasdämmung. Der Putz wird zermahlen und als Zugabe in untergeordneten mineralischen Baustoffen verwendet. Nach seiner Zerkleinerung geht das Gewebe zurück in den Materialkreislauf. Es wird beispielsweise zur Verstärkung von Kunststoff-Bauteilen verwendet. Der Stahl wird nach der Trennung von der Polyamid-Ummantelung eingeschmolzen und für neue Stahlprodukte verwendet. Der Dübelkunststoff erhält ein neues Leben am Bau. Er wird als Druckunterlagen für die Fremdmontage an WDV-Systemen wiederverwertet.

Vollmineralisches WDVS

Auch wenn die Recyclierfähigkeit die eigentliche Innovation des Systems ist, so ist sie dennoch nur eine Anforderung, die das System erfüllen muss. „weber.therm circle spielt seine Vorteile nicht nur beim Rückbau, sondern bereits während seiner gesamten Lebensdauer aus“, betont Christian Poprawa. „Als vollmineralisches WDVS bietet es den hohen Brandschutz der Baustoffklasse A1 (nicht brennbar). In Kombination mit mineralischen Oberputzen und Farben bleibt die Fassade auch langfristig gegen Algen- und Pilzbefall geschützt – ohne den Einsatz von Bioziden. Ebenfalls algenhemmend wirkt die äußerst solide Putzschicht von bis zu 25 Millimetern Dicke, da sie Wärme besser speichert und daher schneller abtrocknet als dünnschichtige Putzlagen. Durch die robuste Putzschale ist weber.therm circle zudem wartungsärmer als dünnschichtige Systeme, denn sie sorgt für erhöhten Schutz gegen Schlagregen und mechanische Beanspruchungen und sichert einen guten Schallschutz.“

Die vielen positiven Eigenschaften und der Zusatznutzen der Recyclingfähigkeit machen einen etwas höheren Preis erforderlich. „Die Mehrkosten für das Material liegen bei etwa 20 Prozent gegenüber anderen nichtbrennbaren WDVS“, sagt Poprawa. Um wieviel tiefer der Endkunde in die Tasche greifen muss, um sein Gebäude mit einem nachhaltigen WDVS ummanteln zu lassen, ist dagegen so konkret nicht zu beantworten. „Dies ist grundsätzlich schwer zu beantworten, da der ausführende Fachhandwerker die Montagekosten festlegt und diese je nach Region, Objekt und Betrieb stark variieren“, bestätigt Christian Poprawa.

Während diese Frage also nur jeder einzelne Verarbeiter für sich beantworten kann, gibt das rückbaubare WDVS in jedem Fall schlüssige Antworten zum bislang ungeklärten Aspekt des Recyclings. Dadurch wird ermöglicht, nicht nur qualitativ hochwertig, sondern gleichzeitig ökologisch verantwortlich zu bauen – und damit könnte die Verbundbauweise (wieder) in den Fokus verantwortungsbewusster Bauherren und Planer rücken.

Weitere Fotos zum Thema:
www.malerblatt.de


Foto: Saint-Gobain Weber

Für den Rückbau wird die Putzschicht zunächst mithilfe einer Mauernutfräse rasterförmig aufgeschnitten.


Foto: Saint-Gobain Weber

Das Separationsgewebe wird vom Abbruchgreifer des Baggers gefasst und gestrippt, das heißt bahnenweise mitsamt dem Putz sauber abgezogen.


Foto: Saint-Gobain Weber

Anschließend können die Dübelabdeckungen, die einen Wärmeverlust im Dübelbereich verhindern, abgenommen …


Foto: Saint-Gobain Weber

… und die Stahlschrauben aus der Wand gedreht werden. Die Dübelköpfe trennt man für das Recycling mit einer Fräse vom Dübel.


Foto: Saint-Gobain Weber

Die Mineralwollplatten lassen sich im Ganzen von der Wand abnehmen und nahezu rückstandfrei fürs Recycling sammeln.


PraxisPlus

Das rückbaubare WDVS weber.therm circle ist ab sofort verfügbar. Die bauaufsichtliche Zulassung ist beantragt (Nr. Z- 33.9 – 1671). Informationen finden Sie unter

www.de.weber/circle


Christian Poprawa, Direktor Vertrieb
und Marketing bei Saint-Gobain Weber

Alle Komponenten können sortenrein getrennt
und damit dem Recycling
zugeführt werden



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