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Renovierung mit Lehm - wohngesunde Baustoffe für alte Papiermühle

Lehmbau
Neues Leben in der alten Mühle

Lehm und Holz gehen bei dieser ehemalige Papiermühle in Ortenberg dank ihrer Natürlichkeit eine perfekte Symbiose ein. Die Bauherren haben sich damit ihren Traum vom Wohnen und Arbeiten in wohngesunden Räumen erfüllt.

Autorin: Vanessa Nürnberg | Fotos: Sven Waldschmidt

Die Alte Papiermühle, umgangssprachlich als „Kalbsvilla“ in Ortenberg bekannt, wurde 1798 erbaut. Das Unternehmerpaar Sven und Corina Waldschmidt, erfolgreiche Immobilienverwalter aus der Wetterau, erwarb sie im Jahr 2013 von dem Vorbesitzer, der zuletzt nur noch zwei Zimmer der unteren Etage bewohnte. Vier Jahre lang hat sich die Familie des Bauherrn mit unermüdlicher Leidenschaft einen Ort geschaffen, der ihnen gesunde Räume zum Leben und Arbeiten bietet. Für ihre zweite Leidenschaft, die Musik, ist die ehemalige Mühle ebenfalls perfekt. Neben dem eigentlichen Wohn- und Bürogebäude gibt es noch eine Scheune, die für Konzerte und Veranstaltungen zur Verfügung steht und ein voll ausgestattetes Studio beherbergt.

Bereits nach der ersten Bestandsaufnahme wurde klar, dass nur eine grundlegende Restaurierung infrage kommt. Die Grundkonstruktion besteht aus Holzfachwerk, das mit Backsteinen, Lehmsteinen und Putzen aus Lehm und Kalk ausgebaut war. Die gesamte Bausubstanz war jedoch so in die Jahre gekommen, dass ein nahezu komplett neuer Innenausbau erforderlich war. Der Bauherr erinnert sich: „Da war es nun – unser Traumhaus. Wir ahnten, was wir uns da antun und wollten das Gebäude dennoch nah am ursprünglichen Zustand wiederherstellen. Zudem sollte es ökologisch und nachhaltig sein und uns den Raum für ein gesundheitsbewusstes Leben im Einklang mit der Natur liefern.“

Kompetente Fachberatung

Da das Haus zu weiten Teilen in Eigenleistung restauriert werden sollte, wurde ein erfahrener Lehmbauer hinzugezogen, der die Familie bei der grundlegenden Planung und teilweise auch bei der Umsetzung unterstützte. Außerdem suchte sich Familie Waldschmidt Unterstützung bei ihrem regionalen Baustoffhändler, der Firma Hack aus Nidderau. Glückliche Fügung war, dass sie dort mit Hubert Kaufmann auf einen ausgewiesenen Experten für Restaurierungen und Sanierung trafen. Bei der Besichtigung vor Ort gab er den entscheidenden Rat: „In ein Holzfachwerk gehört Lehm. Dann hält das Haus am längsten.“

Dieses klare Statement des Fachmanns überzeugte die Bauherren, denn Lehm und Holz gehen dank ihrer Natürlichkeit eine perfekte Symbiose ein. Baustoffhändler Kaufmann, der seit 1971 in der Branche tätig ist und Lehm seit seiner Wiederentdeckung als Baustoff im Jahr 1992 kennt, erklärt: „Der Lehm sorgt für eine optimale Konservierung des Holzes und dank seiner Diffusionsoffenheit lässt er das Gebäude sozusagen atmen und sorgt für ein ausgewogenes Raumklima. Darüber hinaus absorbiert er Schadstoffe und Gerüche aus der Luft.“ Neben diesen baubiologischen Eigenschaften ist Lehm ein natürlicher und nachhaltiger Baustoff, der direkt aus der Natur stammt, frei von Schadstoffen ist und ohne künstliche Zusätze für eine solide Bausubstanz sorgt. Diese Reinheit sorgt dafür, dass er vollständig zu recyceln und zu 100 Prozent wiederverwertbar ist.

Komplett auf Lehm gesetzt

Die Baumaßnahmen umfassten in Räumen, in denen das Fachwerk nicht sichtbar sein sollte, Holzkonstruktionen, die vor die Wände gebaut und anschließend mit Schilfrohrmatten verkleidet wurden. Die Matten bilden die Grundlage für die Putze aus Lehm – zum Einsatz kam Blähtonleichtlehm, der als Leichtlehm-Innenschale für zusätzliche Dämmung sorgt. Die Oberflächen wurden mit Lehm-Feinputz versehen, der mit Lehmfarbe gestrichen oder mit farbigem Lehm-Edelputz gestaltet wurde.

In den Räumen, in denen das Fachwerk sichtbar bleiben sollte, wurde dieses mit Lehmsteinen neu ausgefacht, ebenfalls mit Lehmputz verputzt und danach gestrichen.

Auch die Decken wurden mit Schilfrohrmatten und Lehmputzen komplett neu aufgebaut, damit kann der Lehm seine positiven Eigenschaften für das Raumklima optimal entfalten. Besonders deutlich wird das im Badezimmer, denn auch dort sind rund 80 Prozent der Wandflächen mit Lehm verputzt. Ausgenommen sind Spritzwasser- und Nassbereiche wie Dusche und Waschbecken, die gefliest wurden. Der Baustoff Lehm zeigt im Badezimmer seine volle Wirkung – beschlagene Spiegel und Fenster gehören der Vergangenheit an. Lehm nimmt innerhalb kürzester Zeit die entstehende Feuchtigkeit auf und gibt sie erst nach und nach wieder an die Umgebungsluft ab. Dies sorgt für eine ausgewogene Raumluftfeuchte, die durchschnittlich bei 50 Prozent liegt und damit für ein einzigartiges Wohlfühlambiente sorgt.

Lehm in verschiedenen Ausführungen

Neben den „Lehmbau-Klassikern“ kamen beim Umbau der Papiermühle auch moderne Lehmbauprodukte, wie z. B. Lehmbauplatten. Diese kamen beim Dachausbau zum Einsatz, weil sie eine nachhaltige Alternative zu klassischen Gipskartonplatten darstellen und sich schnell und einfach verarbeiten lassen. Das Besondere daran ist, dass damit Lehm und seine positiven Eigenschaften in das Gebäude eingebracht werden können, jedoch der Feuchteeintrag im Vergleich zu einem Putzauftrag gleicher Stärke deutlich geringer ist und die Weiterbearbeitung der Oberfläche ohne lange Trocknungszeiten erfolgen kann. In Verbindung mit Platten aus Holzweichfasern ergibt sich daraus ein Gesamtkonzept, das die erforderliche Dämmung und eine ökologische Bauweise optimal miteinander verbindet.

Insgesamt wurden in der „Kalbsvilla“ gut 14 Tonnen Lehm-Unterputz (erdfeucht) verarbeitet. Das entspricht rund 450 Quadratmetern Wand- und Deckenfläche. Zudem zehn Tonnen Blähtonleichtlehm sowie eine Tonne Lehm-Feinputz. Für die Veredelung der Oberflächen kamen noch 30 Kilogramm Lehmfarbe und 250 Kilogramm Lehm-Edelputz hinzu. Im Dachgeschoss wurden zusätzlich 30 Quadratmeter der Lehmbauplatten verbaut.

Weitere Fotos:
www.malerblatt.de


Das neu ausgefachte Fachwerk im Gebäudeinneren wurde mit Lehmputz überzogen und mit Lehmfarbe gestrichen.
Foto: Sven Waldschmidt

PraxisPlus

Bei der Erneuerung der Alten Papiermühle kamen folgende Lehmbaustoffe von Conluto zum Einsatz:

  • Lehm-Unterputz (erdfeucht)
  • Blähtonleichtlehm
  • Lehm-Feinputz
  • Lehmfarbe
  • Lehm-Edelputz
  • Lehmbauplatten

Weitere Informationen zu den Produkten:

www.conluto.de

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