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Korrosionsschutz: Vorbehandlung, Farbauftrag und Trocknung

Korrosionsschutz
Metalle vor Rost schützen

Wie wichtig Korrosionsschutz an Bauwerken ist, bemerkt man erst, wenn er fehlt oder nicht fachmännisch durchgeführt wurde. Worauf zu achten ist, erfahren Sie hier.

Autor: Axel Valentiner=Branth | Fotos: Branth Chemie

Metalle werden häufig durch organische Überzüge vor Schäden geschützt, die Überzüge haben darüber hinaus oft auch eine dekorative Wirkung. Beide Anforderungen erfüllen industrielle- und Werksbeschichtungen oder aber Beschichtungen in Werkstätten und auf Baustellen bei Neubau oder Instandhaltung.

Die Abläufe und Bedingungen bei industriellen Beschichtungen sind allerdings ganz andere als in Werkstätten und auf Baustellen, daher ist es meist nicht sinnvoll, die gleichen Beschichtungsstoffe für beide Verarbeitungsarten vorzuschreiben. Gefordert werden jedoch die gleichen Haltbarkeiten. Zu beachten ist: Vorbehandlung, Farbauftrag und Trocknung in einem industriellen Prozess laufen unter sehr kontrollierten immer gleichen Bedingungen ab. Diese sind auf Baustellen nur selten zu finden.

Gesetzliche Regelungen

Eisen und Stahl sollen vornehmlich vor Korrosion geschützt werden. Dafür existieren Erfahrungswerte, Normvorgaben und gesetzliche Regelungen. Das Bauordnungsrecht in Deutschland ist Ländersache, die Länder orientieren sich an der gemeinsamen Musterbauordnung (MBO), der DIN 1090–2 (Ausführungsklassen), der DIN 12944 (Korrosionsschutz), der AgBB (Innenraumluftqualität), zusätzlich gibt es technische Vertragsbedingungen für öffentliche Stahlbauten (ZTV-ING/-KOR). Außerdem haben Bauherren gelegentlich ergänzende Wünsche oder Forderungen zu Optik oder Nachhaltigkeit oder auch technische Anforderungen im Bereich der Gebäudetechnik.

Einfach und übersichtlich ist die Anforderung der Bauregelliste: Für den Korrosionsschutz sind Farbmaterialien zu verwenden, die mit einem entsprechenden Ü-Zeichen (Übereinstimmungszeichen) ausgestattet sind. Der Lackhersteller bringt das Ü-Zeichen auf jeder Dose an, die für den Zweck geeignetes Material enthält, und weist darauf in den dazugehörigen Unterlagen hin. Diese gesetzliche Anforderung gilt schon lange und ist den meisten bekannt. Sie gilt für alle geregelten Ausführungsklassen nach DIN 1090–2, also ab Carport, Vordach, Geländer, Treppen usw. bis hin zu Türmen, Masten, Brücken u. a. Im nicht geregelten Bereich (z. B. Zäune, Tore, Handläufe, Fenstergitter) gilt diese Anforderung strenggenommen nicht, aber es ist empfehlenswert, auch hier ausgewiesen leistungsstarke Korrosionsschutz-Beschichtungsstoffe zu verwenden, denn auch von einem lediglich dekorativ beschichteten Fenstergitter kann eine Gefahr ausgehen, wenn es abfällt.

Die DIN 12944 unterscheidet verschiedene Korrosivitätskategorien entsprechend der zu erwartenden Belastungen. Dementsprechend sind die Beschichtungsstoffe bzw. die Schichtdicken festzulegen. Und sie entscheidet über die zu erwartende Schutzdauer, was ebenfalls Beschichtungsstoffauswahl und Schichtdicken beeinflusst.

Korrosionsschutz dokumentieren

Kunden können eine Dokumentation zum Korrosionsschutz verlangen. Je nach gewählten Beschichtungsstoffen und Objekt kann diese mehr oder weniger aufwendig ausfallen. Es kann auch im Interesse des Malers sein, eine solche Dokumentation auszuhändigen. Hat der Kunde gesagt: „Einmal streichen reicht, das soll nur schön aussehen“ und nach acht Jahren fällt jemand mitsamt durchgerostetem Geländer in die Tiefe, dann ist es hilfreich, ein Dokument vorzeigen zu können, in dem „Geforderte Schutzdauer: kurz (bis 5 Jahre)“ dokumentiert ist. Ein solches Dokument hilft aber auch dem Kunden, zu verstehen, dass Leistung und Kosten des Malers in direktem Zusammenhang stehen zu späteren Haltbarkeit. Wenn der Kunde ein „mittel (5–15 Jahre)“, ein „lang (über 15 Jahre)“ oder ein „sehr lang (über 25 Jahre)“ erwartet, so kann der Maler mit seinen Beschichtungsstoffen diese Leistung erbringen, und der Mehrnutzen ist wegen des damit verbundenen Mehraufwandes zu vergüten.

Abkürzungen und Bezeichnungen

Eine kleine Anmerkung: Aus „kurz, mittel, lang und sehr lang“ wurde „low, medium, high und very high“. Wenn gerne abgekürzt wird, dann kann „L“ das bisherige „lang“ bedeuten, oder das aktuelle „low“. Ein großer Unterschied, der zur Vermeidung von Missverständnissen geklärt sein sollte.

Korrosivitätskategorien nach DIN 12944 sind mit C1 bis CX bezeichnet, früher C1 bis C5. CX ist für besonders hohe Belastungen z. B. Offshore-Bereiche hinzugekommen. Es handelt sich um die zu erwartenden Belastungen, auch darüber sollte mit dem Auftragsgeber Klarheit hergestellt sein. Das heißt z. B.: C1 = beheizte Gebäude, C2 = unbeheizte Gebäude, C3 = Stadt- und Industrieatmosphäre, C4 Industrieanlagen, Küstenbereiche usw. – auch gut, wenn das schriftlich festgehalten ist.

Die AgBB begegnet Malern bei Farben, Lacken, Klebstoffen, Isoliermaterialien und vielem mehr. Sie schafft die gesetzliche Grundlage dafür, dass Materialien eingesetzt werden, die nach Wochen und Monaten höchstens zulässig kleinste Mengen schädlicher Inhaltsstoffe abgeben. Maximale Lösemittelanteile in den Beschichtungsstoffen sind außerdem nach ChemVOCFarbV (Dekopaintrichtlinie) zu beachten (gilt an Gebäuden für innen und außen). Nach AgBB geprüfte Materialien stellen darüber hinaus sicher, dass die folgende Innenraumnutzung dauerhaft sicher ist. Wenn Rostschutzfarben nur für außen gedacht sind, liegt eine solche Prüfung vermutlich nicht vor.

Eine Rostschutzfarbe soll also in erster Linie schützen, je nach Anwendung attraktiv aussehen, aber sie soll auf keinen Fall schädlich sein. Da haben Rostschutzfarben historisch einen schweren Stand. Vielen fällt sofort Bleimennige ein, oder Zinkchromat, beißender Xylol-Geruch – je giftiger desto besser? Was noch vor einem halben Jahrhundert galt, gilt heute so nicht mehr. Ja, Bleimennige hat auch heute noch einen hervorragenden Korrosionsschutz auf handentrosteten Flächen, aber erstens gibt es sie aus guten Gründen nicht mehr zu kaufen und zweitens hatte sie z. B. keine hohe mechanische Festigkeit und daher aus dieser Sicht keine besonders hohe Schutzwirkung. Heute gibt es sehr leistungsfähige Rostschutzfarben, die zugleich so unbedenklich sind, dass damit sogar Kleinkinderspielzeug beschichtet werden darf.

Richtig vorbehandeln

In einer Werkstatt oder auf einer Baustelle sind nicht die gleichen perfekten Bedingungen realisierbar, die im industriellen Beschichtungsprozess möglich sind. Daher werden auf der Baustelle leistungsfähigere Materialien benötigt, die auch mit weniger perfekten Untergründen, Umgebungsbedingungen, Verarbeitungsmöglichkeiten und Trocknungsbedingungen gut zurechtkommen. Gut, dass es heutzutage leistungsfähige und weitgehend unbedenkliche Rostschutzfarben gibt, die auch dies leisten. „Sauber, trocken und tragfähig“ lautet die Mindestanforderung, das lässt sich auch auf einer Baustelle mit vertretbarem Aufwand sicherstellen.

Spezialisierung verschafft Aufträge

Spezielle Anforderungen von Kunden ermöglichen es dem Maler besondere Leistungen zu erbringen. Da kann es heißen poliertes Messing mit einem Klarlack zu schützen, eine pulverbeschichtete Oberfläche zu ertüchtigen (z. B. von C3 auf C4) oder farblich zu gestalten, perfekten Schutz vor einer Blattvergoldung herzustellen, dem Eisen einen Antik-Look zu verpassen und vieles mehr.

Weitere Informationen:
www.branth-chemie.de

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