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Putztechnisch bedingte Risse mit Zwischenbeschichtung füllen

Maschinentechnik
Putztechnisch bedingte Risse füllen: Maschinell statt manuell

Putztechnisch bedingte Risse lassen sich mit einer füllenden Zwischenbeschichtung beheben. Deren Verarbeitung ist jedoch anstrengend und zeitintensiv. An einem Objekt in Ravensburg setzte ein Malermeister daher auf Maschinentechnik – und konnte dadurch eine Zeitersparnis von rund 25 Prozent verbuchen.

Autor: Alfred Lohmann I Fotos: Caparol

Rund 1200 Quadratmeter Fassadenfläche sollte die Firma Locher GmbH in Ravensburg renovieren. Martin Bloching, dem Inhaber des Malerbetriebes, war beim ersten Objektbesuch schnell klar, dass der Auftrag kein alltäglicher war. Das Gebäude, etwa Mitte der 1990er-Jahre erbaut, erhielt seinerzeit einen etwa drei Millimeter starken Kratzputz, der nun zahlreiche putztechnisch bedingte Risse aufwies. „Nur mit einer Schönheitsreparatur wird es hier nicht getan sein“, war dem Malermeister gleich klar. Abzuwägen galt es zwischen einer neuen Putzbeschichtung mit einem Armierungsgewebe oder einer preiswerteren Beschichtung mit einer füllenden Zwischenbeschichtung, welche die putztechnisch bedingten Risse langanhaltend schließen sollte. Das Budget war begrenzt, nicht aber der Rahmen optimaler Möglichkeiten für die Sanierung.

Putztechnisch bedingte Risse verschlämmen

Zur Behebung von Putzoberflächenrissen oder putztechnisch bedingten Rissen eignen sich Beschichtungen mit einer höheren Trockenschichtdicke als die zu erwartende maximale Rissbreite sehr gut. Diese Beschichtungen werden als rissfüllende oder rissverschlämmende Beschichtungen bezeichnet.

Bei dem Produkt, das in Ravensburg zum Einsatz kam, verteilen, neben der füllenden Eigenschaft, zusätzlich eingearbeitete Fasern die Kräfte oberhalb der Risse. Nach vollständiger Durchtrocknung kann die rissverschlämmende Beschichtung mit Dispersions- oder Siliconharzfarben im gewünschten Farbton überarbeitet werden. Beim genannten Objekt fiel die Wahl auf einen Schlussanstrich mit einer Siliconharz-Fassadenfarbe.

Zeitaufwendiger Kraftakt

Nach gründlicher Reinigung der Altbeschichtung schritten die Handwerker unter Leitung von Vorarbeiter Klaus Bulander an der ersten Gebäudeseite zur Tat: Die 25 Kilo schweren Eimer wurden einzeln hoch aufs Gerüst gebracht. Bei 600 bis 800 Gramm pro Quadratmeter Materialauftrag waren etliche Eimer zu bewegen. Mit der Rolle applizierten die vier Handwerker die rissverschlämmende Zwischenbeschichtung, verteilten die Masse gleichmäßig und rollten sie auf der Fassade sauber nach. Nach Trocknung wurden die Flächen mit Siliconharzfarbe überarbeitet. Insgesamt eine recht kraftaufwendige Arbeit. Alleine das Verteilen der Eimer auf dem Gerüst beanspruchte sehr viel Zeit und Kraft.

Spritztechnik zahlt sich aus

Martin Bloching erkannte schnell, dass die manuelle Verarbeitung nicht nur wenig rentabel, sondern für seine Mitarbeiter vor allem körperlich extrem belastend war. Der Malermeister hat schon lange gute Kontakte zum Spritzgerätehersteller Wagner, und so kam ein Gespräch mit dem Leiter der dortigen Anwendungstechnik, Jürgen Stecher, zustande. Als dieser vom aufwendigen Auftragen der Beschichtung erfuhr, fiel ihm gleich eine Lösung ein: eine neue Hochdruckschneckenpumpe, die erste und einzige Maschine auf dem Weltmarkt, die neben hochviskosen und schweren Materialien auch Dispersionsfarbe mit der druckreduzierten HEA (High Efficiency Airless)-Technologie spritzt, könnte für die Applikation infrage kommen. Stecher versuchte, die rissverschlämmende Zwischenbeschichtung mit der Maschine zu spritzen und erkannte schnell das Potenzial, das in der Kombination beider Produkte steckt. Kein Eimerschleppen, massive Zeitersparnis, gleichmäßiges Arbeiten und kaum Rückprall bzw. Overspray. Überzeugt von der Leistungsfähigkeit beider Komponenten, konnte er Martin Bloching davon überzeugen, diesem Zusammenspiel beim zweiten Teilabschnitt der Fassade eine Chance zu geben.

Zeitersparnis von 25 Prozent

Bald darauf wurde die Maschine von Wagner bereitgestellt und die Mitarbeiter der Firma Locher schritten erneut zur Tat. Dieses Mal mussten jedoch keine Eimer aufs Gerüst gestellt werden. Durch die Reichweite der Maschine konnte bequem vom Erdboden aus gefördert werden. Franz Meschenmoser, ein technikaffiner Malergeselle, der sich bereits viel Erfahrung in der Spritztechnik angeeignet hatte, schnappte sich die Pistole und begann, die Schlämme gleichmäßig aufzutragen. Dabei setzte er auf die HEA-Spritzdüse 4/43. Zwei Kollegen waren notwendig, um das aufgespritzte Material mit der Rolle zu verschlichten. Die Locher-Mitarbeiter und auch der herbeigeeilte Inhaber waren schnell von der Leistungsfähigkeit überzeugt. Rationell und schnell konnten die Flächen beschichtet werden. In Kombination mit dem nebelfreien Spritzsystem NespriTec beim Auftrag der Schlussbeschichtung ergaben sich weitere Zeitersparnisse. Martin Blochings Berechnungen ergaben: Der Auftrag von Hand dauerte ca. sieben bis acht Minuten pro Quadratmeter, durch den Einsatz der Maschinentechnik wurden am selben Gebäude nur noch fünf bis sechs Minuten pro Quadratmeter benötigt – eine Zeitersparnis durch die Spritztechnologie von gut 25 Prozent. Dabei wurde etwa fünf Prozent mehr Material aufgetragen. „Mit dieser Technik konnten wir eine deutliche Effizienzsteigerung erzielen“, resümiert der Malermeister. Auch Vorarbeiter Bulander war von der Technologie angetan: „Alleine die Schlepperei der Eimer kostete uns sehr viel Zeit und Anstrengung. Das jetzige Auftragen war ein Klacks und machte richtig Spaß.“

Mehr zur Maschinentechnik:
bit.ly/2y2W8sG


PraxisPlus

Bei dem Objekt in Ravensburg kam die ventillose Hochdruckschneckenpumpe „PlastCoat HP 30“ von Wagner mit robuster Rotor-Stator-Pumpentechnik kombiniert mit komfortabler Airless-Technologie zum Einsatz (Schlauchlänge 30 Meter, Pistole AG 19, HEA-Spritzdüse 4/43, Spritzdruck 120 bar). Mit diesem Gerät lassen sich Spachtelmassen, hochgefüllte Produkte (wie das hier eingesetzte „FibroSil“ von Caparol), aber auch normal gefüllte Farben einfach verarbeiten. Zudem können Brandschutzbeschichtungen damit aufgetragen werden.

Die Siliconharzfarbe „AmphiSilan“ wurde mit der nebelfreien Spritztechnik „NespriTec“, die gemeinsam von Caparol und Wagner entwickelt wurde, appliziert.

Weitere Informationen:

www.caparol.de

www.wagner-group.com



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