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Sanierung von Fachwerkfassaden: Fachwerkfarben richtig erhalten

Sanierung von Fachwerkfassaden
Fachwerkfarben richtig erhalten

Fachwerkbauten machen ein Drittel des Baudenkmalbestandes aus. Gefordert wird bei der Sanierung dieser Gebäude in der Regel ein konstruktiver Holzschutz. Wir erklären, was zu beachten ist.

Hans Jürgen Ronicke

Bei der Sanierung von Fachwerkfassaden kann man viel falsch machen. Holz kann beispielsweise unter den dicken Lack- und Spachtelschichten nicht atmen. „Torf“ entsteht, den der Zimmermann dann aufwendig abbeilen und mit passendem Altholz ergänzen muss.
Malerarbeiten
Wasser darf sich im Fachwerk nicht stauen, es muss abfließen können. Die Wangen zu den Gefachen sollte der Maler freilegen und sorgfältig vorbehandeln. Anschließend muss eine Grundierung mit tief eindringenden, verdünnten natürlichen Ölen erfolgen. Hier empfehlen sich Leinölfirnis-Halböl oder eine Kombination mit chinesischem Tungöl. Rückstände von Acrylfarben müssen komplett entfernt werden. Bevor der Maler die Gefache ausfüllt und ausbessert, sind mittig der Balken Dreieckleisten anzubringen. Nägel oder Schrauben sollten rostfrei sein. Mit einer Balkenfarbe sind die Wangen ein- bis zweimal vorzustreichen. Zum Ausfüllen oder Ergänzen der Gefache sollte der Maler nur Naturprodukte, wie beispielsweise mehrlagige Putze aus Lehm oder Kalk, einsetzen. Danach wird mit der Kelle eine Fuge um das Feld gezogen, damit die Wangen der Ständer ausreichend Belüftung erhalten. Die Gefachoberflächen müssen immer bündig mit den Balken abschließen. In einzelnen Regionen sind diese jedoch kissenartig hervorstehend. Stark beanspruchtes Fachwerk an den Wetterseiten erhält immer einen zusätzlichen Schutz. Je nach Region sind das Schindeln oder Bleche.
Sünden der Vergangenheit
Trotz der Zerstörungen im zweiten Weltkrieg, machen die erhaltenen Fachwerkgebäude heute noch etwa ein Drittel des Baudenkmalbestandes aus. Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts und darüber hinaus wurden gewerbliche Bauten aller Größen in Fachwerk erstellt, selbst Gründerzeitvillen wurden in guter Handwerkskunst damit ergänzt. Dorfkirchen und Kapellen erhielten nach 1648 (Ende des 30-jährigen Krieges) Fachwerkergänzungen als Türme oder Dachreiter in Renaissance- oder Neostilen. Vorwiegend finden sich solche Objekte heute im ländlichen Raum. Der Maler muss an den Gebäuden oft Sünden der letzten Jahrzehnte beseitigen. Konstruktiver Holzschutz ist dabei besonders wichtig: Ungeschütztes Holz darf nicht verdeckt eingebaut werden, scharfkantige Teile müssen ausreichend abgerundet werden. Die Holzfeuchte soll bei maßhaltigen Teilen 13 Prozent und bei nicht maßhaltigen 15 Prozent im Mittel nicht überschreiten. Zusammengefügte Rahmenteile müssen eine V-Fuge erhalten, dauerelastisch versiegelt nach dem ersten Anstrich. Hirnholzflächen sollen immer eine satte Tränkung und mindestens einen Anstrich vor dem Einbau erhalten. Zu unterscheiden sind giebel- und traufsichtiges Fachwerk. In den immer bevölkerungsreicheren, mittelalterlichen Städten, die zum Teil hinter engen Stadtmauern lagen, wurden die zu bebauenden Grundflächen immer knapper. So entstanden mehrgeschossige Fachwerkhäuser. In historischen Städten lassen sich noch viele drei- bis viergeschossige erhaltene Exemplare mit kleinen oder größeren Auskragungen finden.
Frühere Farbigkeit
Der Reichtum der Besitzer zeigt sich besonders an den Sichtflächen durch besonders aufwendige Bauausführung, wie sie heute noch in vielen Hansestädten zu sehen ist. Erst sehr spät kommt zusammen mit den vielen Schnitzereien auch Farbe ins Spiel. Die Farbigkeit war jedoch keineswegs so intensiv, wie der Malermeister sie heute gern ausführt, die geschnitzte Ornamentik wurde regional unterschiedlich farbig gestaltet. Auch das Fachwerk selbst erhielt unterschiedliche Farbtöne zu unterschiedlich farbigen Gefachen. Die Farbigkeit reichte hier von Schwarz, über Braun und Weiß bis Rot. Aus der Reihe tanzt die Region Schaumburg-Lippe mit blauem Fachwerk. Die farbige Gestaltung durch den Maler hat in den jeweiligen Regionen denkmalgerecht zu erfolgen, sprich der Maler sollte nur die Pigmente einsetzen, die es zum Zeitpunkt der Erbauung schon gab.
Jeder Region ihr Fachwerk
Im Norden entstehen auf dem Lande frei aufgestellte Hallenhäuser mit sehr großen Dächern. An das Bauholz wurden damals hohe Ansprüche gestellt: Anfangs verwendete der Handwerker nur wertvolles Hartholz wie Eiche. Beim Flößen spülte das Wasser alle Nährstoffe für Holzschädlinge aus; im Sägewerk sägte man lediglich das Kernholz zu. Dieses war vor der Verarbeitung zwei bis drei Jahre an der Luft abgedeckt gelagert worden. Die gute Qualität des Holzes ist auch einer der Gründe, dass heute noch Fachwerk erhalten ist. Gemalte Verzierungen fanden sich nur an den großen Scheunenbögen für die Erntewagen. Diese waren mit christlichen oder weltlichen Sinnsprüchen verziert. Auch die Namen der Eigentümer und der Baumeister sind dort verewigt.
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