Meister machen Moneten

Meisterschaft lohnt sich. Nicht nur beim Fußball. Nach einer Analyse des Gehaltsportals.de verdienen Berufstätige ohne Ausbildung im Schnitt 33.000 Euro. Mit einer abgeschlossenen Lehre sind`s schon rund 37.000 und bei Meistern mit Führungsverantwortung fast 46.000 Euro. Diese Durchschnittszahlen werden bei uns weit übertroffen. So hat der Präsident der Handwerkskammer Rhein-Main kürzlich darauf hingewiesen, dass man hier einem Malermeister schon 5.000 Euro als Einstiegsgehalt bieten müsse. Starke Argumente auch für Studienzweifler, die „Your Push“, ein Projekt der Uni mit der Kammer, über Karrierechancen im Handwerk informiert. Für junge Menschen, für die das Studium nicht das richtige ist, fungiert „Your Push“ als Frühwarnsystem.

Date zum Datenschutz

Die seit Mai gültige europäische Datenschutzverordnung sorgt insbesondere bei kleineren Betrieben für große Irritationen und Unsicherheit. Zu der Frage, welchen Service dazu unsere Fachorganisation bieten könne, habe ich überlegt, wie sie früher bei solchen, ausnahmslos alle Mitglieder betreffenden Neuerungen gehandelt hat: Sowohl bei der Einführung der Mehrwertsteuer, als auch vor dem Start des UK-Verfahrens, gab es im Landesverband eine Vortragsreihe, die innerhalb eines Zeitraums von nur zwei Wochen bei den Innungen durchgezogen wurde. Damit ortete sich die Fachorganisation einmal mehr als der kompetente Ansprechpartner. So ähnlich könnte das jetzt auch laufen. Innungsversammlungen als Date zum Datenschutz – Update für die Fachorganisation.

Schwarzarbeit färbt ab

Bei der Großrazzia im Rhein-Main-Gebiet, die von einer Soko aus Zollbehörde und Staatsanwaltschaft koordiniert war und an der über 1.000 Beamte Beweismaterial sicherstellten -u.a. fast 20 Millionen an Vermögenswerten- wurde ein ausländischer Familienclan festgenommen, der als Bande Schwarzarbeit in großem Stil und als breit organisiertes Netzwerk den Staat um viele Millionen geprellt hat. Kriminelle, wie die jetzt gefassten, schaden aber nicht nur dem Staat, sondern beschädigen auch den Ruf aller am Bau tätigen Gewerke. Taucht in einem Krimi ein Bauunternehmer auf, kann man sicher sein, dass er in kriminelle Machenschaften verstrickt ist. Das setzt sich fest, auch bei Politikkern. Ich kann mich noch gut erinnern, mit welcher Begrüßung uns ein früherer Finanzminister zu Beginn eines Gespräches beleidigte: „Baugewerbe – das kenne ich aus meiner Zeit als Strafverteidiger.“ Schwarzarbeit färbt ab – und schwärzt alle an.

Wehmut und Wünsche

Ein bisschen Wehmut hat die Nachricht, dass Brillux den Deutschen Fassadenpreis ab diesem Jahr als „Design Award“ weiterentwickelt, bei mir schon hervorgerufen. Schließlich durfte ich 15 der 25 Jahre des Bestehens dieses bedeutenden Wettbewerbs der Jury angehören und immer wieder herausragende Malerarbeiten an Fassaden mit auszeichnen, in den letzten Jahren nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Österreich und der Schweiz. Natürlich haben uns die gestalterischen und handwerklichen Spitzenleistungen immer wieder begeistert. Gerne erinnere ich mich an spannende Diskussionen bei der Beurteilung der Einreichungen und bin dankbar für die freundliche, ja freundschaftliche Zusammenarbeit mit allen Juroren und dem Fassadenpreis-Team des Hauses Brillux. Meine guten Wünsche für das Folgeprojekt gehen ebenso an den Auslober wie an die neue Jury: Viel Freude und Erfolg!

Gegen Jeans mit Löchern

In Frankfurt wurde jetzt ein Gymnasium als erste hessische Verbraucherschule anerkannt. Dort wird im Rahmen des Unterrichts auch Verbraucherausbildung vermittelt. Richtungweisend sicher auch, dass dieses neue Fach in der Weltsprache Englisch unterrichtet wird. Der Unterricht mach z.B. fit, den Nutzen und Wert von Waren, Finanz- und Versicherungsangeboten zu beurteilen. Das ist in einer Zeit, in der viele junge Menschen markenfasziniert sind und wo zerrissene Jeans teurer sind als ganze, sicher nützlich und hilfreich. Wie hieß es früher: „Nicht für die Schule, sondern fürs Leben.“ Die inzwischen bundesweit 32 Verbraucherschulen leben das.

Sgraffito aus Graffiti

Nirgendwo sieht man so viele großflächige Graffiti wie entlang der Bahnstrecken. Allein zwischen Frankfurt und Köln, wo ich zuletzt täglich unterwegs war, entdeckte ich mindestens tausend, vor denen die Verantwortlichen längst resigniert haben. Ausschnitte davon sind aber bisweilen formal und farbig du durchaus interessant. Würde man die partiell separieren und die Restflächen überstreichen, könnten entlang des Weges -und auch anderswo- durchaus interessante Formate und Hingucker anstelle der abstoßenden Schmierereien entstehen, quasi Street-Art-Galerien. Jetzt lese ich, dass der Künstler Klaus Dauven eine ganz ähnliche Idee umgesetzt hat: Er dreht Graffiti praktisch um, benutzt einen Hochdruckreiniger wie ein Schneide- bzw. Zeichengerät, mit dem er neue Motive schafft, indem er, wie beim Sgraffito den Putz, Schmutz und Patina wegnimmt und mit dem Hochdruckreiniger neue Motive „schneidet“. So eine andere Art des Umgangs mit Graffiti wäre vielleicht erfolgversprechender als dauerndes Entfernen oder Überstreichen. Man müsste es halt mal probieren – warum nicht als kreatives Lehrlingsprojekt.

Licht und Schatten

Wer bei seiner Berufswahl in die Fußstapfen seiner Eltern tritt, sei es, indem er denselben oder einen verwandten Beruf ergreift, hat große Erfolgschancen. Das ergab eine breit angelegte Studie. Derzufolge liegen die Geschäftsergebnisse von Söhnen (die Studie erfasste Töchter nicht), deutlich über denen von Branchenfremden. Auch die Überlebenschance und das Wachstum der Betriebe ist weit größer als der jeweilige Branchendurchschnitt. Selbst die „Dümmsten“ in den Fußstapfen der Eltern sind erfolgreicher als die „Schlauen“, die eigene Wege gehen. Die Schattenseite der Studie: Je intelligenter und schulgebildeter das Kind, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es anderes anstrebt. Sicher ein interessantes Thema für Tischgespräche in Handwerkerfamilien.

Teurer Rat

„Ein Berater ist einer, der kommt, sich deine Uhr leiht und die dann sagen kann wie spät es ist. Dafür behält er die Uhr.“ (Mir hat das gottlob noch keiner vorgeworfen)


PraxisPlus

Autor Werner Schledt war jahrzehntelang Betriebsberater und Verbandsgeschäftsführer im hessischen
Maler- und Lackiererhandwerk.

Werner Schledt

Gangstraße 35 c

60388 Frankfurt/Main

werner@schledt.de


Schwarzarbeit schwärzt alle
an!


Eine Idee hat man nie alleine!