Farbe & Inspiration

Der Farb-DNA auf der Spur

In Belgien liebt man den Schlamm – zumindest als Farbton ist er an den Fassaden des Landes ausgesprochen beliebt. Was derzeit farblich in Europa angesagt ist, erkundet das Caparol- FarbDesignStudio. Und entdeckt dabei Überraschungen.

Armin Scharf

Es gab schon viele Ansätze, zu erkunden, wie es um das Farbklima in den einzelnen Regionen Europas bestellt ist. Doch weil der Kontinent trotz Harmonisierungsstreben und Globalisierungsphänomenen nach wie vor eine erfreulich differenzierte Farbkultur bietet, die sich aus regionalen Traditionen, geologischen Rahmenbedingungen oder klimatischen Besonderheiten speist, sind umfassende Studien nur unter größtem Aufwand machbar. Und so bleibt es meist nur beim großen Plan.
Dennoch befindet sich das Caparol-FarbDesignStudio mitten in einem solchen Suchen-Finden-Dokumentieren-Interpretieren-Projekt, das Momentaufnahmen der Farbenwelt Europas im Blick hat. „Color Research“ nennt sich dieses Projekt, das die Farbexpertinnen aus Ober-Ramstadt in die Nachbarländer führt. Frankreich, Belgien, die Niederlande und Schweden standen bereits auf der Besuchsliste, weitere folgen sukzessive. Das Vorgehen ist stets gleich: Zunächst recherchieren die Kollegen der einzelnen Ländergesellschaften mit ihrem Erfahrungshintergrund das, was aus ihrer Sicht als typische Farbigkeit gelten kann. Diese Vorinformationen im Gepäck, gehen dann die Expertinnen des Caparol-FarbDesignStudio selbst auf die Suche nach entsprechenden Farbigkeiten. Im Fokus befinden sich primär natürlich die Fassaden, aber auch der Blick auf die Farbkombinationen von Innenräumen stehen auf der Liste.
Farbimpulse
Diese Recherche kann natürlich nur stichprobenartig verlaufen und nicht in die feinste Verästelung der Farbkulturen hineinzoomen – dennoch ergeben sich spannende Erkenntnisse, mit denen sich die Länder abgrenzen lassen. „Man entwickelt sehr schnell ein Gespür für typische Objekte und Farbigkeiten“, erläutert Daniela Volk ihre Erfahrungen während der Arbeit. So geht es nicht allein um die exakte Abmusterung einzelner Farbnuancen – genauso relevant sind Erkenntnisse über den Umgang mit Flächen und Akzenten, mit Kontrasten, Farbintensitäten und Farbkombinationen. Und die unterscheiden sich von Land zu Land mitunter erheblich – und immer wieder lassen sich Farbkulturen erkennen, die über die nationalen Grenzen hinweg verlaufen.
Zur Recherche gehört natürlich auch der Besuch von Möbelgeschäften und deren Deko-Abteilungen, der Farbenabteilung von Bau- und Fachmärkten sowie der Blick in die Geologie und Flora der Landschaften. Gespräche mit Bewohnern und Nutzern der betrachteten Objekte runden die Recherche schließlich ab.
Das Ziel der Länderstudien? Natürlich geht es darum, zu sehen, wie unsere Nachbarn die Farbe leben. Aber viel mehr soll so der Blick für neue Farbimpulse, für Strömungen und Bedürfnisse geschärft werden und die tägliche Beratungsarbeit des Farbstudios bereichern. Dazu sind die Länderstudien mit ihrer anwendungs- und marktnahen Ausrichtung bestens geeignet.
Belgien ist verhüllt
Die belgische Farbigkeit kennzeichnen zum einen sehr viel verhüllte, vergraute Nuancen – oftmals mit einem dezenten Buntanteil aus dem roten, blauen oder grünen Spektrum. Im Vordergrund aber stehen warme Grautöne oder vergraute Brauntöne, die im Innenraum deutlich dunkler eingesetzt werden als es hier zu Lande üblich wäre. Farbtöne mit mittleren bis geringen Helligkeiten dienen gerne als Akzentuierungen, allerdings finden sich auch Räume, die komplett in dunklen Tönen gehalten sind. Insgesamt verzichten belgische Gestalter auf ausgeprägtere Kontrastumfänge, Helligkeiten und Sättigungen liegen stets recht nahe beieinander.
Die Fassaden wiederum zeigen zwei interessante Besonderheiten: So dominieren zwar Ziegelfassaden, doch werden diese an Eingangsbereichen sehr häufig mit Putzflächen kombiniert, die inklusive der Haustüre in leichten Grau- oder Beigetönen überfasst sind. Und noch eine signifikante Eigenart ließ sich entdecken: Die Komplettcolorierung der Fassade in einem einzigen Farbton, einschließlich aller zugehörigen Elemente wie Türen, Fensterrahmen oder Fallrohre. Dafür nutzt man gerne Nuancen mit schlammiger Anmutung, wohl inspiriert von den häufig anzutreffenden lehmigen Böden des Marschenlandes dort. Ausgemustert und übersetzt in das 3-D-System von Caparol entspricht dies den Farbfamilien „Palazzo“, „Curcuma“, „Ginster“, „Tundra“ und „Mai“.
Inzwischen tauchen diese Töne übrigens vermehrt in Deutschland auf, vor allem bei Neubauten, was beweist, dass sich Gestaltungsgrenzen kaum noch mit Landesgrenzen decken. Allerdings lässt die Spielart des „all-over-paint“ noch auf sich warten.

praxisplus

Color Research
Vor rund drei Jahren startete das Caparol-Farbstudio dieses Projekt, das die aktuellen Farbkulturen in europäischen Ländern erkunden soll. Dabei machen die Farbexpertinnen aus Ober-Ramstadt überraschende Entdeckungen, etwa die belgische Liebe zu schlammigen Nuancen oder den weißen Innenraum in Skandinavien. Die Studienreisen werden fortgesetzt – über die Highlights berichten wir hier.

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