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Die gute Farbe

Farbe & Inspiration
Die gute Farbe

Die Gestalter in der Schweiz warten immer wieder mit erfrischenden Farbkonzepten auf – auch der Förderpreis „Die gute Farbe“ hält so manche Überraschung parat.

Armin Scharf

Es sind nicht die bereits etablierten Gestaltungs- oder Architekturbüros, die Ende September im Züricher Haus der Farbe prämiert wurden – und genau das macht den explizit als Nachwuchsermutigung gedachten Preis „Die gute Farbe“ so interessant. Das Verfahren an sich ist bekannt: Eine Nominierungsjury, bestehend aus zehn Fachleuten, fahndet nach beispielhaften Farbgestaltungen, stellt intern vor und stimmt dann darüber ab. 27 Einladungen sind auf diese Weise zusammengekommen, von denen vier schließlich in den Genuss des von der IKEA-Stiftung Schweiz ausgelobten Preisgeldes von zusammen 20.000 Franken gekommen sind.
Ausgezeichnet wurden Arbeiten von Einzelgestaltern oder Teams, die nicht länger als zehn Jahre aktiv am Markt sind und einen „besonders qualitätsvollen Umgang mit der Farbe“ pflegen. Dabei war es zweitrangig, ob dies im Kontext mit Architektur, Innenarchitektur, Außenraumgestaltung oder künstlerischen Installationen stand. Auf jeden Fall sollten die Teilnehmer aus der Schweiz kommen oder dort Projekte bearbeitet haben.
Eine Kapelle im Fluss
Es hört sich im ersten Moment skurril an, was Guidotti Architetti aus Monte Carasso im Tessin saniert haben: Eine Kapelle mitten im Bachbett. Zwischen 1590 und 1620 erbaut, soll das „Oratorio Madonna della Valle“ daran erinnern, dass just hier die Jungfrau Maria einst eine Mutter mit ihren zwei Kindern vor den Hochwasserfluten des Wildbaches errettete. Also stellte man eine Gedenkkapelle mitten in das Kiesbett des Baches – der natürlich immer wieder Schäden am Bauwerk verursachte. Inzwischen aber ist der Bach gebändigt, so dass eine umfassende Sanierung angegangen werden konnte. Dennoch war die Situation höchst kompliziert, nicht zuletzt wegen der aus dem Bett aufsteigenden Feuchtigkeit und Ablagerungen der letzten Überschwemmung des Jahres 1948. Mit der Sanierung nun erhielt der kleine Innenraum mit seinem leuchtenden Altar eine neue Qualität: Die Architekten ließen den Raum rundum blau verputzen, dazu kam eine podestartige Bodenplatte, deren Farbe auf den Altar Bezug nimmt. Durch rote und blaue Glasfenster fällt nun Licht auf die mit reflektierenden Partikeln versehenen Wände.
Ornamente und Haftnotizen
Im Jahr 2001 gründeten Benno Meuwly und Roger Stiegler, Absolventen der Salzburger Schule für Farbgestaltung, das Büro „Kontur2“. In Thun und Tessin angesiedelt, erstellen die beiden Gestalter neben Farbkonzepten auch Ins-tallationen – beispielsweise das ausgezeichnete „Riflettere“. Dahinter verbirgt sich eine 7×9 Meter große Wand in einer ehemaligen Thuner Fabrikhalle, beschichtet mit in Ka-seinleim gebundenen Eisenoxidpigmenten und anschließender ornamentaler Kratzarbeit. Leider musste die Halle samt 2003 gestalteter Wand mittlerweile einer Neubebauung weichen.
Ganz eigenwillig ging Sonja Kretz ans Werk: Die im Kunstraum Aarau gezeigte temporäre Installation „Wiederbelebt“ besteht aus zahllosen, pinkfarbenen Haftnotizen auf weißem Wandgrund. Weil die Fixierung der quadratischen Blättchen mal oben, mal unten, mal seitlich erfolgte, ergab sich ein flirrendes Gesamtbild. Über das Langzeit-Klebeverhalten ist aber nichts bekannt. Sonja Kretz absolvierte 2005 die Ausbildung zur Farbgestalterin am Haus der Farbe und gründete gleich anschließend ihr Atelier „Architektur in Zeit und Raum“ in Aarau.
Unter Tage
Ein weiterer Preis ging an das Züricher Büro „raumgleiter“, hinter dem die beiden Architekten Christoph Altermatt und Martin A. Meier stehen. Im Jahre 2005 machten sie sich an eine gleichermaßen ungeliebte wie schwierige Aufgabe: An die Umgestaltung der Fußgängerunterführung Nordstraße/Rosengartenstraße in Zürich. 1972 erbaut, ist die unterirdische Querung auch heute noch unverzichtbar, aber in die Jahre gekommen. Die Gestalter ließen die dynamisch gekurvten Wände mit reinigungsfreundlichen Glaskeramikfliesen kacheln, die Decken wurden weiß beschichtet und der alte Asphaltboden mit einer blauen Quarzsand-Beschichtung aufgewertet. Die Wände zeigen sich zweifarbig – oben weiß und unten blau. Die Trennlinie scheint schräg zu verlaufen, ist aber in Wahrheit streng horizontal – der irritierende Eindruck resultiert aus dem Gefälle innerhalb der Unterführung, die Trennlinie wird damit zu einer Art künstlichem Horizont.
Gemeinschaftspreis
Hinter dem Förderpreis steht die gemeinsame Arbeit des Hauses der Farbe und des Schweizerischen Werkbundes. Beide Institutionen verstehen sich als interdisziplinäre Plattform, der Werkbund seit bald 100 Jahren, das Haus der Farbe seit zehn Jahren. Nominiert zum Preis wurde übrigens auch das Luzerner Studio „Truecolor“, dessen Arbeit für die Siedlung Schönau bereits im Malerblatt 07/07 zu sehen war.

kompakt
Alle Preisträger und Nominierungen sind im Dossier 39/08 des schweizerischen Architekturmagazins tec21 ausführlich dargestellt. Das Heft kann für 8 Euro plus Versandgebühren geordert werden:
Mehr über die Veranstalter und Preisträger im Internet:
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