. Muster und kräftige Farben - Malerblatt Online

Gebäudehülle & Innenraum

Muster und kräftige Farben

Die neuen Tapetenkollektionen auf der Heimtextil waren ein Augenschmaus. Kräftige Farben und fantastische Tierwelten, bei denen man fast meinte, gleich flattere etwa ein Vogel davon, Landschaften zum Träumen und Grafiken zum Staunen waren geboten.

Autorin: Bärbel Bosch

Von Jahr zu Jahr werden die Tapetendessins und -qualitäten vielfältiger und besser. Doch in heimischen Wohnungen entscheiden sich die Kunden doch wohl meist für andere Wandgestaltungen. 3.025 Ausstellern aus 65 Ländern bot die Heimtextil vom 8. bis 11. Januar einen attraktiven Rahmen für ihre Neuheiten. Mit einem Ausstellerrekord und einer Bandbreite an innovativen Produkten sowie Angeboten zu aktuellen Themen wie Nachhaltigkeit startete die internationale Leitmesse für Wohn- und Objekttextilien 2019 dynamisch in die neue Saison für Wohn- und Objekttextilien.

Ein Thema, das Aussteller und Besucher beschäftigte, war die aktuelle und kommende konjunkturelle Lage. Eine weitere Herausforderung besteht im Wandel des Handels. Steigende Umsätze und Umsatzanteile im Online-Handel stehen den Bemühungen des stationären Einzelhandels entgegen, die innerstädtischen Geschäfte aufrechtzuerhalten.

Branchentief

Die Stimmung der Tapetenbranche ist getrübt. Das Jahr endete mit einem Paukenschlag: Die Insolvenz von P+S International aus Gummersbach wurde bekannt. Von den ehemals unzähligen Tapetenfabriken ist nun auch das 1879 gegründete Unternehmen, welches etwa mit Dieter Bohlen und Guido Maria Kretschmer Pop-Glamour in die Tapetenbranche brachte, vom Markt verschwunden. Es bleiben nur noch eine Handvoll große deutsche Tapeten-Unternehmen übrig.

„Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich sage, dass uns die Marktlage – vor allem in Inland – weiter vor Herausforderungen stellt. Dass diese bereits existenzvernichtende Ausmaße angenommen haben, sieht man an der Insolvenz von P+S. Die Verbraucher waren in der Vergangenheit zurückhaltend beim Thema Tapete und sind es leider noch immer. Was keiner versteht, denn die Kaufkraft ist ja da. Die Aufgabe des Verbandes muss in den kommenden Monaten zwingend sein, die Tapete mit einer groß angelegten Kampagne wieder in den Fokus der Menschen zu rücken. Das kann aber ein einzelner Hersteller nicht allein leisten. Hier müssen meiner Meinung nach alle an einem Strang ziehen“, sagt dazu Ullrich Eitel, Geschäftsführer Marburger Tapetenfabrik.

Der Verband der deutschen Tapetenindustrie (VDT) hat durchaus das ehrgeizige Ziel, die gesamte Branche zusammenzubringen und kämpft dafür um Mitglieder. Dabei stellt er sich immer wieder die Frage: „Wie werden wir den Veränderungen gerecht?“ Hierzu erklärt Karsten Brand, Geschäftsführer VDT: „Die aktuellen Marktgegebenheiten erfordern gemeinsame Anstrengungen und einen intensiveren Austausch aller Marktteilnehmer. Damit meinen wir alle Beteiligten gleichermaßen – Zulieferer, Industrie, Handel und Handwerk. Diese will der VDT mit dem „Aktionsforum Tapete“ an einen Tisch bekommen und Maßnahmen auf den Weg bringen, die den Tapetenabsatz fördern. Natürlich ist auch das Handwerk gefragt, denn Maler sind ein wichtiges Bindeglied zum Verbraucher. Erste Ideen, wie sich das Handwerk am Aktionsforum Tapete beteiligen kann und dadurch unmittelbar profitiert, werden derzeit entwickelt – auch im Austausch mit dem Bundesverband Farbe.“

Auch Hersteller wie etwa A.S. Création werden tätig und starten in 2019 einen TV-Spot, der die Tapete ins Bewusstsein der Verbraucher rücken soll. Stefan Gauger, verantwortlich für Public Relations erläutert: „Wir wollen die Branche beflügeln“.

Frank Seemann, Leiter Marketing bei Erfurt & Sohn, war nach der Messe positiv gestimmt: „Die Heimtextil war als Auftakt ins Messejahr 2019 in jeder Hinsicht ein Erfolg für Erfurt. Der intensive Austausch mit unseren Partnern und zahlreiche neu geknüpfte Kontakte zeigen, dass die Fachmesse uns eine sehr gute Plattform bietet – nicht zuletzt, weil wir in Frankfurt die Vertreter mehrerer Vertriebskanäle gleichzeitig ansprechen konnten. So haben wir an unserem Stand die aktuellen Kollektionen 2019 für den Profi, den Heimwerker sowie für das Exportgeschäft präsentiert – voll mit neuen Lösungen und Konzepten für die Wandgestaltung. Jedoch müssen wir auch festhalten, dass wir im Ausblick auf 2019 für die Branche Licht und Schatten sehen. Denn auch wenn das Thema ‚Tapete‘ durch die sinkende Nachfrage nach Mustertapeten weniger im Verbraucherfokus steht, werden gleichzeitig individuelle Wandkonzepte immer stärker gefordert. An der Stelle setzen wir mit unseren überstreichbaren Wandbelägen an und geben Planern und Verarbeitern flexible Produkte an die Hand, mit denen sie Kundenwünsche optimal und ökonomisch umsetzen können. Um Endverbrauchern insgesamt wieder mehr Lust aufs Renovieren und Gestalten zu machen, gilt es zu inspirieren, zu motivieren und die vielfältigen Möglichkeiten zu kommunizieren.“

Trends 2019/20

Inspirieren und motivieren, das können sie, die neuen Kollektionen und Trends: Struktur, grafische Muster und gesundheitsfördernde Materialien: Das sind die wesentlichen Trendsignale von der Messe. Wer behauptet, es gäbe nicht „den einen Trend“, wurde auf der Heimtextil 2019 eines Besseren belehrt: Grafische Muster sind das Must-have der Saison – und zwar für alle Bereiche, vom Teppich über die Wand- und Fensterdekoration bis hin zu Möbel- und Dekostoffen und auf dem Tisch, im Bad und im Bett. Zu sehen sind Variationen von Geometrien, Karos, Rauten und Diagonalstreifen ebenso wie Inspirationen aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren, elegante Stilelemente aus dem Art Déco und Designs à la M.C. Escher.

Besonders edel wirken strukturierte, haptische Oberflächen in der Kombination von dunklen Grau- und Silbertönen mit natürlichen, oft hellen Tönen. Ergänzt werden die Kompositionen vor allem mit pudrigen Pastellen von Rosé über Flieder bis Mint und Blau. Insgesamt wirken die Farbwelten sehr harmonisch. Kräftige Akzente durch Gold- und Senfgelb oder Ultraviolett finden sich vor allem in den opulenten, luxuriöseren Kollektionen.

Konzipiert vom Londoner FranklinTill-Studio und inszeniert vom Frankfurter Atelier Markgraph liefert „Toward Utopia“ eine Vorschau auf die Designentwicklungen der Saison 2019/20 –. Die Heimtextil Trends 2019/2020 spiegeln auf vielfältige Weise den Wunsch wider, komplexen Lebensstilen zu entfliehen und tiefere Beziehungen zu unserer Umwelt zu schaffen sowie mehr Sinnhaftigkeit in den Alltag zu bringen. „Toward Utopia“ zeigt den Weg in diese moderne Utopie – von temporären Auszeiten in enger Verbindung mit der Natur über den Rückzug in virtuelle Welten bis hin zur Geborgenheit in minimalistischen Räumen oder zur Nostalgie von Schönheit und Luxus. Die Trendergebnisse von „Toward Utopia“ zeigen, welche individuellen Routen wir auf dem Weg zu einer modernen Utopie einschlagen können.

Neue Grafiken für die Wand

Die Dessins für 2019 sorgen für Spannung und Gelassenheit gleichermaßen und bieten viel Raum für das individuelle Wohngefühl. Die neuen Kollektionen spielen mit Gegensätzen und bieten jedem seine ganz persönliche Lieblingstapete.

Anbieter wie A.S. Création, Arte, Rasch, Komar, Grandeco, Architects Paper, Marburger, Omexco und Erismann machen Lust auf neue Wände. Die Looks reichen von industrial über rustikal-natürlich bis hin zu edlem Art Déco. Im Trend sind und bleiben die sehr haptischen Qualitäten, darunter Mauer-, Stein- und Pflanzenoptiken. Frische Impulse setzen Designs aus europäischen Metropolen vom Londoner Club-Chic bis zu Amsterdamer Kachel-Styles (AS Design). Bei den Motiven lösen vor allem grafische und geometrische Muster die floralen Dessins langsam ab. Eindrucksvoll wirken etwa geometrische Metallic-Strukturen. Frisch und farbenfroh blinken dazwischen überdimensional vergrößerte Dots oder Pflanzenausschnitte. Viele Tapeten wirken wie gemalt, entweder leicht aquarelliert oder aber poppig inszeniert.

Entschleunigung spielt eine immer größere Rolle. Zur Ruhe kommt der Mensch dort, wo er sich wohlfühlt. Die neuen Tapetendessins in natürlichen oder pudrigen Tönen lassen einen entspannen. Erdige Farben mit dezenten Strukturen oder schlichte Unitapeten gestalten Räume wohnlich wie kein anderer Wandbelag. Auch die Muster werden ruhiger. Sie orientieren sich am Vorbild Natur, wie Holzmaserungen, Jahresringe oder Blätter. Heimtextilien in Gelb- oder Rosétönen beleben als Farbtupfer das Erscheinungsbild.

Im Stil des Art Déco verwandeln die neuen Tapetenkollektionen Räume in Bühnen und Wände in wahre Schmuckstücke. Luxus und Eleganz kommt besonders zur Geltung, wenn nicht nur Möbel und Accessoires aufeinander abgestimmt sind, sondern das Gesamtkonzept des Raumes inklusive Wand, Fußboden und Decke stimmt. Dunkle Grün-, Rot- oder Violetttöne mit leuchtenden Kupfer-, Silber- oder Goldakzenten – so heißt es klotzen, nicht kleckern, wenn eine ganze Wand in einem warmen Gold tapeziert wird und die Oberfläche eine einladende, seidige Haptik hat.

Hygge, cozy oder lagom? Wie auch immer man die neue Gemütlichkeit nennen mag – die Tapetenkollektionen 2019 heben den Kuschelfaktor und tragen zu einem unbeschwerten Wohngefühl bei. Da darf die Blümchentapete dem mit Samt oder Cord bezogenen Sessel die Show stehlen. Aber auch ein Muster im 50er-Jahre-Stil fügt sich locker in das entspannte Zuhause ein. Wer es reduzierter mag, hält sich an natürliche Kontraste und an die klare, grafische Formensprache der Skandinavier. Auch die Kombination verschiedener Materialien und geometrischer Muster scheint immer mehr an Bedeutung zu gewinnen.

Visionen

Die Tapete bietet mehr Qualität, Individualität, Vielfalt und hochwertige Dessins als je zuvor. Dies müssen die Verbraucher nun noch an den Wänden umsetzen, bzw. umsetzen lassen. Annicq Boghaert, Commercial Manager Germany bei Arte, bringt es auf den Punkt: „Was ist Trend bei Tapeten? Was für eine Frage! Wichtiger ist, dass die Tapete als Wandbekleidung selbst wieder zum Trend wird!“ Und Hubert Esser, Geschäftsführer pro ambiente, hebt den Stellenwert des Handwerkers hervor: „Der Handwerker sollte Wandbekleidung in seiner Schönheit präsentieren und verarbeiten. Gestaltung muss ins Blut übergehen.“ Die eigenen vier Wände sind Rückzugsort aus einer immer hektischer werdenden Welt, dort können wir unsere ganz persönlichen Vorstellungen und Träume realisieren. Hier können wir uns gestalterisch verwirklichen. Wände spielen dabei eine immer größere Rolle. Sie sind längst nicht mehr der unauffällige Hintergrund für die Einrichtung, sondern werden zunehmend als eigenständige Gestaltungsflächen eingesetzt. Farben, Materialien, Haptik und Optik bestimmen die Raumatmosphäre, sind Hintergrund oder auch Mittelpunkt unserer Wohnwelten. Warum nicht mit Tapete als Wandbekleidung?

Weitere Fotos:
www.malerblatt.de


Frank Seemann,Marketingleiter der Erfurt & Sohn KG

Um Endverbrauchern insgesamt wieder mehr
Lust aufs Renovieren und Gestalten zu machen,
gilt es zu inspirieren, zu motivieren und die
vielfältigen Möglichkeiten zu kommunizieren.


Karsten Brand, Geschäftsführer VDT

Die aktuellen Marktgegebenheiten erfordern gemeinsame Anstrengungen und einen intensiveren Austausch aller Marktteilnehmer. Damit meinen wir alle Beteiligten gleichermaßen.


Ullrich Eitel, geschäftsführender Gesellschafter der Marburger Tapetenfabrik

Die Aufgabe des Verbandes muss in den
kommenden Monaten zwingend sein, die Tapete mit einer groß angelegten Kampagne wieder in
den Fokus der Menschen zu rücken.

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