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Gebäudehülle & Innenraum

Pi mal Daumen

1 zu 20 lautet das von der Tapetenindustrie geforderte Kleister-Ansatzverhältnis für fast alle mittelschweren Tapeten und Wandbeläge. In der Praxis wird aber mehr „nach Gefühl“ angerührt als nach diesen Vorgaben. Mit zum Teil fatalem Ergebnis.

Roy Sämerow

„So ein Mist, so ein blöder Kleister. Und dann noch das trockene, warme Wetter. Und überhaupt: Wer hat das Fenster offen gelassen? Hier zieht es wie Hechtsuppe! So kann das ja nichts werden …“ Wenn die gestern geklebte Tapete sich heute wandabwärts wieder einrollt oder die Stöße Achterbahn spielen, ist das Gejammer groß. Meistens wird die Schuld überall gesucht, nur nicht im exakten Ansatzverhältnis des verwendeten Tapetenkleisters. Warum auch? Früher ging es doch auch. Ein großes Päckchen Tapeziergerätekleister (500 Gramm) auf einen großen Eimer Wasser (17,5 Liter) und aus die Maus. Allerdings gab es damals auch bedeutend weniger Tapeten(papier)stärken und Oberflächenbeschaffenheiten als heute. Mit dem Aufkommen von stärkeren Raufaserqualitäten, Textil-, Vinyl-, Struktur-, Vliestapeten usw. änderten sich die Anforderungen an die zu verwendenden Kleister. Die Herstellerindustrie reagierte und ergänzte ihr Portfolio an reinen Methylcelluloseprodukten um kunstharzvergütete Kleister mit hohem Festkörpergehalt und höherer Feuchtfestigkeit. Superkleber, die ihre Aufgabe perfekt erfüllen und gegenüber fast allen Sünden erhaben sind. Nur eines nehmen sie übel: Ein falsches Ansatzverhältnis, wie Axel Brothan, Leiter der Anwendungstechnik beim Kleisterhersteller Pufas weiß: „Früher setzte man Tapeziergerätekleister im 1 zu 35-Ansatz an. Zehn Prozent Toleranz rauf oder runter war den weitestgehend monogamen Tapeten egal. Heute werden aber auf Grund der gestiegenen Anforderungen an die Klebkraft des Kleister so genannte wasserarme Klebemittel verwendet, die, so die Forderung der Tapetenindustrie, im Regelfall 1 zu 20 anzusetzen sind. Im Klartext: 43 Prozent mehr Pulver bei gleicher Menge Wasser. Wird dieser Kleister rein nach Gefühl angerührt, besteht die Gefahr von Fehlansätzen, die, insbesondere wenn der Kleister zu dünn angerührt wird, fatale Folgen haben. Die Klebkraft des Kleisters baut ab, die Nähte gehen auf usw. Eben die bekannten und vor allem äußerst ärgerlichen Mängel.“
Cleverer Ansatz
Auch wenn der leere 15-Liter-Farbeimer als perfektes Anrührgefäß erscheint, sollte für den Kleisteransatz ein Eimer mit Maßeinheiten verwendet werden. Manche Hersteller haben auch auf den „Nicht-in-den-Kopf-geh-1-zu-20-Ansatz“ reagiert und spezielle 750 Gramm-Malerpackungen auf den Markt gebracht. Pufas beispielsweise bietet mit dem Pufas G20 und dem Glutolin M22 instant zwei interessante Großpackungen, die einerseits fast wie gewohnt, andererseits wie empfohlen angerührt werden, nämlich ein 750 Gramm-Päckchen auf praktikable 15 Liter Wasser = 1 zu 20. „Wir wollen dem Malerbetrieb damit ein wenig die Arbeit erleichtern. Ein Päckchen auf 15 Liter Wasser ist leicht zu merken und kommt den alten Gewohnheiten sowie den heutigen Gefäßgrößen entgegen,“ so Brothan. Auch die Tapetenhersteller leisten entsprechende Aufklärungsarbeit. Auf allen Rolleneinlegern ist das Kleisteransatzverhältnis explizit angegeben – die Basis für ein gutes Ergebnis somit gelegt.
Gerade bei Raufaser oder anderen stärkeren bzw. strukturierten Wandbelägen pochen die Tapetenlieferanten dabei im Regelfall auf den Kleisteransatz von 1 zu 20. Das liegt in erster Linie an dem hohen Feststoffgehalt und der daraus resultierenden Feuchtfestigkeit. Tapetenspezialkleister im 1 zu 20-Ansatz bieten nämlich eine viel höhere Sicherheit beim Überstreichen. Das Wasser in den Dispersionsfarben kann einen im Verhältnis von 1 zu 20 angesetzten Kleister nicht anlösen, ergo können auch keine Blasen entstehen und keine Stöße aufgehen. Darüber hinaus bieten die neuesten 1 zu 20-Kleister wie die beiden erwähnten Produkte eine optimale Kleisterverteilung. Früher ist es mitunter vorgekommen, dass diese beim Zusammenlegen und wieder Aufschlagen der Bahnen unterschiedlich war. Soll heißen: Auf dem einen Teil der Tapetenbahn war mehr Kleister als auf der anderen, dadurch quollen zum Beispiel die Holzspäne der Raufaser unterschiedlich auf, so dass auch ein unterschiedliches Strukturbild entstand. Dies ist nunmehr nicht mehr möglich. Fazit: Verfährt man nach den Kleisteransatz-Vorgaben der Tapetenindustrie bzw. der Kleisterhersteller, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Vorausgesetzt, man ist ein Profi und tapeziert nicht im Durchzug.

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