Technik & Werkstoffe

Volltreffer!

Das menschliche Auge kann theoretisch mehrere Millionen Farben unterscheiden; Farbtonmessgeräte gerade mal einige Tausend. Machen diese daher für die Farbtonbestimmung überhaupt Sinn?

Josef Schneider

Die Farbwahrnehmung ist alles andere als eine exakte Wissenschaft. Genau an dieser Stelle setzt die Grundidee der Farbmessgeräte an. Sie bestimmen Farbtöne auf Basis objektiver, physikalischer Messungen. Kein Schattenwurf, keine Farbreflexion, aber auch keine Emotionen, keine Rot-Grün-Blindheit und keine durchzechte Nacht trüben die Linse und beeinflussen die Wahrnehmung. Doch wie gut sind die Geräte wirklich? Wir unterzogen zwei Geräte einem Praxistest.
Der vom schweizerischen Hersteller Colorix stammende „ColorCatch 2“ kommt in schlichtem, schwarzem Gehäuse daher. Er besitzt nur eine einzige Taste zur Bedienung. Vor Ausführung der ersten Messung fordert uns das Gerät auf, es zu kalibrieren. Hierzu befinden sich im Lieferumgang drei Kalibrierungskarten. Ein Klick und es ist messbereit. Wir setzen das Gerät auf den Untergrund, schirmen es gegebenenfalls vor direkter Sonneneinstrahlung oder seitlichem Lichteinfall ab und klicken ein weiteres Mal. Fertig! Das Gerät zeigt uns nun in seinem Display zwei Farbtöne in Textform an. Sie entsprechen entweder dem gesuchten Farbton oder kommen ihm im Spektrum der gespeicherten Farbkarten am nächsten. Bei NCS-Farbtönen liefert das Gerät die entsprechende Seitenzahl der Farbkarte gleich mit. Das ist praktisch, zumal der Hersteller die Gegenkontrolle mit der gedruckten Farbkarte empfiehlt. NCS- und RAL-Farbtöne gehören zum Standard-Lieferumfang. Weitere Farbkollektionen kann der Anwender online zum Preis von 18 bis 29 Euro je Kollektion hinzukaufen und auf das Gerät übertragen. Das Nachfolgemodell ColorCatch 3 besitzt eine Bluetooth-Schnittstelle. Mit dieser lassen sich die gefundenen Farbtöne in eine Anwendung (App) übertragen, um einfache Farbgestaltungen im iPhone, iPod oder iPad vornehmen zu können.
Das Messinstrument „Capsure“ der amerikanischen Firma X-Rite wird in Deutschland von vier(!) Herstellern in Lizenz angeboten. Es ist daher den meisten besser bekannt als „ColorStick Capsure“ (Alligator), „Pablo Digital 1625“ (Brillux), „Buntstift 3D“ (Caparol) oder „Colorado“ (Sikkens). Die Hardware dieser vier Geräte ist identisch. Sie unterscheiden sich aber im Funktionsumfang und hinsichtlich der hinterlegten Farbtonkarten.
Auffälligstes Detail des „Capsure“ sind die gummierten seitlichen Griffe und Tasten sowie sein farbiges Multifunktionsdisplay. Es zeigt einen gemessenen Farbton als Farbfläche an und nicht, wie der „ColorCatch 2“, als Text. Außerdem dient es gleichsam als Lupe und Vorschau des zu messenden Untergrundes – ein unschätzbarer Vorteil, wie sich später noch herausstellen wird. Die Kalibrierfläche befindet sich auf der Innenseite des Schiebeverschlusses, der gleichzeitig als Objektivschutz dient. Das Gerät bietet von Haus aus deutlich mehr Funktionen als das Colorix-Modell: Messen mehrfarbiger Muster und textiler Strukturen, dreifache Verstellung der Blendenöffnung zum Messen auch kleinster Farbflächen, Voreinstellung unterschiedlicher Lichtarten sowie Sprach- und Textaufzeichnung – um nur einige zu nennen. Das Display zeigt auf Wunsch Farbharmonien zu dem gefundenen Farbton an. Auch dieser Hersteller weist uns darauf hin, dass wir die vom Gerät ermittelten Farben mit dem gedruckten Farbfächer überprüfen sollten.
Einfach und zuverlässig
Die Testgeräte erreichten uns original verpackt direkt vom Hersteller beziehungsweise vom Händler. Auspacken, Kurzanleitung lesen, erste Messung durchführen – nach maximal fünf Minuten hatten beide Geräte den Farbton unserer Bürotüren mit RAL 5007 korrekt und zuverlässig bestimmt. Allerdings empfiehlt Hersteller X-Rite vor Inbetriebnahme des „Capsure“ die mitgelieferte Software am PC zu installieren und den Akku des Gerätes über USB-Kabel zu laden. Das Laden des Akkus dauerte rund vier Stunden. Der batteriebetriebene „ColorCatch 2“ bedarf dieser Vorbereitung nicht. Er ist sofort einsatzbereit.
Um die Qualität der Farbmessungen zu überprüfen, führten wir jeweils 100 Messungen auf einer NCS-Farbkarte mit seidenmattem, glattem Farbauftrag und nochmals 28 Messungen unterschiedlicher RAL-Töne durch. Die Geräte lieferten einen Volltreffer nach dem anderen: Der „ColorCatch 2“ bestimmte 93 Prozent aller Farbtöne exakt, der „Capsure“ sogar über 98 Prozent. Wenn es Unsicherheiten gab, dann bei hellen Pastell- und dunklen Schwarztönen. Positiv fiel auf, dass die Geräte mit großer Zuverlässigkeit Farbtöne unterscheiden, die im Spektrum dicht beieinander liegen. Fazit: Bei glatten, lackierten Flächen ist die Zuverlässigkeit beider Geräte sehr hoch.
Der zweite Praxistest erfolgte bei Tagesanbruch auf einer 3 Millimeter Rauputz-Fassadenfläche. Hierbei trat ein weiterer Vorteil der Geräte gegenüber der herkömmlichen Bestimmung mittels Farbtonkarte zutage. Da sie eine eigene Lichtquelle besitzen, lassen sie sich auch bei diffusen Lichtverhältnissen, ja selbst im Dunkeln, verwenden. Wer also nach Einbruch der Dunkelheit noch schnell einen Fassadenfarbton bestimmen muss, wird diese Eigenschaft zu schätzen wissen.
Die große Rauigkeit des Mineralputzes und die damit verbundene Unregelmäßigkeit in der Oberfläche ließen indes die Geräte an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit stoßen. Bei diesen schwierigen Bedingungen spielte der „Capsure“ einen Riesenvorteil aus: Durch das Vorschaubild im Farbdisplay konnten wir für die Messung Stellen auswählen, die erhaben waren und eine möglichst gleichmäßige Farbigkeit aufwiesen. Das Gerät lieferte dadurch bei allen Messungen den gleichen Farbton. Es wich nur einmal leicht ab – und das auch nur, weil wir absichtlich eine Vertiefung im Putz anvisierten. Der „ColorCatch 2“ bietet diese Möglichkeit nicht und misst daher nach dem Zufallsprinzip, mal eine erhabene Stelle, mal eine Vertiefung. Die Folge: Bei fünf Messungen zeigte er uns fünf verschiedene Farbtöne an.
Bei der nächsten Disziplin, dem Messen überstrichener Raufasertapete, trat diese negative Eigenschaft des „ColorCatch 2“ nicht mehr in Erscheinung. Zuverlässig lieferte er bei fünf Messungen fünfmal den gleichen Wert. Das lässt vermuten, dass er bei einer Rauigkeit von ein bis zwei Millimetern definitiv an seine Grenzen stößt. Der „Capsure“, aufgrund des Vorschaubildes, meistert im Gegensatz dazu auch größere Rauigkeiten.
Natürlich können die Geräte nur Farbtöne finden und anzeigen, die sich in ihrem Speicher befinden. Standardmäßig enthalten beide Geräte die NCS-Kollektion mit rund 2.000 Farbtönen sowie weitere 200 RAL-Classic-Farbtöne. Der „Capsure“ enthält zusätzlich 1.700 Farbtöne der RAL-Design-Kollektion. Bei unseren Testmessungen reichte diese Vielfalt aus, um zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen. In der Praxis wird die Farbtonvielfalt durch zusätzliche Farbkollektionen der Hersteller noch um ein Vielfaches erweitert. Im Schnitt enthalten die Geräte dann 6.000 Farbtöne und mehr. Das macht sie als Marketing- und Beratungsinstrument für Maler und Stuckateure zu einem echten Volltreffer.

PraxisPlus
Das Messinstrument „Colorix ColorCatch 2“ wurde uns von der Fa. PCE, www.warensortiment.de, zur Verfügung gestellt. Das Testgerät „Capsure“ stammte vom Hersteller X-Rite. Letzteres wird in Deutschland von folgenden Herstellern in Lizenz angeboten: Alligator („ColorStick Capsure“), Brillux („Pablo Digital 1625“), Caparol („Buntstift 3D“) und Sikkens („Colorado“). Eine Übersicht aller Geräte sowie unser Messprotokoll finden Sie auf www.warensortiment.de in der Rubrik Downloads.

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