Technik & Werkstoffe

Wunderschön – und dann?

Auf die Fassadengestaltung legen die meisten Bauherren besonderen Wert. Doch was passiert mit der tollen Fassadengestaltung nach Jahren? Hält die Farbgestaltung den äußeren Einflüssen stand?

Alfred Lohmann, Caparol

Gereinigt und fachlich richtig beschichtet. Hiermit gewinnt man heutzutage kaum noch Kunden. Das optische Erscheinungsbild der Fassade ist dem Endkunden deutlich wichtiger. Seinem eigenen Heim einen Wiedererkennungswert zu geben, seine Farbkompetenz gegenüber der Nachbarschaft darzulegen oder diese zu motivieren, es ihm gleichzutun, dient dem Geschäft des Fachhandwerks und ist eine der schönen Seiten dieses gestaltenden Berufes. Doch wie sieht die wunderschöne Gestaltung nach Jahren aus? Hält die Farbgestaltung den Belastungen der Umwelt stand?
Äußere Einwirkungen
Fassadenfarben müssen eine Vielzahl von Anforderungen erfüllen. Sie sind die äußerste Schicht des Hauses und damit den Witterungsbedingungen mit allen Konsequenzen ausgesetzt. UV-Licht, chemische Substanzen der Umgebungsluft wie Schwefelsäure (z.B. durch Braunkohleverbrennung), ölige Ablagerungen in Industriegebieten (z.B. durch Ölmühlen), Rußablagerungen, aber auch Wasser in Form von Regen und Tau wirken äußerlich auf Fassadenfarben ein. Daneben wirken auch Substanzen aus dem Untergrund. Baufeuchte, Feuchte über Risse oder Anschlüsse beziehungsweise übers Erdreich eindringend führen direkt zu Schäden oder wirken durch angelöste Stoffe auf die Fassadenfarbe ein. Calciumhydroxid, Chloride, Nitrate oder Sulfate wirken als Salze durch Kristallisation haftungsmindernd oder zeichnen sich auf der Oberfläche störend ab. Andere Substrate aus dem Untergrund wie Eisen wirken in Verbindung mit Feuchte störend. Biologische Einwirkungen wie Bakterien, Algen und Pilze sind ein weiteres Phänomen auf Fassadenfarben.
Die meisten beschriebenen Einwirkungen haben als Ursache Feuchtigkeit. Diese vom Baukörper fernzuhalten, ist eine der wichtigsten Aufgaben einer Fassadenfarbe. Woher aber kommt diese Feuchte? Die Annahme, dass Feuchtigkeit von innen übers geschlossene Mauerwerk aus dem Baukörper dringt, ist grundsätzlich falsch. Bei einem monolithischen Baukörper dringt kaum Feuchte nach außen. Mehr als 98 Prozent müssen durch Lüftung abgeführt werden. Die restlichen 2 Prozent werden vor allem in feuchtespeichernden Medien wie Putz, Möbel, Teppiche usw. gespeichert und bei trockener Raumluft wieder abgegeben. Daher stammt die Feuchte in der Außenhülle vor allem aus anderen Quellen. Undichte Anschlüsse, aufklappende Risse, aber auch nicht ausreichend wasserabweisende Putze oder Anstriche lassen Wasser ins Mauerwerk eindringen. Auch falsch ausgeführte Sockelanschlüsse ans Erdreich sind ein wichtiger Grund für aufsteigende Feuchtigkeit.
Eine weniger beachtete Feuchtequelle ist das Reinigen von Fassaden. Mit Druck, oft auch in Verbindung mit Dampf, werden Fassaden gereinigt. Hierbei wird Wasser zum Teil in den Untergrund getrieben. Wird danach keine ausreichende Trocknungszeit beachtet, führt dieses häufig zu Schäden an der nachfolgenden Beschichtung. Neben der Menge an eingetragener Feuchte spielt auch die Abtrocknungszeit eine entscheidende Rolle. Wie schnell trocknet der befeuchtete/durchfeuchtete Untergrund? Dieses hängt wesentlich vom Saugvermögen des Untergrundes und den Trocknungsmöglichkeiten ab. Stark saugende Untergründe, aber auch windstille oder kühle Umgebungsluft führen häufig zu langen Trocknungszeiten, die durchaus mehrere Tage andauern können. Auch windgeschützte Bereiche benötigen eine längere Trocknung. Eine manchmal praktizierte Ausführung einer Reinigung und Grundierung an einem Tag muss folglich zu späteren Anstrichschäden führen. Dabei reicht eine Trocknung über Nacht in manchen Fällen nicht aus.
Bei biologischem Befall muss zusätzlich zur Reinigung mit Wasser eine desinfizierende Reinigung mit entsprechenden Mitteln ausgeführt werden. Hierbei ist es wichtig, dass Sporen und Keime soweit entfernt werden, dass zum einen diese nicht unterhalb der neuen Beschichtung weiterwachsen können und zum anderen ein ausreichend tragfähiger Untergrund gewährleistet wird. Eine Beschichtung kann nur so gut anhaften wie es der vorbereitete Untergrund zulässt.
Grundierung
Mit der Grundierung werden nicht optimale Untergründe soweit vorbereitet, dass diese für die nachfolgende Beschichtung eine ausreichende Haftung ermöglichen. Dabei gilt der Grundsatz, dass der Untergrund schwach saugend vorbereitet sein sollte. Das bedeutet, der Untergrund darf weder zu stark saugen, noch kreiden oder absanden und auch nicht komplett absperren, das heißt nichtsaugend sein. Durch die Wahl der passenden Grundierung (transparent oder pigmentiert) und dem richtigen Verdünnungsgrad kann dies eingestellt werden. Bei lösemittelhaltigen Grundierungen muss darüber hinaus bedacht werden, dass sie eine ausreichende Ablüftzeit benötigen. Von der nachfolgenden Beschichtung eingesperrte Lösemittel verursachen Schäden in Form von Blasenbildung. Auch können Lösemittel in poröse Baustoffe eindringen und nach innen ausdiffundieren. Diese unangenehme, aber bei ausreichender Lüftung nicht gesundheitsgefährdende Belastung der Bewohner, muss unbedingt vermieden werden. Grundierungen können auch Schutzfunktionen übernehmen. So erfüllen Putzgrundierungen neben dem besseren Auftrag und der einfacheren Strukturierbarkeit nachfolgender Oberputze einen nicht zu unterschätzenden Wasser abweisenden Schutz des Unterputzes. Durchschlagene Stoffe wie Eisenoxide, Holzinhaltsstoffe oder andere verfärbende Stoffe aus dem Untergrund können durch die passende Grundierung abgesperrt werden. Auch ist das Risiko von oft festzustellenden weißlichen Verfärbungen auf intensiven Farbtönen, die auf zu frischen mineralischen Neuputzen auftreten können, mit geeigneten Grundierungen zumindest deutlich zu vermindern. Zum Beispiel bietet CapaGrund Universal von Caparol die Möglichkeit, diese durch Calciumhydroxid verursachte Erscheinungen auf mineralischen Putzen deutlich zu verringern. Bei üblichen Trocknungsbedingungen lassen sich Neuputze schon nach sieben Tagen Trocknung anstatt nach üblichen zwei bis vier Wochen überarbeiten.
Die richtige Beschichtung
Intensive und aufwendige Farbgestaltungen erfordern eine besondere Qualität der Beschichtung. Lange Haltbarkeiten, geringe Verschmutzungsneigungen und gute Farbtonstabilität sind der Garant, dass der hohe gestalterische Aufwand auch noch nach Jahren einen ansprechenden Eindruck hinterlässt. Gerade die neue Hybrid-Technologie „Nano-Quarz-Gitter – NQG“ ermöglicht saubere und farbtonstabile Fassadengestaltungen. Dabei werden keine speziellen, abwitternden Nanoteilchen eingesetzt, sondern ein besonderes Bindemittel ergibt eine feinstrukturierte Oberfläche im Nanomaßstab. Diese mineralisch-organische Bindemittelverbindung ermöglicht mineralharte Oberflächen, an denen sich Schmutzpartikel nicht anlagern können. Photokatalytisch wirkende Pigmentmischungen zersetzen im Sonnenlicht auch besonders hartnäckige Öl- und Fettablagerungen. Schmutz kann dabei durch einen geschlossenen Feuchtefilm abgespült werden.
Gerade die gleichmäßige Benetzung der Oberfläche bei Regen- oder Tauereignissen ergibt zusätzliche Vorteile. So trocknen diese Fassaden schneller ab. Das hat zusätzlich den Vorteil, dass sich die Lebensgrundlage für Algen und Pilze an Fassaden verschlechtert. Daneben werden Schmutzablagerungen gleichmäßiger abgespült, als dies bei sehr hochhydrophoben Beschichtungen der Fall ist. Die hochwertigen Bindemittel ergeben auch sehr farbtonstabile NQG-Produkte. So haben diese Silicat- und Siliconharzprodukte eine Kreidungsstabilität, die an Eigenschaften von Reinacrylaten heranreicht. Diese besonderen Bindemittel ermöglichen eine Einstufung der Farbtonstabilität in die Klasse A nach BFS-Merkblatt Nr. 26. Auch der Einsatz sehr hoch lichtbeständiger mineralischer Pigmente ergibt eine zusätzliche Sicherheit bei der Haltbarkeit der Farbtöne. Bei der Auswahl von Farbtönen eines Gestaltungsvorschlages sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass diese Töne der Klasse A1 nach BFS 26 zuzuordnen sind. So hat man die Gewissheit, dass sich die Fassadenfarbigkeit im Laufe der Zeit nur in einem sehr geringen Maße verändert.
Wichtig sind sicherlich auch die bauphysikalischen Werte einer Fassadenfarbe. Werte, die der Klasse V1bzw. W3 nach der gültigen Fassadennorm DIN EN 1062 zugeordnet werden können, gewährleisten einen optimalen Schutz. Die Kombination von ausreichendem Regenschutz, schneller Abtrocknung von Oberflächenfeuchte und eine ausreichende Diffusion bei von außen eindringender Feuchte sollte dabei dem Vorzug vor einem „besonders guten“ Einzelwert gegeben werden.
Algen und Pilze verhindern
Fassadenbeschichtungen, die einer natürlichen Feuchte oder einem hohen Infektionsdruck für Algen und Pilze ausgesetzt sind, können nach heutigem Stand nur durch entsprechend überprüfte und zugelassene Biozide vor einem zu schnellen Neubefall geschützt werden. Modernste Technologien, wie verkapselte Biozide in optimal darauf eingestellten Fassadenprodukten, ermöglichen nicht nur eine deutliche Reduzierung der einzusetzenden Biozide, sie ergeben auch eine geringere Auswaschung und damit längere Verfügbarkeit dieser Wirkstoffe.
So können viele Fassaden temporär über einen langen Zeitraum sicher geschützt werden, ohne die Umwelt zu gefährden. Nur Systeme mit entsprechend biozider Ausstattung gewährleisten den rechtlich zu erbringenden Erfolg des Handwerkers.
Fazit
Langanhaltend schöne Fassaden sind keine Utopie. Moderne Fassadensysteme ergeben farbtonstabile und saubere Fassaden. Dabei ermöglicht eine Kombination aus Oberputz und einer zusätzlichen Beschichtung mit einer hochwertigen Fassadenfarbe die bestmögliche Schutzwirkung. Langanhaltend schöne Fassaden und zufriedene Kunden sind dabei das Ergebnis einer qualitätsvollen Ausführung.
Die Feuchtigkeit vom Baukörper fernzuhalten, ist eine der wichtigsten Aufgaben einer Fassadenfarbe

praxisplus

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