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Streiflicht und glatte Wände - so wird das Ergebnis perfekt

Glatte Wände
Makellos schön

Lichtdurchflutete Räume mit glatten Wand- und Deckenflächen verlangen dem Maler einiges ab. Denn Streiflicht, das von Fensterflächen, aber auch von künstlichen Lichtquellen ausgehen kann, macht den kleinsten Makel in der Beschichtung auf Wand- und Deckenflächen sichtbar. Mit der richtigen Technik und mithilfe spezieller Anstrichstoffe lassen sich jedoch auch unter widrigen Bedingungen gute Ergebnisse erzielen.

Autorin: Susanne Sachsenmaier-Wahl

Glatte Wand- und Deckenflächen sind heute gefragter denn je. Wo einst quadratkilometerweise Raufaser oder Glasgewebe zum Einsatz kam, soll heute möglichst keine Struktur mehr zu sehen sein. Was Puristen lieben, wirft für den Maler aber häufig Probleme auf. Denn glatte Flächen in Kombination mit großen Fenstern, indirekter Beleuchtung oder Deckenflutern bringen selbst den kleinsten Makel – nicht nur im Untergrund, sondern auch in der Beschichtung selbst – im wahrsten Sinne des Wortes ans Licht. Dazu kommt noch, dass in der modernen Architektur gerne kräftige, dunkle Farbtöne eingesetzt werden. Befördert Streiflicht auf weißen Farbflächen schon viel Unerwünschtes zutage, so grenzt seitlich einfallendes Licht auf intensivfarbigen Flächen häufig an eine Katastrophe.

Glatt und – zumindest teilweise – intensivfarbig sollen Wände heute also nach Möglichkeit sein. Doch damit nicht genug: eine stumpfmatte Optik steht auf der Wunschliste der Bauherren für die Wandgestaltung ganz oben – und diese sollte nach Möglichkeit auch unter mechanischer Beanspruchung nicht zum Aufglänzen neigen. Gutes Deckvermögen und Nassabriebbeständigkeit sind ohnehin obligatorisch. Dabei ist ein hohes Deckvermögen bei einer stumpfmatten Farbe nicht ohne Weiteres zu erzielen. Denn normalerweise reduzieren grobe Füllstoffe, die für das matte Aussehen verantwortlich sind, das Deckvermögen der Farbe. Aufgrund der gröberen Füllstoffe neigen matte Anstrichstoffe außerdem eher zum Verschmutzen. Dennoch werden auf dem Markt einige stumpfmatte Produkte angeboten, die nicht nur hochdeckend sind, sondern die auch über eine geringe Verschmutzungsneigung bzw. eine hohe Reinigungsfähigkeit verfügen. Man kann sich also leicht vorstellen, dass die Entwickler in den Labors der Farbenhersteller an allen Stellschrauben der Rezepturen drehen mussten, um wirklich brauchbare Produkte auf den Markt zu bringen.

Mit langen Offenzeiten gegen Ansätze trotz Streiflicht

Da ein zu schnelles Antrocknen der Beschichtung dafür verantwortlich gemacht wird, dass die einzelnen aufgerollten Beschichtungsbahnen nicht homogen ineinander verlaufen und somit streifen- und ansatzfrei auftrocknen können, wurde bei den Anstrichstoffen insbesondere die Offenzeit verlängert. Eine lange Offenzeit sorgt auch dafür, dass beim Rollauftrag die Rollenstruktur so gering wie möglich gehalten wird. Dem Material bleibt mehr Zeit, sich zu „entspannen“, Strukturen können verlaufen.

Die meisten Hersteller setzen beim Bindemittel auf Dispersionsbindemittel (z. B. „Superlux ELF 3000“ von Brillux, „Euro Smart SL“ von Dinova oder „StoColor Rapid Ultramatt“ von Sto), da Dispersionen nicht nur auf vielfältigen Untergründen einsetzbar sind, sondern auch eine enorme Bandbreite an Farbtönen zulassen. Einigen Dispersionen sind Siliconharze beigemischt (so z. B. bei „CapaSilan“ von Caparol, „Objekt MattPro“ von Dinova, „Lucite PureFinish“ von Dörken Coatings, „ProfiTec P 131“ von Meffert oder „R1 Pro“ von Relius). Der Siliconharzanteil verlängert die offene Zeit der Farbe. Die streiflichtgeeigneten Dispersions-/Siliconharzfarben versprechen eine hohe Deckkraft – alle oben genannten Produkte gehören der Klasse 1 an – und sind „scheuerbeständig“ (Nassabriebklasse 1 oder 2). Daneben sind die Farben selbstverständlich emissionsminimiert, lösemittel- und weichmacherfrei und weisen eine hohe Wasserdampfdiffusionsfähigkeit auf. Die guten Verlaufseigenschaften der Farben bedingen auch ihre Verarbeitungsfähigkeit: sie lassen sich leicht applizieren und erlauben – nach einem zweimaligen Auftrag – die partielle ansatzfreie Ausbesserung.

Das richtige Bindemittel für streiflichtgeeignete Innenfarbe

Andere Hersteller verwenden eigene Bindemittelmischungen. Bei Herbol etwa sind die Farben „Polarit Power“ und „Zenit Hydromatt Power“ mit „EBS“ (Emulgiertes Bindemittel-System) ausgestattet. Das neue Bindemittel soll nicht nur ein ansatzfreies Arbeiten auf großen Flächen mit Streiflicht ermöglichen, sondern den Farben in vielen Fällen auch ohne spezielle Grundierung eine optimale Haftfestigkeit auf Putzen und anderen mineralischen Untergründen verleihen.

Für die stumpfmatte Innenbeschichtung „Lucite Flowcoat 2.0“ von Dörken Coatings kommt ein Hybridbindemittel zum Einsatz. Hybridbindemittel vereinen organische und anorganische Komponenten. Die Silizium-Carbonfasertechnologie in „Lucite Flowcoat 2.0“ mache die Beschichtung zusätzlich äußerst resistent gegen mechanische Belastungen und das Eindringen von Schmutzpartikeln. Der Hersteller empfiehlt das Produkt deshalb insbesondere für die hochwertige Beschichtung von Wand- und Deckenflächen mit erhöhter Verschmutzungsneigung, wie z. B. in Gewerbe- und Bürogebäuden, in Schulen oder Sportstätten.

Bei Sto will man sich mit zwei Bindemittelkomponenten nicht zufriedengeben. Für die streiflichtgeeignete Innenfarbe „StoColor Supermatt“ setzt man in Stühlingen auf ein dreikomponentiges Bindemittel aus Kieselsol, Siliconharz und Dispersion. Wie in den Siliconharzinnenfarben sorgt der Siliconharzanteil für die verlängerte Offenzeit, verbessert also den Verlauf. Der Dispersionsanteil sorgt für gute Tönbarkeit und Haftung. Durch das Kieselsol wird die Farbe robust, laut Hersteller ist der Anstrich sogar mit Flächendesinfektionsmitteln bearbeitbar. Das Kieselsol ist außerdem für das matte Erscheinungsbild verantwortlich. Kieselsol enthält kugelförmige, milchige bis transparente Partikel aus Siliciumdioxid. Beim Trocknen bildet Kieselsol eine mikroporöse Matrix. Da die Alkalität von Kieselsolfarben reduziert ist, können sie – anders als reine Silikatfarben – auch problemlos auf Mischuntergründen eingesetzt werden.

Ebenmäßige Ergebnisse stotz Streiflicht

Trotz erstklassiger Anstrichstoffe kommt auch der Applikationsmethode eine bedeutende Rolle zu. Um Ansätze, besonders bei treiflicht, zu vermeiden, sollte möglichst nass in nass gearbeitet werden. Darauf weisen die meisten Hersteller in ihren Merkblättern hin. Idealerweise beschichtet man große Flächen im nebelarmen Airless-Spritzverfahren. Die frisch aufgespritzte Farbe sollte sofort abgerollt werden, um ein ebenmäßiges Erscheinungsbild zu gewährleisten. Bei kleineren Flächen greifen die meisten Handwerker dagegen zu Pinsel und Rolle. Die mit dem Pinsel (vor-)gestrichenen Stellen sollten gut verschlichtet und die Fläche abschließend in eine Richtung abgerollt werden. Der Rolle kommt bei der manuellen Applikation eine große Bedeutung zu. Generell empfiehlt sich der Einsatz einer mittelflorigen Rolle, die nicht zu Materialansammlung im Randbereich neigt (z. B. „Rotacryl 18“ von Rotaplast).

Einige Hersteller bieten zu den streiflichtunempfindlichen Farben eigene Farbroller an. So empfiehlt beispielsweise Brillux die „Polyamid-Farbwalze 1314“ aus dem eigenen Sortiment, Sto hält für seine Kunden den „FineCoat-Roller“ bereit. Beide Farbwalzen bestehen aus einem Endlosgarn und nehmen die Farbe besonders gut auf, „speichern sie in kleinen Depots, wie Sto sagt, und geben sie über einen längeren Zeitraum gleichmäßig verteilt wieder ab. Brillux betont außerdem, dass die Walze bereits im Neuzustand nahezu fusselfrei sei. Und dass Fussel die perfekteste Oberfläche zunichte machen können, ist vermutlich jedem Maler ausreichend bekannt.

Unkomplizierte Verarbeitbarkeit für Anstriche ohne Unregelmäßigkeiten

Eine spezielle Rolle hält man bei PPG Coatings dagegen für überflüssig. Die Reinacrylatfarbe „Sigma Expert“ könne mit einer Standardrolle appliziert werden. Auch könne der die Farbe rollen wie er möchte: egal, ob von links nach rechts, von unten nach oben, strukturierter oder feiner – die Verarbeitung gelinge immer. Ein unregelmäßiges Nass-Anstrichbild, habe keinen Einfluss auf das Ergebnis.

ein unterhaltsames Video hierzu:

 
Der Grund für die unkomplizierte Verarbeitbarkeit liege in der sämigen, lackähnlichen Konsistenz begründet. Die Farbe, so ist sich der Hersteller sicher, verfüge über eine ganz andere Rheologie als herkömmliche Produkte. Dank der „Smooth Layer-Technologie“ („Smooth Layer“ bedeutet soviel wie „glatte Schicht“), die auf einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Bindemittel, Pigmenten, Füllstoffen und Additiven basiert, sei die Farbe geschmeidiger und „verschmelze“ in allen Überlappungsbereichen und über die gesamte Fläche. So entstehe eine supermatte Anstrichfläche ohne Streifen, Ansätze und Unregelmäßigkeiten.



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