Effizienter & sicherer

Malermeisterin Nicole Ulsch entwickelte für das Malerhandwerk ein vielseitiges und flexibles Taschensystem.

Ulrich Schweizer

Dass sie eine Lehre als Malerin machen wollte, das war für Nicole Ulsch schnell klar, nachdem sie am Tag der offenen Tür eine Berufsschule besuchte: „Ich wusste sofort: das ist’s!“ Nach Abschluss der Lehre und der Zeit als Gesellin wollte die junge Malerin noch eine Meisterausbildung draufsetzen. An der Schule in Stuttgart-Feuerbach erarbeitete sie sich den Meisterbrief. Und im Jahr 2010 schließlich machte sie sich als Maler- und Lackierermeisterin im schwäbischen Abtsgmünd-Pommertsweiler selbstständig.
Vor der Selbstständigkeit lag noch eine wichtige berufliche Station: Nicole Ulsch arbeitete als Ausbilderin für Malerhelfer im Berufsausbildungswerk Aalen und bildete sich weiter zur Heilerziehungspflegerin. Im Umgang mit den Jugendlichen und auch im Baustellen-Alltag wurde ihr schnell klar, wie wichtig die Ordnung ist, auch die schnelle Verfügbarkeit der Hilfsmittel, um den Arbeitsablauf zu optimieren: „Ich sah eben, dass die Werkzeuge, die man bei bestimmten Arbeiten regelmäßig benötigt, irgendwo auf dem Boden herumlagen. Das war allerdings nicht nur bei den andern so. Ich bemerkte das auch bei mir selber an meiner Arbeitsweise: die Werkzeuge, die ich für den nächsten Arbeitsschritt gebraucht hätte, waren nicht in unmittel-barer Greifnähe. Das ärgerte mich.“
Ärgernis
Und so versuchte die junge Malermeisterin mithilfe von geeigneter Maler-Berufskleidung, die Situation zu verbessern. Weil sie in der hochwertigen Innengestaltung bei Privatkunden oft tapezierte und oft ein Cuttermesser mit Abbrechklingen benützte, kam jede Malerbekleidung schnell an ihre Grenzen, weil weder Tapezierbürste noch das Messer untergebracht werden konnten – die anderen Werkzeuge ebenfalls nicht, weil die in der Hocke oder auf der Leiter nach Gebrauch nicht mehr gut zurück in die vorgesehene Tasche zurückgesteckt werden konnten.
Das hieß nichts anderes, als dass der häufige Werkzeug- und Materialwechsel bei Tapezier- und Klebebandarbeiten mit einem hohen Zeitaufwand verbunden war: „Es war nervig, da gängige Arbeitshosen zu wenig Aufnahmemöglichkeiten für das entsprechende Werkzeug bieten. Und: die Taschen müssen teilweise mit der zweiten Hand aufgehalten werden, damit das Werkzeug in die Tasche gleiten kann, weil die bestehenden Taschen einfach zu klein sind. Im Knien oder in der Hocke kann das Werkzeug nur schwer aus der Hose entnommen werden – und um das Werkzeug wieder einzustecken, muss meist aufgestanden werden. Außerdem drückt und kneift das Werkzeug in den Oberschenkel.“
Problem-Lösung
Weil das Suchen, Bücken, Aufstehen Zeit und Kraft kostet, dient in vielen Betrieben der Auszubildende als „Werkzeughalter“. So einen Lehrling hatte Nicole Ulsch als „One-Woman-Show“ aber nicht. Immer wieder dachte sie über die Schritte nach, die für die einzelnen Tätigkeiten nötig waren – und hatte irgendwann einmal den entscheidenden Einfall: „Ich wollte meine Arbeitsabläufe unbedingt effizienter, auch sicherer und gesundheitsschonender gestalten. Das Ergebnis war ein passgenau gefertigtes, flexibel austauschbares Taschensystem, das höhenverstellbar und zudem waschbar ist.“ Ein Prototyp wurde für jedes regelmäßig benötigte Werkzeug hergestellt und ab da gehörte anstrengendes, zeitraubendes und unfallträchtiges Suchen und Bücken nach Werkzeug der Vergangenheit an: „So erreichten wir einen erhöhten Gesundheitsschutz, die Reduzierung der Unfallgefahren, mehr Ordnung und Sauberkeit am Arbeitsplatz und dadurch insgesamt ein viel professionelleres Auftreten.“
Flexibilität
Das „aus der Not heraus“ erdachte und perfekt weiterentwickelte Taschensystem ist passgenau und flexibel austauschbar. Über dieses System, das inzwischen den Namen „PC Practica Cingulis“ trägt, ist auf der Website von Nicole Ulsch folgende Beschreibung zu finden: „Befestigt werden können die waschbaren, höhenverstellbaren und auf die Armlänge des Nutzers einstellbaren und flexibel kombinierbaren Werkzeugtaschen mit Klettschlaufen und Steckverschluss an einem handelsüblichen Gürtel. So hat jedes Werkzeug und jedes Klebeband seine passgenaue Tasche, die dank eingearbeiteter Verstärkung in jeder Position – auch in gebückter oder kniender Haltung – offen und senkrecht stehen bleibt. Eine Besonderheit bietet die innovative Cuttermessertasche. Dank ihrer rückseitigen Wandung werden die Abbrechklingen in der Tasche abgebrochen, gesammelt und später über den zu öffnenden Taschenboden sauber entsorgt.“
Abrundung
Nicole Ulsch wäre nicht die schwäbische Tüftlerin und Erfinderin eines genialen Taschensystems, wenn sie sich nicht auch noch für den Transport und für die Reinigung der Taschen etwas einfallen lassen hätte. So konzipierte sie eigens für die Werkzeugtaschen, sozusagen als Sortiments-Abrundung, einen Rucksack, mit dessen Hilfe die Taschen alle zusammen transportiert werden können. Besagter Rucksack dient gleichzeitig als Wäschebeutel, der mitsamt den einzelnen Taschen bei 30 Grad in der Waschmaschine gewaschen werden kann. Der Rucksack und Waschbeutel sorgt dafür, dass Wäscheteile in der Waschmaschine keinen Schaden nehmen.
Ihre „Innovation vom Handwerk fürs Handwerk“ präsentierte Nicole Ulsch auf der Erfindermesse iENA in Nürnberg und bekam dort großen Zuspruch. Noch mehr Aufmerksamkeit gab es auf der IHM 2015 in München. Dort war Nicole Ulsch Ausstellerin in der Sonderschau „Innovation gewinnt“. Interviews zu ihrer Entwicklung gab sie am Stand des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und am Stand der Handwerkskammer Oberbayern München. „Die Resonanz seitens der Handwerker war riesengroß.“ Mitarbeiter wie auch Chefs von Malerbetrieben, anderen Gewerken sowie Malergroßhändlern zeigten sich begeistert. Es sieht so aus als ob dieses Taschensystem eine völlig neue Arbeitsweise auf der Baustelle ermöglicht.
Ich wollte meine Arbeitsabläufe effizienter und sicherer gestalten.

PRAXISPLUS

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WohnArt Malermeisterin Nicole Ulsch Lange Straße 59 73453 Abtsgmünd-Pommertsweiler Tel.: (07963) 841354/Fax: 8410694 Mobil: (01578) 308 60000