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Entweder oder

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Entweder oder

Ein neues Innendämmsystem lässt dem Verbraucher die freie Wahl: er kann sich für eine mineralische oder einer EPS-basierte Dämmplatte entscheiden. Daneben bietet es eine Reihe an durchdachten Details.

Susanne Sachsenmaier-Wahl

Kapillaraktiv ist das Innendämmsystem immer – egal, für welche Platte man sich entscheidet. Auf dampfdichte Anschlüsse oder Dampfbremsfolien, die bei sorgfältiger Verarbeitung zwar sehr gut funktionieren, bei unsachgemäßer Ausführung oder Beschädigungen aber ein großes Schadensrisiko bergen, kann also verzichtet werden. Beide Plattenwerkstoffe sind in der Lage, Feuchtigkeit aus der Raumluft aufzunehmen und über kapillaraktive Transportmechanismen so zu verteilen, dass es zu keiner kritischen Auffeuchtung des Bauteils kommt.
Beim System, das auf EPS basiert, darf der Feuchtestrom bis hinter die Dämmschicht diffundieren, wo es zu einer leichten Auffeuchtung kommt. Das anfallende Kondensat trifft auf eine kapillar hoch leitfähige Funktionsbeschichtung, die sich auf der Rückseite der Dämmplatten befindet. Diese sorgt dafür, dass sich die Feuchtigkeit sofort großflächig verteilt. Durch angekoppelte, kapillar ebenfalls hoch leitfähige Funktionslamellen, die in die Dämmung integriert sind, wird sie anschließend umgeleitet. Der Effekt: Auf ihrem Weg zurück in den Raum verdunstet die Feuchte, ohne die Innenwandoberfläche wieder zu erreichen. Bei den mineralischen Dämmplatten, die als ökologische Alternative angeboten werden, erfolgt der Feuchteabtransport über die Materialstruktur, also über die Stege der eingeschlossenen Luftporen.
Welche darf’s denn sein?
Hinsichtlich des Wärmedämmvermö-gens ist die EPS-basierte Platte der mineralischen weit überlegen. Ihr Lambda-Wert liegt bei 0,035 W/mK und damit deutlich unter dem der mineralischen Platte, die einen für mineralische Dämmplatten üblichen Lambda-Wert von 0,42 W/mK aufweist. Die mineralische Platte punktet aber nicht nur durch ihre durch und durch ökologische Zusammensetzung – sie besteht aus Quarzsand, Kalk und Zement und wurde vom Institut für Baubiologie Rosenheim (IBR) als bau-biologisch vorbildliches Produkt eingestuft –, sondern auch durch ihre Unbrennbarkeit. Sie gehört der Brandklasse A1 (nicht brennbar) an und eignet sich daher auch besonders für den Einsatz bei Flucht- und Rettungswegen, etwa in Treppenhäusern von Wohnanlagen oder in öffentlichen Gebäuden. Für Ein- oder Zweifamilienhäuser, in Eigentumswohnungen oder privaten Mietwohnungen dürfte dagegen die EPS-basierte Platte die erste Wahl sein.
Aufeinander abgestimmt
Für beide Platten kommt derselbe mineralische Klebe- und Armierungsmörtel zum Einsatz. Dieser zeichnet sich nicht nur durch seine hohe Wasserdampfdurchlässigkeit und seine gute Haftung aus (was auf Altuntergründen von großer Bedeutung ist), sondern bietet durch seine Faservergütung auch eine hohe Risssicherheit. Auf tragfähigen Untergründen lassen sich die Platten mit dem Mörtel ohne Bohren und Dübeln montieren, vollflächiges Verkleben genügt. Zum Armieren wird in den Mörtel ein reißfestes, alkalibeständiges Gewebe mit 10 Zentimetern Überlappung eingearbeitet.
Passende Leibungsdämmplatten sind sowohl für das mineralische als auch das EPS-basierte Innendämmsystem erhältlich. Diese werden entlang der Fenster- und Türenleibungen angebracht, um Wärmebrücken vorzubeugen. Da jede Innendämmung in der Außenwand zu einem geringeren Temperaturniveau führt, stellt sich auch eine geringere Oberflächentemperatur in den Leibungsbereichen der Außenwand ein. Blieben diese Bereiche ungedämmt, wären Oberflächenkondensation und Schimmelbildung in den Leibungen mögliche Folgen. Die speziellen Leibungsplatten sind schlank (die mineralische Variante misst 2,3, die EPS-basierte sogar nur 1,2 Zentimeter) und erleichtern dadurch die Arbeit in diesen Bereichen.
Zur schalltechnischen Trennung der Dämmplatten vom Fußboden werden Entkopplungsstreifen aus Hanf-Filz angeboten; aufgefasert lässt sich damit durch hohlraumfreies Ausstopfen ein fachgerechter Anschluss an Holzbalken ausbilden.
Ums Eck gedacht
Eine Innendämmung kann Wärmebrücken nur bedingt verhindern, da in die Konstruktion eingebundene Bauteile, wie beispielsweise Trennwände oder Decken trotz der Dämmung mit der kalten Außenwand verbunden bleiben. Deshalb werden, um die Wärmebrücken so gering wie möglich zu halten, Flankendämmungen eingesetzt. Heiko Riggert, Produktmanager Innendämmung bei Caparol, dem Unternehmen, das das neue Innendämmsystem anbietet, ist sich dieser Tatsache bewusst: „Wärmebrücken an einbindenden Wänden und Decken sind besonders zu beachten. Bislang boten die optisch auffälligen Flankendämmstreifen oder Dämmkeile die einzige Möglichkeit, diese zu entschärfen.“ Bei einem Flankendämmstreifen wird die Dämmung etwa 50 Zentimeter entlang der Wand oder der Decke in den Raum geführt. Dadurch entsteht jedoch ein Versatz, der nicht immer erwünscht ist. Die meisten Hersteller bieten daher Dämmkeile an, die die Dämmung zum Raum hin optisch „auslaufen“ lassen. Sichtbar und nicht für jeden Geschmack ästhetisch bleibt aber auch diese Lösung. Caparol geht bei seinem Innendämmsystem deshalb einen ganz neuen Weg. Am Übergang von Außenwand zu einbindender Innenwand bzw. Zimmerdecke wird ein sogenannter Thermowinkel unsichtbar verbaut. Heiko Riggert: „Wird der Thermowinkel in den Bestandsinnenputz der flankierenden Bauteile eingesetzt und an die Innendämmung angeschlossen, kann für viele Anwendungssituationen auf eine Flankendämmung verzichtet werden.“ Bei diesem Thermowinkel handelt es sich um einen gelochten Aluminiumwinkel mit angeklebtem Armierungsgewebe, der auf einen Dämmstreifen kaschiert ist. Das Funktionsprinzip ist in der guten Wärmeleitung des Aluminiums begründet und kann vereinfacht so erklärt werden: Die Innendämmung bewirkt eine Erhöhung der Oberflächentemperatur der Außenwand um mehrere Grad Celsius. Der Aluminiumwinkel nimmt die höhere Temperatur an und transportiert die Wärmemenge um die Ecke. Dabei erwärmt sich auch die Oberfläche der Innenwand. Damit aber nicht zu viel Wärmeenergie in das einbindende Bauteil abfließt, ist der Metallwinkel wandseitig mit einem Dämmstoffstreifen hinterlegt. Die kälteste Stelle befindet sich folglich nicht mehr in der Ecke, sondern am Ende des Metallwinkels auf der einbindenden Wand. Da dort mit einer höheren Luftbewegung als in der Ecke zu rechnen ist, führt dies in der Praxis zu einer schnelleren Erwärmung der kältesten Stelle durch die Raumluft. Die Gefahr der Schimmelbildung ist damit reduziert.
Damit der Thermowinkel bündig und damit unsichtbar in die einbindende Wand eingearbeitet werden kann, wird der Altputz in diesem Bereich entfernt. Dann wird der Thermowinkel im sogenannten Buttering-Floating-Verfahren verklebt, d.h. der Klebemörtel wird sowohl im Mauerschlitz vorgelegt als auch rückseitig auf den Dämmstreifen aufgetragen. Alternativ kann der Thermowinkel auch auf den vorhandenen Putz geklebt werden. Der Absatz beträgt dann etwa einen Zentimeter, der anschließend beigeputzt werden kann.
Da es auch Situationen gibt, in denen ein Dämmkeil nicht als störend empfunden wird – z.B. wenn Räume überwiegend nicht zu Wohnzwecken genutzt werden – wird das Innendämmsystem durch einen alternativ einzubauenden Mineraldämmkeil komplettiert.
Bis ins kleinste Detail
Zwar wird dem Transmissionswärmeverlust im Installationsbereich von Steckdosen eine eher geringe Bedeutung zugeschrieben, so ist er dennoch nicht ganz wegzudiskutieren. Bei Caparol hat man deshalb auch diesem Detail Aufmerksamkeit geschenkt. Bei einem vorgedämmten Elektroquader, der als Einfach- oder Doppelsteckdose sowie als Lampenträger erhältlich ist, sind Dämmmaterial und Installationsmaterial gebrauchsfertig miteinander verbunden. Der Quader kann zeitsparend im Zuge der Dämmarbeiten vollflächig als Systembaustein verklebt werden. Die Mindestdämmstärke für den Einbau beträgt 60 Millimeter, die maximale Dämmstärke liegt bei 120 Millimetern. Da- zwischen kann der Quader individuell auf die gewünschte Dicke gekürzt werden.
Perfekte, zweite Wahl
Da die energetische Sanierung immer stärker in den Fokus rückt und längst auch Gebäude energetisch aufgerüstet werden sollen, bei denen eine außenseitige Dämmung nicht möglich ist, habe man sich bei Caparol für die Entwicklung eines Innendämmsystems entschieden. Dennoch ist für Heiko Riggert klar: „Wann immer die Applizierung eines WDVS möglich ist, sollte das auch geschehen. Wärmebrücken werden so weitestgehend vermieden. Nun gibt es aber Anwendungsfälle, in denen die Innendämmung oft die einzige Lösung zur energetischen Sanierung ist.“ Das bis ins Detail durchdachte Innendämmsystem vermittelt den Eindruck, dass diese Fälle auch zufriedenstellend ausgeführt werden können. Bleibt nur noch die Frage, warum Caparol so viele Jahre den durchaus attraktiven Markt der Innendämmung anderen Herstellern überlassen hat. Auch darauf hat der Caparol-Produktmanager eine Antwort parat: „Natürlich gibt es schon etliche Innendämmungen auf dem Markt. Dass wir unsere Idee erst heute präsentieren, liegt an unserem Qualitätsanspruch: Für unsere Handwerkskunden wollten wir von Anfang an eine praxisgerechte Innendämmung entwickeln, die sich problemlos verarbeiten lässt und über die gewünschten Energieeinspareffekte sowie eine deutliche Steigerung des Wohnkomforts hinaus mit einem besonders hohen Maß an Funktionssicherheit aufwartet.“ Ob die Handwerker diesen hohen Anspruch auch zu schätzen wissen, wird sich zeigen.
Wird der Thermowinkel eingesetzt, kann für viele Anwendungssituationen auf eine Flankendämmung verzichtet werden.

Praxisplus

Das Innendämmsystem von Caparol trägt in Verbindung mit der EPS-basierten Dämmplatte die Bezeichnung „IDS Aktiv“, als mineralische Variante heißt es „IDS Mineral“. Ausführliche Informationen enthält die Broschüre „Capatect Innendämmsysteme – Einfach. Effektiv. Elefantenschlau“, die beim werbemittelservice@caparol.de (Bestell-Nr. 885473) erhältlich ist.
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