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Tadelakttechnik: Von Marokko inspiriert

Tadelakt
Von Marokko inspiriert

Einzigartige, fugenlose Oberflächen bietet die Tadelakt-Technik, mit der sich David Pitz für seine Abschlussarbeit zum staatlich geprüften Gestalter an der Schule für Farbe und Gestaltung in Stuttgart beschäftigte. Hier zeigt er, wie in dieser faszinierenden Technik eine Waschschüssel entsteht.

Autor | Fotos: David Pitz

Seinen Ursprung nahm der Tadelakt wohl in Marokko. Die Kalkpresstechnik diente anfangs zur Abdichtung von Zisternen, später wurde sie für hochwertige Oberflächen auch in Dampfbädern und in den Palästen der damaligen Herrscher angewendet.

Das Ausgangsmaterial des marokkanischen Tadelakts ist ein Kalkstein, der in traditioneller Weise in der Umgebung um Marrakesch abgebaut wird. Er wird gebrannt und es entsteht ein Gemisch aus 95 Prozent gebranntem Kalk sowie aus fünf Prozent Sand, Lehm und Asche. Diese Anteile können sich bei jedem Brennvorgang geringfügig verändern.

Die Aushärtung

Die Aushärtung des Materials beruht auf zwei Reaktionen: zum einen durch die Aufnahme und Bindung von Kohlendioxid in Anwesenheit von Feuchtigkeit aus der Luft, der Carbonatisierung. Die geringen Mengenanteile von Ton- und Quarzsand im Material bewirken die zweite Reaktion, eine hydraulische Erhärtung. Diese beschleunigt den Erhärtungsvorgang und führt zu einer höheren Festigkeit. Durch die abschließende Bearbeitung mit der traditionellen schwarzen Seife (savon noir) bekommt der Tadelakt seine samtig schimmernde Oberfläche, die ihn so einzigartig macht.

Die Seife für den Tadelakt

Die abschließende Behandlung mit Olivenseife ist nicht nur für den samtigen Oberflächenglanz verantwortlich, sie verändert auch die Eigenschaften des Putzes. Beim Polieren wird die Tadelaktfläche immer wieder mit Seife beschichtet, wobei diese in die tieferen Schichten des Putzes eindringt. Der Kalkanteil des Tadelakts reagiert dabei mit der Seife und es entsteht eine hydrophobe wasserundurchlässige Schicht. Deshalb kann der Tadelakt in Duschen, Waschbecken, Böden und Wänden angewendet werden und ist durch seine Alkalität zusätzlich gegen Schimmel beständig.

Auch durch steigendes Interesse an einem gesunden Wohnklima und fugenlosen Bädern ist der Tadelakt zu einem beliebten Gestaltungsmittel geworden.

Untergründe

Ein geeigneter Untergrund muss tragfähig, fest, stabil, rissfrei, trocken und staubfrei sein. Neben den Lehmputzen eignen sich auch Beton, verputztes Mauerwerk, Zementputze und Kalkputze als Untergrund. Beim Auftrag auf Gasbetonsteinen, Gipskartonplatten oder auf Ton ist eine Vorbereitung mit einem Haftvermittler nötig.

Scharfe Kanten und Ecken müssen abgerundet werden, da sonst durch den Druck beim Verpressen und Polieren die Kanten abbrechen.

Verarbeitungshinweis

Der Tadelaktputz darf nicht unter fünf Grad Celsius verarbeitet werden. Außerdem sollte bei geschlossenen Fenstern gearbeitet werden, um Zugluft zu vermeiden. Des Weiteren muss man darauf achten, dass der Putz vor Sonneneinstrahlung geschützt ist. Die Wärmeentwicklung auf dem Putz kann den Trocknungsprozesses des Tadelakts unerwünscht beschleunigen. Damit am nächsten Tag weitergearbeitet werden kann, werden Tadelaktoberflächen abends mit der Seife eingesprüht und mit einer Folie abgehängt, um die Austrocknung zu verringern.

Für einen Tadelaktputz gelten keine Normen. Jeder Verarbeiter entwickelt so eine eigene Handschrift.

Einsumpfprozess Tadelakt

Einen Tag vor der Verarbeitung muss der Tadelakt eingesumpft werden. Durch eine längere Einsumpfzeit – von bis zu zwei Tagen – wird das Material sämiger und lässt sich besser verarbeiten. Bei gleichzeitiger Zugabe und Durchmischung mit Pigmenten entsteht ein homogen durchgefärbter Putz.

Der eingesumpfte Tadelakt sollte mit einer Folie luftdicht verschlossen werden, um das Austrocknen zu vermeiden. Vor der erneuten Verarbeitung muss der Tadelakt nochmals gut umgerührt werden. Auch bei längeren Pausen während der Verarbeitung sollte das Material abgedeckt bzw. der Eimer verschlossen werden, da der Putz sehr schnell austrocknet.

Haarrisse und größere Risse

Auf der Oberfläche des Tadelakts kann es zur Bildung von Haarrissen kommen. Da das feine Rissbild dekorativ wirkt und es nicht unbedingt ein Verarbeitungsfehler sein muss, wird es im Allgemeinen nicht als Fehler betrachtet. Wichtig ist es deshalb, den Kunden im Vorfeld darüber aufzuklären.

Risse entstehen hauptsächlich durch das Verpressen und Polieren oder durch eine zu schnelle Trocknung. Das Rissbild lässt sich durch das mehrfache Bearbeiten mit Seife und das Polieren mit dem Polierstein eindämmen. Der dabei entstehende Putzschlamm kann verwendet werden, um die Haarrisse zu schließen. Feine Haarrisse beeinflussen die Wasserdurchlässigkeit und die Lebensdauer des Tadelakts nicht und können durch Rekristallisation ausheilen.

Durch fehlerhafte Verarbeitung können im Gegensatz zu feinen Haarrissen auch größere Risse entstehen. Diese beeinflussen die Haltbarkeit des Tadelakts. Ursachen dafür können sein: Falsch eingestelltes Material (Wasser oder Bindemittelanteil), zu dicke Putzschichten, zu starkes Verpressen sowie unzureichende Untergrundbeschaffenheit.

Farbtöne und Pigmente

Das Tadelaktpulver hat im Originalfarbton einen hellgrauen bis beigen Farbton. Durch Zumischen kalkechter Pigmente kann der Farbton verändert werden, allerdings ist auf ein exakt vorgegebenes Mischungsverhältnis zu achten. Die Pigmente müssen eine gute Kalkbeständigkeit aufweisen und können das Polierverhalten des Putzes erheblich beeinflussen.

Es gilt außerdem darauf zu achten, dass die Pigmente in Bezug auf Licht- und Wetterbeständigkeit richtig gewählt werden. Auch sollte die kritische Pigmentmenge von zehn Prozent im Verhältnis zur Tadelaktmenge nicht überschritten werden.


Foto: David Pitz

Nach zwei bis drei Wochen ist die Schale so ausgehärtet, das Siphon und Abfluss montiert werden können.


Foto: David Pitz

Als Grundform dient eine Tonschale mit abgerundeten Kanten, die zur Haftung der folgenden Spachtelung mit Betonkontakt eingestrichen wird.


Foto: David Pitz

Mehrere Aufträge einer Kalkhaftbrücke als Grundputz sorgen für einen gleichmäßig saugenden Untergrund und eine einheitliche Oberfläche.


Foto: David Pitz

Nachdem die Schale getrocknet ist, wird sie mit Wasser vorgenässt, um eine zu schnelle Trocknung des Tadelaktes zu verhindern.


Foto: David Pitz

Direkt nach dem Vornässen wird die erste Schicht Tadelakt gespachtelt. Auf der Innenseite wurde ein selbst zugeschnittener Spachtel verwendet.


Foto: David Pitz

Abreiben des Tadelakts mit einem Holzbrett auf der Außenseite und einem fast trockenen Schwamm auf der Innenseite.


Foto: David Pitz

Auftrag der zweiten Lage nach Trocknung (ca. 1 h) der ersten Schicht. Danach wird außen wie innen wieder abgerieben.


Foto: David Pitz

Eine weitere Lage Tadelakt kann nach ungefähr zwei Stunden aufgetragen werden. Die vorherige Lage muss trocken sein.


Tadelakt Foto: David Pitz
Tadelakt Foto: David Pitz

Je nach Trocknung kann nach ungefähr einer Stunde der Tadelakt außen mit einer Stahltraufel und innen mit Stuckeisen und Löffel geglättet werden.


Foto: David Pitz

So sieht die Tadelaktschale nach den ersten Arbeitsschritten aus.


Foto: David Pitz

Mit Seife besprüht und in Folie luftdicht eingepackt kann die Schale auf die Weiterbearbeitung am nächsten Tag warten.


Foto: David Pitz

Über Nacht ist der Putz angezogen. Die Oberfläche sollte man zunächst wieder mit etwas Seife besprühen.


Tadelakt Foto: David Pitz

Nach dem Besprühen mit Seife kann mit dem Löffel geglättet und so Riefen und Unebenheiten entfernt und Poren geschlossen werden.


Tadelakt Foto: David Pitz

Um alle offenen Poren zu schließen, wird der Tadelakt auf der Außenseite weiter mit einer Kunststoff-Traufel (Shiage-Gote) abgeglättet.


Tadelakt Foto: David Pitz

Nun kann langsam und vorsichtig -hier auf der Außenseite – bspw. mit einem Achat poliert werden.


Tadelakt Foto: David Pitz

Nach jedem Poliervorgang wird die Fläche mit Seife besprüht und mit Folie abgedeckt. Wichtig ist ein langsamer Trocknungsvorgang.


Tadelakt Foto: David Pitz

Auch auf der Innenseite kann mit einem Achat poliert werden. Ich achte darauf, noch mit leichtem Druck zu polieren.


Foto: David Pitz

Jetzt wird mit stärkerem Druck poliert, die Fläche verdichtet sich und bekommt einen schönen Glanz. Dies begünstigt das Abperlen des Wassers.


Tadelakt Foto: David Pitz

Nach mehrmaligem Polieren muss die Schale jetzt völlig austrocknen, damit sie ihren endgültigen Farbton erhält.


Tadelakt Foto: David Pitz

Jetzt ist das Waschbecken einsatzbereit.

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