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Untergrundprüfung mit Prüfkoffer

Untergrundprüfung mit Prüfkoffer
Hand auflegen genügt nicht!

Eine umfassende Untergrundprüfung beinhaltet viele Aspekte: Es geht um das Erkennen von Untergründen, die Identifizierung von Ausblühungen oder Flecken, die Festigkeit von Beton, um Pilze oder Algen sowie den Zustand und die Haftfestigkeit von Altanstrichen. Mit diesem Interview über die Notwendigkeit der Untergrundprüfung im Vorfeld von Sanierungsarbeiten startet eine neue Malerblatt Ausbildungsserie, die die verschiedenen Prüfungen vorstellt.

Autorin: Susanne Wierse | Fotos: Caparol

Es hält – es hält nicht: Wer die Untergrundprüfung vor anschließenden Sanierungsarbeiten vernachlässigt, begibt sich nicht nur finanziell, sondern auch rechtlich auf dünnes Eis. Warum eine genaue Untergrundprüfung so wichtig ist und welche nützliche Hilfe dabei der Untersuchungskoffer von Caparol leisten kann, darüber sprachen wir mit dem technischen Leiter der Caparol Anwendungstechnik Franz Xaver Neuer und dem Geschäftsführer Jörg Held vom Malerbetrieb Steuernagel & Lampert aus Groß-Bieberau. Er setzt den Untersuchungskoffer zur Untergrundbeurteilung von Caparol schon mehrere Jahre aktiv in seinem Betrieb ein.

Welche Vorteile hat es, den Untergrund genau zu kennen?

Franz Xaver Neuer: Die Ermittlung der Art des Untergrundes hilft bei der Entscheidung, welche Lacke und Farben für die Überarbeitung verwendet werden können. Ob ich nur mit artgleichen Materialien überarbeiten kann, wie zum Beispiel bei reversiblen Polymerisatharzlack-Systemen. Oder beim Stichwort „Thermoplastizität wasserverdünnbarer Lacke“. Diese werden erst infolge der Aufheizung von Sonneneinstrahlung im Außenbereich weich. Erkennt man das nicht, wird schnell die Regel „Hart auf weich geht nicht“ verletzt.

In welchem Umfang sollten Handwerker vor Sanierungsbeginn/Baubeginn den Untergrund prüfen?

Franz Xaver Neuer: Die Prüfung des Untergrundes mit baustellenüblichen Methoden muss der Handwerker vor der Ausführung immer durchführen. Das gehört zu seinen Pflichten. Am besten wird dies auch dokumentiert und zu den Unterlagen gelegt, um es im Regressfall belegen zu können. Geschieht die Untergrundbeurteilung durch Erfahrung haptisch mittels „Hand auflegen“, ist das zwar grundsätzlich nicht falsch, aber im Schadensfall kann so selten belegt werden, dass der Untergrund tatsächlich geprüft wurde und vor allem, mit welchem Ergebnis. Es bleiben in der Regel Zweifel zurück.

Herr Held, für welche Untergrundprüfungen nutzen Sie den Prüfkoffer am häufigsten?

Jörg Held: Ich schätze den Koffer besonders bei Untersuchungen an historischer Bausubstanz. Aber der Untersuchungskoffer dient auch für einen kompetenten und professionellen Auftritt beim Kunden. Es sind alle notwendigen Hilfsmittel enthalten und griffbereit. Klar werden nicht alle Inhalte gleich viel genutzt. Häufig zum Einsatz kommen beispielsweise Lösemittel, Wasserflasche, Hammer und Meißel oder der Alkalitäts-Indikator in der Sprühflasche. Auch wenn manch andere Bestandteile wenig und zum Teil auch nicht zum Einsatz kommen, sind diese für den professionellen Auftritt auf der Baustelle wichtig. Das kommt auch beim Bauleiter, Planer oder Architekten und dem Bauherrn gut an.

Kann die Kenntnis über den Untergrund auch Arbeitsschritte einsparen?

Franz Xaver Neuer: Meistens ist eher das Gegenteil der Fall. Z. B. sind durch die VOB in der Regel die mindestens erforderlichen Arbeitsschritte vorgegeben. Das ist für eine gewisse Gesamt-Nutzschichtdicke sinnvoll und hat die Aufgabe, die Dauerhaftigkeit, die Witterungsbeständigkeit oder die Funktionalitäten/Eigenschaften – insbesondere Außen – zu erhalten. Natürlich kann ich auch feststellen, dass keine zusätzlichen Maßnahmen erforderlich sind und ich mit dem Standardaufbau zurechtkomme.

Was schätzen Sie an dem Koffer am meisten?

Jörg Held: Der Untersuchungskoffer enthält eine ausführliche Anleitung, mit der die Prüfungen einfach durchzuführen sind. Vor allem bei chemischen Reaktionen ist das sinnvoll. Man hat alles an einem Fleck, gut sortiert und griffbereit dabei. Mit der Zeit haben wir andere Messgeräte und weitere Werkzeuge oder Hilfsmittel ergänzt.

Wer außer Ihnen nutzt den Untersuchungskoffer noch?

Jörg Held: In unserem Betrieb hat jeder Meister einen in seinem Firmenwagen griffbereit dabei. Und jeder ergänzt und modifiziert den Untersuchungskoffer nach seinen Bedürfnissen.

Warum müssen Anstrich und Untergrund aufeinander abgestimmt sein?

Franz Xaver Neuer: Verankerung am Untergrund durch Imprägnierung, Verfestigung und Haftvermittlung – hier sind die Grundierungsfunktionen gefordert. Benetzung und Adhäsion spielen dabei eine entscheidende Rolle. Es muss in Abhängigkeit vom Zustand und der Art des Untergrundes über die Art der Grundierung entschieden werden. Wie der Aufbau danach weitergeht, ist oft nicht mehr so entscheidend.

Welche ersten wichtigen Hinweise auf einen nicht tragfähigen Untergrund gibt es?

Franz Xaver Neuer: Auf den ersten Blick sind es Risse im Altanstrich und abschälende Ecken oder Kanten. Kommt es durch die Untergrundprüfung mittels Kratzproben zu schollenartigen Ausbrüchen oder lösen sich klassisch durch Kreuz-/Gitterschnitt und Klebebandabriss Teile der Beschichtung, muss diese vollständig entfernt werden. Solche nicht tragfähigen Altanstriche können nicht durch Spezialbehandlungen oder Grundierungen geheilt werden. Hier muss man leider in den „sauren Apfel beißen“ und alles entfernen.

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