Inspiration

Spachtelfähige Wandlasur: Wenig Aufwand – große Wirkung

Kreative Gestaltungstechniken gelten häufig als aufwendig, damit zeitintensiv und folglich teuer. Gibt es auch Materialien, die sich einfach und schnell an die Wand bringen lassen und dennoch mit einem Wow-Effekt überraschen? Das Malerblatt hat eine mehrfarbige spachtelfähige Wandlasur genauer unter die Lupe genommen.

Autorin I Fotos: Susanne Sachsenmaier-Wahl

Manchmal will ich es einfach wissen. Dann tausche ich die Computertastatur gegen Pinsel, Rolle oder Glättkelle, schlüpfe in meine Arbeitskleidung und schnuppere einmal wieder Baustellenluft. Dieses Mal habe ich mich mit kreativer Wandgestaltung auseinandergesetzt. Schließen sich attraktive Optik und einfache Umsetzung grundsätzlich aus? Oder gibt es auch Produkte, die sich einfach und schnell verarbeiten und mit denen sich dennoch effektvolle Ergebnisse erzielen lassen? Das galt es herauszufinden. Meine Wahl fiel auf eine spachtelfähige Wandlasur zur Gestaltung mehrfarbiger Oberflächen, über die auf der Homepage des Herstellers Caparol zu lesen ist: „Mit Capadecor ArteVelvet wird die Wand in nur ein bis zwei Arbeitsgängen bei einfachster Verarbeitung zu einem Unikat.“ Aha! Na dann, nichts wie los und ausprobieren!

Spachtelfähige Wandlasur auf großer Fläche getestet

Manchmal kommen Umbaumaßnahmen sogar gelegen. Einer solchen hatte ich es zu verdanken, dass ich die spachtelfähige Wandlasur nicht nur auf einer Musterplatte, sondern gleich in einem Kinderzimmer mit einer Wandfläche von knapp 30 Quadratmetern und zahlreichen Ecken und Nischen testen konnte. Der Untergrund bestand aus Gipsfaserplatten, die bereits verspachtelt und geschliffen waren. Also konnte es gleich losgehen.

Als Grundbeschichtung empfiehlt der Hersteller eine Spezialgrundierfarbe auf Dispersionsbasis. Um das spätere Erscheinungsbild so homogen wie möglich zu erhalten, sollte diese Grundbeschichtung bereits im Farbton der Schlussbeschichtung abgetönt werden. Da das Kinderzimmer später von einem siebenjährigen Mädchen bewohnt werden sollte, fiel die Farbwahl auf ein zartes, stumpfes Rosé mit dem klangvollen Namen Barolo 55.

Die abgetönte und zu etwa 10 Prozent mit Wasser verdünnte Grundierfarbe wird, so ist im Technischen Merkblatt zu lesen, aufgerollt und nachgebürstet. Dadurch wird die Rollstuktur verwischt. Bis hierher ist alles – wie könnte es im Kinderzimmer anders sein? – ein Kinderspiel. Wer mit Rolle und Bürste umgehen kann, dürfte den ersten Schritt problemlos meistern. Auch (oder selbst?!) bei mir als einer etwas aus der Übung geratenen Malermeisterin lief dieser Arbeitsschritt völlig unspektakulär ab. Das Ergebnis war eine gleichmäßige, durch leichte Bürstenschläge sanft strukturierte Farbfläche.

Helle Partikel in der spachtelfähigen Wandlasur bringen den Effekt

Umso gespannter war ich daher auf die Schlussbeschichtung. Schließlich sollte diese der Wand ja ihren besonderen Effekt verleihen!

Laut Herstellerangaben vermischen sich die in der Lasur enthaltenen hellen Partikel beim Abtönen nicht mit den übrigen Farbpigmenten. Ich war also schon etwas neugierig, als ich das Gebinde öffnete und zum Rührholz griff. Wie stark darf man rühren, ohne die Partikel bis zur Unkenntlichkeit und damit auch den mehrfarbigen Effekt zu zerstören? Doch so sehr ich den Anstrichstoff auch mit dem Rührholz „quälte“ – die Partikel blieben tatsächlich erhalten. 1:0 für den Hersteller!

Die Lasur ist pastös eingestellt, wodurch der Auftrag mit der kurzflorigen Rolle, wie ihn der Hersteller empfiehlt, problemlos möglich ist. Ich habe mich für eine kleine und damit handlichere Rolle entschieden, da das Material in kurzen Bewegungen kreuz und quer aufzubringen ist. Trotzdem ging die Arbeit schnell von der Hand. Wer lieber mit der Bürste arbeitet, kann die Lasur auch in kurzen richtungslosen Schlägen auftragen.

Wichtig ist, dass das Material nach einer kurzen Ablüftzeit mit der Kunststoffkelle im Kreuzschlag geglättet wird. Dabei werden die hellen Partikel leicht zerdrückt und es ergeben sich sanfte „Schlieren“. Den richtigen Zeitpunkt zum Glätten erkennt man daran, dass nur noch die zugesetzten hellen Partikel nass glänzen. Verpasst man den richtigen Zeitpunkt, lassen sich die Partikel nicht mehr zerdrücken und sie bleiben als Sprenkel stehen. Glättet man zu früh, läuft man Gefahr, dass sich die Partikel mit der eingefärbten Lasur vermischen und man eine einheitliche „Suppe“ erhält. Um diesen Gefahren aus dem Weg zu gehen, habe ich immer nur etwa einen Quadratmeter vorgelegt, die Lasur dann geglättet und die Randbereiche offen stehen lassen, um an diesen weiterarbeiten zu können. Das war auch alleine ganz gut zu bewältigen – auch wenn es sicherlich wesentlich entspannter ist, wenn ein Mitarbeiter das Material vorlegt und ein zweiter nachglättet.

Ein Material, das (fast) alles verzeiht

Weil ich mit der Applikation und dem anschließenden Glätten so eingespannt war, hatte ich mir zwischendurch gar nicht die Zeit gegönnt, mein Werk mal mit etwas Abstand zu betrachten. Im Nachhinein muss ich sagen: das war gut so! Denn als ich nach einer größeren Wandfläche endlich mal kurz verschnaufen wollte und ein paar Meter zwischen mir und der Wand lagen, bekam ich Schweißausbrüche. Mein Werk war so fleckig und ungleichmäßig, dass mir fast schwindelig wurde. Wie sollte ich diese optische Katastrophe nur der kleinen Zimmerbewohnerin präsentieren?! Schnell las ich im Technischen Merkblatt des Herstellers nach und fand darin einen Satz, der meinen Puls wieder normalisierte: „Sollte die Oberfläche nach der Schlussbeschichtung sehr unruhig wirken, kann eine 2. Schlussbeschichtung die Optik egalisieren.“ Okay, dann würde ich notfalls eben eine zweite Runde einlegen …

Mit einem etwas beruhigten Gewissen widmete ich mich den übrigen Wänden. Als schließlich die gesamten Wandflächen beschichtet waren, konnte ich meinen Augen kaum glauben: die erste Wand war inzwischen absolut gleichmäßig aufgetrocknet – selbst an den kritischen Stellen, wie um Lichtschalter und Steckdosen oder an den Fensterleibungen, zeigte sich eine homogene, gleichmäßige dezente Musterung. Die Flecken waren lediglich Trocknungsunterschieden geschuldet gewesen.

Lebendig, aber nicht aufdringlich

Mein Fazit: die Verarbeitung der Effektlasur ist, wie vom Hersteller versprochen, einfach und schnell möglich. Und wie kommt der Effekt an? Bei meiner siebenjährigen „Auftraggeberin“ erhielt sie Bestnoten, was – das muss ich mir eingestehen – möglicherweise auch dem Farbton geschuldet war. Doch auch wer kein Rosé-Fan ist, kann der Technik sicherlich einiges abgewinnen. Mich persönlich überzeugt die dezente Mehrfarbigkeit, die die Wand belebt, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Entscheidet man sich für einen dunkleren Farbton, tritt die Mehrfarbigkeit noch stärker hervor.

Auch der Materialauftrag entscheidet über das Ergebnis der Wandtechnik. Das wurde mir sehr deutlich bewusst, als ich meine selbst erstellte Wandfläche mit der Musterfläche von Caparol-Anwendungstechniker Patrick Lamola verglich. Während sich seine Ausführung relativ lebendig zeigt, ist das Erscheinungsbild meiner Wand eher zurückhaltend. Der Grund dafür dürfte neben der individuellen „Handschrift“ dem Materialauftrag geschuldet sein: Lässt man mehr Effektlasur liegen, „verschmieren“ die Partikel beim Glätten stärker als bei einer geringeren Schichtdicke. Es bilden sich helle „Seen“. Wird das Material (bewusst) ungleichmäßiger auf der Fläche verteilt bzw. weniger verschlichtet, ist das Erscheinungsbild etwas unruhiger.

Zusätzliche Pluspunkte bekommt die Wandgestaltung von mir für ihre glatte Oberfläche, die sich griffig und – wie der Name „Arte Velvet“ (zusammengesetzt aus dem italienischen Wort „Arte“ für Kunst und dem englischen Begriff „Velvet“ für Samt) schon andeutet – fast etwas samtig anfühlt. Nicht nur, aber gerade auch in einem Kinderzimmer sicherlich ein willkommener Nebeneffekt!

Weitere Praxistests finden Sie auf:
www.malerblatt.de


Caparol-Anwendungstechniker Patrick Lamola rollt die eingefärbte Grundbeschichtung mit der kurzflorigen Walze kreuz und quer auf.


Um die Rollspuren zu egalisieren, wird die Grundierfarbe nach dem Auftrag mit einer Bürste nachbearbeitet.


Auf die trockene Grundierung wird die Effektlasur – ebenfalls richtungslos – mit einer kurzflorigen Walze aufgerollt.


Fotos: Caparol

Nach kurzer Ablüftzeit wird die Oberfläche mit der Kunststoffkelle geglättet. Dadurch entstehen die charakteristischen „Schlieren“.


PraxisPlus

Die transparente Dekolasur „Capadecor ArteVelvet“mit hellen Effektpartikeln kann über das Caparol-Abtönsystem ColorExpress in Anlehnung an das Caparol 3D-System plus in zahlreichen Farbtönen ausgemischt werden.

www.caparol.de



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