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Textilstrukturen imitieren mit Dispersionsfarben

Textilstrukturen
In Jeans und Leinen gehüllt

Textilstrukturen, wie Jeans und Leinen, lassen sich mit Dispersionsfarben imitieren. Diese natürlich anmutenden Strukturen vermitteln ein Gefühl von Geborgenheit. Warum die Wand nicht mal in Leinen oder Jeans kleiden?

Autorin: Susanne Sachsenmaier-Wahl | Fotos: Caparol

Erinnern Sie sich noch an die Textiltapeten, die in den 70-er und 80-er Jahren in fast jedem Haushalt zu finden waren? Sie waren der Inbegriff für Natürlichkeit und Gemütlichkeit in diesen ansonsten häufig etwas schrillen Jahrzehnten. Derzeit geht es zwar weniger schrill zu, ungewiss sind die Zeiten aber allemal. Und – wen wundert es? – auch heute vermitteln Textilstrukturen Natürlichkeit und Geborgenheit in Innenräumen. Sie bilden einen willkommenen Gegensatz zu den industriell gefertigten, perfekt glatten Oberflächen.

Doch um textilartige Strukturen an die Wand zu bringen, muss nicht zwingend eine (staubanfällige) Stofftapete geklebt werden. Äußerst interessant wirken stoffliche Strukturen nämlich gerade dann, wenn sie mithilfe anderer Materialien imitiert werden. Geeignet hierfür sind beispielsweise Dispersions-
anstriche (wenn ein gröberer Effekt erzielt werden soll, können diese auch quarzgefüllt sein), die – je nach gewünschter Textilart – zusätzlich mit Lasuren kombiniert werden.

Textilstrukturen imitieren mit Dispersionsfarben

Um einen groben Leinenstoff an die Wand zu malen, greift man zu einer feinen quarzgefüllten Beschichtung. Außerdem sollten folgende Werkzeuge bereitliegen: eine Rolle, ein Pinsel, eine Texturbürste, eine Wasserwaage oder eine Richtschnur sowie eine Schleifmaschine (z. B. ein Exzenterschleifer) und ein Schleifklotz (120er-Korn). Für die Untergrundvorbereitung sollte man sich etwas Zeit lassen, sie sollte mindestens der Qualitätsstufe Q3 genügen.

Im ersten Schritt wird die quarzgefüllte (bereits eingefärbte) Beschichtung vollflächig satt mit der Rolle auf die Wand gerollt. Die noch nasse Fläche wird mit der Texturbürste horizontal abgezogen. Um eine authentische Gewebestruktur (und keine Schlangenlinien) zu erzielen, empfiehlt es sich, unter Zuhilfenahme einer Wasserwaage oder einer Richtschnur abzuziehen. Nach einer Trocknungszeit von mindestens zwölf Stunden wiederholt man den Vorgang. Allerdings wird nun nicht horizontal, sondern vertikal strukturiert.

Für den dritten Arbeitsgang verwendet man wiederum die quarzgefüllte Beschichtung, allerdings in einem zweiten (auf den ersten abgestimmten) Farbton. Sie wird vollflächig deckend aufgebracht und fein abgerollt. Das anschließende Strukturieren entfällt.

Nach vollständiger Durchtrocknung wird die gesamte Fläche mit einem Exzenterschleifer (an schwer zugänglichen Stellen kann man einen Schleifklotz verwenden) und Schleifpapier mit 120er-Körnung angeschliffen, bis sich die darunterliegende Farbschicht im ersten Farbton in feinen Linien abzeichnet. Die Gewebestruktur wird gleichmäßig freigeschliffen. Wichtig ist, dass partiell nicht zu stark angeschliffen wird, denn das würde zu einer unschönen Fleckenbildung führen. Nun nur noch den Staub abkehren (oder noch besser wischen) und schon erstrahlt die Wand im natürlichen Leinen-Look.

Schnell mal die Jeans überstreifen

Dass die Jeans nicht wegzudenken ist und einen großen Stellenwert in unserer Gesellschaft hat, erkannte schon David Dundas in seinem Ohrwurm “Jeans On“, der Mitte der 70er-Jahre die Charts anführte: „I pull on my jeans and I feel all right …“ Was am Körper getragen ein solches Wohlgefühl auslöst, kann an der Wand wohl auch nicht verkehrt sein, oder?

Das Wandkleid im (verwaschenen) Jeans-Style lässt sich mithilfe einer Dispersionsgrundierung und einer matten Dekolasur kreieren. An Werkzeugen genügen eine Rolle, ein Pinsel und ein Stahlkamm (Maserierwerkzeug) sowie eine Wasserwaage oder eine Richtschnur. Für den Jeans-Look sollte der Untergrund der Qualitätsstufe Q4 entsprechen.

Im ersten Arbeitsgang wird die eingefärbte Grundierung vollflächig aufgerollt. Dabei entsteht eine gewollte Rollstreifigkeit. Die noch nasse Fläche wird mit dem Stahlkamm horizontal abgezogen. Auch hier ist es wieder empfehlenswert, mithilfe einer Wasserwaage oder Richtschnur abzuziehen. Auf die getrocknete Grundierung rollt man eine matte Dispersionslasur in einem anderen Farbton vollflächig auf. Die noch nasse Lasur wird ebenfalls mit dem Stahlkamm, jetzt jedoch vertikal, abgezogen. Für den dritten Arbeitsgang wird eine Lasur in einem weiteren Farbton benötigt. Diese wird wiederum aufgerollt und mit dem Stahlkamm abgezogen – allerdings horizontal.

Für den vierten und letzten Arbeitsschritt sollte die Lasur im Farbton der Grundierung getönt sein. Diese wird nach dem Aufrollen erneut vertikal gekämmt. Aufgrund der eingesetzten Materialien, die die Gewebestruktur weicher erscheinen lassen, und der gewählten Blautöne ist das Denim-Wanddesign perfekt.

Ein Riss als Stilelement

Wie zerbrechlich unser vermeintlich perfektes Leben sein kann, wissen wir spätestens seit dem Frühjahr 2020. Durch die Pandemie hat unsere perfekte Welt Risse bekommen, die es – wie auch immer – wieder zu kitten gilt. Das Caparol FarbDesignStudio hat dieses Thema aufgegriffen, abstrahiert und versucht, es auf die Wand zu übertragen ohne dabei bildhaft zu werden. Entstanden sind Oberflächen, die zerrissen, imperfekt und auf den ersten Blick vielleicht sogar fehlerhaft anmuten – dadurch aber erst ihren besonderen Charme erhalten. Denn der Riss wird nicht etwa vertuscht, sondern vielmehr betont.

Ganz neu ist diese Idee nicht. In der traditionellen japanischen Reparaturmethode für Keramik, Kintsugi, werden Risse seit langer Zeit durch eine Gold- (teilweise auch Silber- oder Platin-)verbindung hervorgehoben. Der Makel wird betont, die Überwindung der Bruchstelle geradezu zelebriert.

Doch auch wer weniger Wert auf Symbolik legt, der dürfte an dem künstlerisch anmutenden Riss seine Freude haben, lockert er die Wandfläche doch auf edelste Weise auf. Gerade in Verbindung mit den eher rustikalen Gewebe-strukturen ergibt sich ein ganz besonderes Spannungsfeld.

Ein Zeitraffer-Video zur Herstellung gibt es hier: www.bit.ly/3glBat7


PraxisPlus

Die Techniken „Linnen“ und „Denim“ wurden im Caparol FarbDesignStudio entwickelt. Für die hier gezeigten Techniken kamen folgende Caparol-Produkte zum Einsatz:

  • Linnen: MultiStruktur Fein im Farbton 3D Palazzo 110 (1. und 2. Arbeitsgang), MultiStruktur Fein im Farbton 3D Melisse 5 (3. Arbeitsgang)
  • Denim: Capadecor DecoGrund im Farbton 3D Jade 50 (1. Arbeitsgang), Deco Lasur Matt im Farbton 3D Arctis 5 (2. Arbeitsgang), DecoLasur Matt im Farbton 3D Mint 5 (3. Arbeitsgang), DecoLasur Matt im Farbton 3D Jade 50 (4. Arbeitsgang)

Die detaillierten Anleitungen erhalten Sie hier:

bit.ly/32uQ9Jd (Linnen)
bit.ly/3aq5Tla (Denim)

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