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Berufsschule während der Corna-Pandemie

Corona-Krise
Berufsschule während der Pandemie

Sascha Kober
Sascha Kober ist Lehrer im Berufsfeld Farbe und Gestaltung an der PMHS in Nürtingen.

Schüler sind derzeit stark von der Corona-Krise betroffen. Noch immer ist man von einem normalen schulischen Alltag weit entfernt. Unsere Redakteurin Susanne Wierse hat sich deutschlandweit bei Lehrern an beruflichen Schulen umgehört, wie die aktuelle Situation zu stemmen ist. Wie gehen als Lehrer mit den aktuellen Einschränkungen um? Wie funktioniert der digitale „Fernunterricht”? Sascha Kober, Lehrer im Berufsfeld Farbe und Gestaltung an der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Nürtingen gab Auskunft.

Wie gut ist Ihre Schule für mit Hard- und Software ausgestattet?

Sascha Kober: Unsere Schule ist mit Hard- und Software ganz gut aufgestellt, trotzdem hat man immer wieder mal Probleme, dass aus verschiedenen Gründen die Technik nicht gleich funktioniert. Wir haben NextCloud als Lernplattform eingeführt, die durch die Krise großen Zuspruch erfährt. Im Moment wird die Schule mit Wlan ausgestattet.

Wie sieht das bei den Schülern aus?
Sascha Kober: Bei den SuS (Schülerinnen und Schüler) ist die technische Ausstattung auf ganz unterschiedlichem Niveau. Das merkt man natürlich jetzt, wenn man die Hausaufgaben digital sammelt, ganz besonders. Es gibt Schüler, die zuhause keinen Drucker haben, oder gar keinen PC. Deswegen dürfen sie auch die Aufgaben handschriftlich bearbeiten und mit dem Smartphone als Foto schicken. Ein Smartphone haben eigentlich alle Schüler heutzutage.

Wird am Lehrplan festgehalten oder muss improvisiert werden?
Sascha Kober: Das kommt natürlich darauf an, wie lange die Einschränkungen noch dauern. Im Moment kann am Lehrplan, denke ich, weitgehend festgehalten werden.

Wie motiviert man die Schüler online?
Sascha Kober: Bei den Abschlussklassen und den Schularten, die auf einen höheren Bildungsabschluss abzielen, wie zum Beispiel unser Berufskolleg Farbtechnik (Ziel: Gesellenprüfung Maler, Staatlichen geprüften Berufskollegiat und Fachhochschulreife) oder unsere Abiturientenklassen (verkürzte Malerlehre mit anschließendem dualen Studium) ist eine spezielle Motivation nicht erforderlich. Die SuS machen ihre Aufgaben selbstständig. Bei der Normalausbildung ist diese Motivation schon sehr unterschiedlich! Trotzdem scheint die Mehrzahl unserer SuS begriffen zu haben, dass die Onlineunterstützung für die weitere Ausbildung wertvoll ist.

Wie oft haben Sie Kontakt zu den Schülern?
Sascha Kober: Der Kontakt mit den SuS ist je nach Lerngruppe unterschiedlich. Zweimal in der Woche, es kann aber auch mehrmals sein, wenn zwischendurch zum Beispiel über ein Videotool mit einer Lerngruppe online kommuniziert wird und dann neue Infos oder Lerninhalte besprochen werden.

Wie kommen die Schüler mit dieser Art des Lernens zurecht?
Sascha Kober: Schwächere SuS haben damit schon ihre Probleme. Die gestellten Aufgaben müssen sehr nah am Fachbuch und mit Seitenzahlen versehen sein, wo man die Inhalte im Fachbuch findet. Über die individuelle Rückmeldung, die die SuS von mir erhalten, kann man jedoch auf den einzelnen besser eingehen. Das bedeutet für uns Lehrer°innen einen erhöhten Arbeitsaufwand, wenn man seine Arbeit gut machen möchte.

Wie wird mit Schülern verfahren, die sich nicht online einloggen? (Virtuelles Schwänzen)
Sascha Kober: Da kommt es schon vor, dass ich bestimmte SuS per Mail an die Abgabe Ihrer Aufgaben erinnern, oder sogar privat nachtelefonieren muss. Auch das bedeutet manchmal für uns großen Aufwand. Die pünktlich und vollständig abgegebenen Hausaufgaben werden dokumentiert und können ggf. in die Mitarbeitsnote einfließen.

Lassen sich überhaupt alle Inhalte digital vermitteln?
Meiner Meinung nach ist der persönliche Kontakt zu den SuS im Klassenzimmer sehr wichtig und nicht zu ersetzen. Man kann als Lehrkraft gleich auf Fragen eingehen und Missverständnisse unmittelbar ausräumen. Auch kann durch den Selbstversuch einer Gitterschnittprobe oder einem mitgebrachten Porenbetonstein, dessen Haptik oder Gewicht die SuS erfahren können, einen Lerninhalt durch das Ansprechen mehrerer Sinne viel besser verinnerlicht und verknüpft werden. Trotzdem können durch digitale Möglichkeiten meiner Meinung nach der Unterricht gut ergänzt und optimiert werden.

Ist Gruppenarbeit möglich?
Sascha Kober: Gruppenarbeit ist mit unserer Lernplattform möglich, bei der man bestimmte Aufgaben nur bestimmten Schülergruppen zuordnen kann. Nur der Live-Charakter fehlt, dass man nicht gemeinsam um den Tisch sitzt und miteinander diskutiert. Das kann aber eine mögliche Videokonferenz dazu bieten. Digitale Gruppenarbeit habe ich persönlich selbst jedoch noch nicht ausprobiert.

Ist praktischer Unterricht möglich?
Sascha Kober: Praktischer Unterricht muss derzeit entfallen, die theoretischen Inhalte zum Praxisunterricht werden ebenso online unterrichtet.

Ändern die Erfahrungen in dieser Krise etwas an der Unterrichtsplanung für die kommenden Schuljahre?
Sascha Kober: Ich hoffe sehr und bin mir sicher, dass insgesamt in den Schulen die Digitalisierung durch diese Krise noch schneller vorangetrieben wird, weil man jetzt erfahren hat, dass man in einer solchen Situation von den digitalen Medien abhängig ist. Wir hatten uns in den Abteilungen zwischendurch auch in Videokonferenzen virtuell getroffen, um Informationen und Erfahrungen auszutauschen und den Ablauf des „Shutdowns“ zu planen. Das wird ganz bestimmt auch weiterhin stattfinden, ob virtuell oder persönlich, entscheidet dann die Situation der Corona-Krise.

Welche Auswirkungen haben die Verschiebungen der Abschlussprüfungen für Lehrer/Schüler?
Sascha Kober: Für die Schüler ist das nicht so einfach. Gerade kurz vor Prüfungen kann in der Schule noch einmal Lernstoff wiederholt werden und die Lehrer können auf Fragen besser eingehen. In der gewohnten Lernumgebung mit Mitschülern zu lernen und arbeiten, die gerade in der gleichen Situation sind, ist denke ich, auch eine beruhigende Erfahrung für die SuS. Das hat man zuhause nicht. Hier fehlt die Ansprache der Freunde. Besonders schwierig ist die Situation für unsere Blockklassen. Durch die Verschiebung kommen natürlich die Blockpläne durcheinander und müssen von den Abteilungsleitern wieder mühevoll angepasst werden.

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