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Außen alt – innen modern

Gebäudehülle & Innenraum
Außen alt – innen modern

Die energetische Sanierung von Sichtfachwerkhäusern ist eine große Herausforderung. Da die Außenfassade nicht gedämmt werden kann, bleibt nur eine Innendämmung. Hierbei müssen Feuchteschäden in der Konstruktion dauerhaft verhindert werden. Eine Kombination aus Mineraldämmplatten und Lehmmörtel könnte eine Lösung sein.

Rita Jacobs, Susanne Sachsenmaier-Wahl

Historische Gebäude haben einen ganz besonderen Charme. Deshalb gewinnen sie stetig an Beliebtheit. Doch egal, ob sie als exklusives Wohngebäude genutzt oder in hochwertige Geschäftsgebäude umgewandelt werden sollen, ohne eine energetische Sanierung geht es heute nicht mehr.
Vor allem Sichtfachwerkhäuser stellen für Planer und Handwerker eine große Herausforderung dar, lassen sie doch keine Außendämmung zu. Eine Innendämmung bleibt hier meist die einzige Lösung. Doch diese muss sorgfältig geplant und ausgeführt werden, um der Konstruktion nicht zu schaden. Georgios Schade, Geschäftsführer der SMB Baugestaltungs-GmbH, die die Lehmbauarbeiten und die Innendämmung eines historischen Fachwerkhauses in der Altstadt von Hannover durchgeführt hat, weiß: „Vor allem bei Fachwerk ist der Dämmkonstruktion eine hohe Bedeutung beizumessen. Die Kombination von so verschiedenen Materialien wie Holz, Ziegel, Naturstein, Lehm und Kalk und deren unterschiedliches Verhalten bei veränderten klimatischen Verhältnissen erfordern eine genaue Betrachtung. Speziell bei der Ausführung einer Innendämmung sind Besonderheiten zu berücksichtigen, die dem Schutz der tragenden Holzkonstruktion dienen.“ Dabei gelte es, betont Schade, das Hinterströmen des Dämmsystems mit warmer Raumluft zu verhindern sowie Tauwasserschäden an der Holzkonstruktion zu vermeiden. Doch nach Meinung Schades kann dies nicht etwa durch eine Dämmung mit Dampfsperre erreicht werden: „Das wird nur erreicht durch die Verwendung eines kapillaraktiven Dämmstoffs, der einen Teil des anfallenden Tauwassers kapillar zum Raum hin zurückführt.“
Auch Raffael Wundes vom Architekturbüro Dieckmann & Hohmann aus Soest, das die Modernisierung eines denkmalgeschützten Fachwerkhauses im Paderborner Land plante, steht einer Innendämmung mit Dampfsperre kritisch gegenüber: „Bei der Verwendung einer Dampfsperre kann man viele Fehler bei der Ausführung machen, die schließlich schwerwiegende Konsequenzen haben. Sobald eine Dampfsperre nicht sorgfältig verarbeitet ist und nicht richtig angeschlossen wird, dringt über Konvektion feucht-warme Raumluft in die Konstruktion ein und die Feuchtigkeit kondensiert hinter der Dämmebene mit der Folge der lokalen Substanzzersetzung.“ Auch Wundes sieht in einem kapillaraktiven Dämmstoff die einzige Alternative, um Feuchteschäden in der Konstruktion zu vermeiden, und er weiß: „Die können leicht auftreten, denn eine Fachwerkfassade ist zum Beispiel nie ganz schlagregendicht.“
Gelungene Kombination
In beiden Sanierungsfällen, sowohl in Hannover als auch im Paderborner Land, entschied man sich für eine Innendämmung aus Lehmmörtel in Kombination mit Mineraldämmplatten. Das diffusionsoffene, kapillaraktive System kommt ohne Dampfsperre aus. Außerdem sind Mineraldämmplatten gegen Schwamm- und Schimmelbefall resistent. Der entscheidende Grund jedoch war, dass der zum System gehörende Lehmmörtel für die energetische Sanierung historischer Fachwerk-Gebäude optimal geeignet ist. „Das kapillare Feuchtetransportvermögen des Lehmmörtels wirkt mit seiner sehr geringen Ausgleichsfeuchte konservierend auf die umschlossenen Hölzer,“ erklärt Georgios Schade. Und Architekt Raffael Wundes ergänzt: „Speziell bei Fachwerkgebäuden ist Lehmmörtel sehr gut geeignet. Die Materialien passen zusammen und harmonieren miteinander. Die Natürlichkeit der Baustoffe bleibt weiterhin erhalten und wir bekommen im Ergebnis eine effiziente Dämmung und ein gutes Raumklima.“ Daneben bringt der Lehmmörtel durch sein breites Anwendungsspektrum viele Vorteile mit sich. Der komplette Wandaufbau kann – abgesehen von der Dämmplatte – mit nur einem einzigen Material erfolgen. Der Lehmmörtel wird sowohl als Ausgleichsputz bei Unebenheiten im Untergrund und als Klebemörtel für die Mineraldämmplatten als auch als Armierungs- und Oberputz eingesetzt. Außerdem kann das Material auf fast allen Untergründen verarbeitet werden. Und die können bei Fachwerkhäusern recht unterschiedlich sein: Kalk- und Kalkzementputze, Lehmsteine und Lehmbauplatten sind genauso anzutreffen wie alle Arten von Mauerwerk, Schilfrohr, Ziegeldraht oder Fachwerkgeflecht.
Diffusionsoffenes System
Damit die vollflächige Verklebung der Mineraldämmplatten einfach und schnell vorgenommen werden kann, sollten die Wände zunächst mit dem Lehmmörtel als Ausgleichsputz begradigt werden. Sobald der Ausgleichsputz ausgetrocknet ist, kann mit der Verarbeitung der Mineraldämmplatten begonnen werden. Mit einer zehn Millimeter Zahntraufel wird der Lehmmörtel auf die Plattenrückseite aufgetragen und durchgekämmt. Die Plattenverlegung erfolgt im Fugenverband, wobei die Platten im Stoß fugenlos nebeneinander liegen und die Stoßfugen nicht verklebt werden. Durch das vollflächige Auftragen des Lehmmörtels als Dämmplattenkleber kann die gesamte Wand hohlraumfrei erstellt werden. „Weil man die Mineraldämmplatten in Kombination mit dem Lehmmörtel satt und vollflächig auf die Wand aufbringen kann,“ erläutert Raffael Wundes, „funktioniert die Innendämmung auch bei den unregelmäßigen Wänden eines Fachwerkhauses. Baumängel, die ansonsten durch Konvektion feucht-warmer Raumluft in Hohlräumen hinter der Dämmung entstehen können, werden damit vermieden.“
Nach dem Verkleben der Dämmplatten wird der Lehmmörtel mit Gewebeeinlage als Armierungsschicht aufgebracht. Die Schichtdicke beträgt dabei acht Millimeter. Sobald die Armierung getrocknet ist – als Faustregel für die Trocknung kann man etwa einen Millimeter pro Tag rechnen – kann ein fünf bis sechs Millimeter dicker Oberputz aus Lehmmörtel aufgetragen werden. Abschließend wird der Lehmoberputz durch Reiben und Filzen streichfertig bearbeitet. Die Schlussbeschichtung kann alternativ mit Silikatinnenfarbe oder Lehmfarbe ausgeführt werden. Bei der zum System gehörenden Lehmfarbe handelt es sich um eine diffusionsoffene, lösemittelfreie und natürliche Wandfarbe auf Lehmbasis, die über dieselben positiven Eigenschaften wie der Lehmmörtel verfügt. Ihre Verarbeitung erfolgt mit Rolle, Quast oder Pinsel. Angeboten wird die Farbe ausschließlich im Farbton Weiß; andere Farbtöne können aber durch die Zugabe von Farbpigmenten erreicht werden.
Das geringe Gewicht, die Druckfestigkeit und Formstabilität und nicht zuletzt das handliche Format der Mineraldämmplatten von 600 x 390 Millimetern sorgen für eine einfache Handhabung und einen schnellen Arbeitsfortschritt. Der Lehmmörtel besticht ebenfalls durch positive Verarbeitungseigenschaften. „Uns fielen die sehr guten Haftungseigenschaften des rein mineralischen Lehmputzes in Kombination mit einem sehr geringen Trockenschwundverhalten auf“, berichtet Rainer Wildmann, der mit der Sanierungsplanung des Fachwerkhauses in Hannover beauftragt war.
Der Spagat zwischen Denkmalschutz und Ausbau eines historischen Fachwerkhauses zu einem energieeffizienten Gebäude kann mit einem geeigneten System gelingen. Das beweisen die Projekte in Hannover und im Paderborner Land.
Vor allem bei Fachwerk ist der Dämmkonstruktion eine hohe Bedeutung beizumessen.


praxisplus

Objektdaten:
Fachwerkhaus im Paderborner Land:
  • Planung und Bauleitung: Raffael Wundes, Architekturbüro Dieckmann & Hohmann, Soest
  • Lehmbauarbeiten und Dämmung: Andreas Peukert, Soest
Fachwerkhaus in Hannover:
  • Architekt: Rainer Wildmann, Wildmann Architekten, Hannover
  • Projektberatung: Georgios Schade, SMB Baugestaltungs-GmbH
  • Lehmbauarbeiten und Dämmung: SMB Baugestaltungs-GmbH
Bei beiden Objekten kamen Ytong Multipor Mineraldämmplatten und Ytong Multipor Lehmmörtel zum Einsatz. Weitere Informationen zu den Produkten:
Xella Deutschland
Tel.: (0800) 5235665 (kostenfrei)
Fax: (0800) 5356578 (kostenfrei)
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