Technik & Werkstoffe

Spachteln oder Spritzen?

Große Lackflächen im Objektbereich renovieren – dafür braucht man heute rationelle Arbeitsverfahren und die dazu passenden Beschichtungsstoffe. Moderne Airlessfüller und die dazu passenden Airlesslacke bieten neue Möglichkeiten.

Bernhard Linck, Caparol

Der immer stärkere Kostendruck macht aufwendige Spachtelarbeiten zunehmend unmöglich. Ob alte Türen, Sockel oder Holzdecken, das flächige Spachteln mit einem Lackspachtel kann man im Objektbereich auch oft durch den Einsatz eines Spritzfüllers ersetzen. Diese Möglichkeit gibt es zwar schon lange, jedoch damals nur mit lösemittelhaltigen Füllern. Das macht die Verwendung bei den üblicherweise großen Flächen und Auftragsmengen nicht nur für den Verarbeiter recht unangenehm. Der Gebrauch in geruchssensiblen Objekten ist ebenfalls problematisch.
Enormes Standvermögen
Die Entwicklung VOC-konformer Lacke hat auch hier Abhilfe geschaffen. Mit Airlessfüllern und den dazu passenden Airlesslacken stehen nun auch Dispersionslacke mit einem sensationellen Standvermögen zur Verfügung. So lassen sich moderne Airless-Füller in Nassschichtdicken von bis zu 1.000 µm aufbringen, ohne dass es zu einem Ablaufen kommt. Diese Schichtdicke ist allerdings eher als theoretischer Wert anzusehen. Sinnvoll sind Auftragsmengen von 200 bis 500 µm in einem Spritzauftrag. Damit wird eine ausgezeichnete Füllkraft erreicht, die sich mit den lösemittelhaltigen Qualitäten messen kann. Sehr gute Schleifbarkeit und schnelle Durchtrocknung ergeben einen idealen Untergrund für alle Dispersionslacke, aber besonders die neuen Airlesslacke.
Hohe Lackiersicherheit
Der spezielle Airlesslack ist ebenfalls eine Neuentwicklung. Der Lack verfügt über eine bis dahin nie gekannte Lackiersicherheit. Auch für einen ungeübten Spritzlackierer ist es fast unmöglich, diesen Lack oder den Füller zum Ablaufen zu bringen, auch wenn die Spritzpistole etwas ungelenk geführt wird, oder das Spritzgerät nicht optimal eingestellt ist. Für den Erfolg dieser Produkte ist diese hohe Anwendungstoleranz sehr wichtig. Man hat erkannt, dass bei der Entwicklung zeitgemäßer Spritzlacke berücksichtigt werden muss, dass viele Fachhandwerker nur gelegentlich zum Spritzgerät greifen und so wenig Routine haben. Die dadurch verbreitete Unsicherheit im Spritzlackieren führt auch dazu, dass Aufträge oftmals in herkömmlicher Arbeitsweise abgewickelt werden, obwohl das Objektumfeld das Spritzen durchaus zulassen würde. Das ist einerseits verständlich, aber andererseits alles andere als zeitgemäßes unternehmerisches Handeln. Es ist nun Aufgabe der Lackhersteller, den Fachhandwerker davon zu überzeugen, dass mit den neuen Airlessprodukten ein sicheres und rationelles Lackieren möglich ist. Caparol beispielsweise bietet seit zwei Jahren Seminare und Schulungen zu diesem Thema an, die auch beim Fachhandwerk vor Ort durchgeführt werden.
Positive Eigenschaften
Die Teilnehmer überrascht dabei immer wieder an senkrechten Flächen die enorme Nassstandfestigkeit des Füllers von bis zu 1 mm, das sind 1.000 µm oder 1 Liter/m², und beim Lack von bis zu 0,5 mm, das sind 500 µm oder 0,5 Liter/m². In der Praxis kommt man in der Regel bei einem Spritzauftrag mit jeweils maximal der Hälfte aus. Auftragsmengen von einem Liter pro m² (1,3 kg pro m² beim Füller) sind i.d.R. wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll. Aber diese theoretisch möglichen Auftragsmengen machen deutlich, was heute hinsichtlich Standvermögen, Füllkraft und Lackiersicherheit durch moderne Additivtechnologie möglich ist.
Natürlich sind Nassschichtdicke und Trockenschichtdicke nicht das Gleiche. Entscheidend ist, was nach dem Verdunsten des Wassers, also nach der Trocknung, übrig bleibt. Die Trockenschichtdicke erreicht bei Dispersionen ca. 60 Prozent der Nassschichtdicke. Das ist im Fall des Airlessfüllers und des Lackes in der Praxis für die meisten Anwendungsfälle völlig ausreichend. Bei Trockenschichtdicken des Airlesslackes von durchschnittlich 100 bis 150 µm wird z.B. auch bei kritischen Farbtönen im Gelb-Orange-Rotspektrum eine ausgezeichnete Deckfähigkeit mit nur einem Spritzauftrag erreicht, abgesehen vom exzellenten Füllvermögen. So ist eine farbige Anpassung des Füllers an den nachfolgenden Airlesslack nicht nötig. Der seidenmatte Airlesslack ist über regional verfügbare Abtönanlagen beim Fachhandel abtönbar und deckt bei den erreichbaren Schichtdicken immer.
Nur zum Spritzen
Wie der Name schon deutlich macht, sind Airlessfüller und Airlesslacke rheologisch auf die Verarbeitung mit Airlessspritzgeräten eingestellt. Eine Verarbeitung mit dem Pinsel oder der Rolle ist nicht möglich. Geeignet sind Membran- und Kolbenpumpengeräte, sowohl mit als auch ohne Druckluftunterstützung (z.B. Aircoat bzw. Airmix) von Wagner oder Graco. Als besonders vorteilhaft hat sich dabei das Airlesspritzen mit Materialerwärmung erwiesen. Bei einer Erwärmung des Füllers oder des Lackes auf 40 Grad Celsius kann der Spritzdruck um ca. 40 bar reduziert werden. Das reduziert den Spritznebel spürbar. Von den namhaften Spritzgeräteherstellern sind Nachrüstsätze für die kontinuierliche Materialerwärmung erhältlich (Wagner TempSpray oder Graco °C-MAX). Aber auch der so reduzierte Spritznebel wird bei den neuen Airlessprodukten als deutlich weniger störend empfunden. Der Spritznebel liegt als trockener Staub auf dem Boden und nicht als störend klebriger Film, wie man das von lösemittelhaltigen Lacken her kennt. Die neue Generation der Airlessfüller und -lacke ermöglicht so ein angenehmes, sicheres, schnelles und somit kostengünstiges Lackieren auf mittleren und großen Flächen.

praxisplus
Airless-Füller und Airlesslack-Satin von Caparol sind speziell auf die Bedürfnisse der rationellen Airless-Applikation abgestimmte Produkte. Weitere Informationen: Caparol Tel.: (06154) 71-0/Fax: -1391 www.caparol.de
Weitere Informationen zu Airlessgeräten: www.wagner-group.de www.wagner-group.de

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