Werner Schledt
Werner Schledt

In kleinen Dosen

Werner Schledt

Ein Leser will wissen, ob die in Ausgabe 4 vorgestellte Idee, Games fürs Smartphone zu entwickeln, um Kids fürs Bauen statt Ballern zu begeistern und spielerisch über die Bauberufe zu informieren, ein Aprilscherz war. War es nicht: Im Zusammenhang mit den jetzt verliehenen Preisen für die besten neuen Computerspiele konnte man z. B. lesen, dass es auch eine Auszeichnung für das beste interaktive Kinderspiel gab und dass deutsche Spieleentwickler keine öffentliche Förderung erhalten, also auf Aufträge angewiesen sind. Folglich ließe sich so ein Game für die Spiele-App wohl spielend finanzieren. Auch fachliche Begleiter für die kreativen Entwickler fänden sich sicher leicht. Es ist also machbar, dass die Kids das Handwerk wieder auf den Schirm kriegen und nicht nur Paintball ballern. Anfangen müsste man mit Apps für die Jüngsten. Bin gespannt, wer’s macht. (Und hab‘ auch schon einen Verdacht.)
Wie Sand am Meer
Aufträge wie Sand am Meer – aber Fachkräfte rar wie die Stecknadel im Heuhaufen. Eine Magazin-Sendung behauptet, man müsse jetzt bis zu zehn Wochen auf einen Handwerker warten und nennt auch die Gründe: Niedrige Zinsen und fehlende Fachkräfte. Was man auch noch hätte sagen können: Bei zehn Wochen Wartezeit reduziert sich endlich die Zahl potenzieller Kunden, die sich für eine „Speisekammer“ zehn Angebote machen lassen.
Könnte sein
Nach fünf Jahren könnte jeder zweite Flüchtling in Arbeit sein. Könnte. Die jetzt veröffentlichten Erfahrungen basieren nämlich auf früheren Zuzügen und berücksichtigen die aktuellen hohen Flüchtlingszahlen noch nicht.
Imagekampagne Handwerk
Damit die große Imagekampagne für das Handwerk auch von unseren Betrieben für Kontakte mit deren unmittelbaren Zielgruppen, insbesondere Jugendliche, besser genutzt werden kann, gibt es seit April auf www.handwerk.de Informationen, Tipps und Beispiele, wie man die vorhandenen Materialien erfolgreich einsetzen kann. Nützliche Sache – wenn man sie nutzt.
Hin, wo die Zitronen blühen
Immer mehr Studenten absolvieren ein oder zwei Semester im Ausland. Das können unsere Lehrlinge und ausbildenden Meister auch: Für entsprechende Lehrgänge am Europäischen Zentrum für Denkmalpflege in Italien werden sogar Stipendien vergeben – dreimonatige für Lehrlinge und achtwöchentliche für Meister. Das ist Bildungsurlaub vom Feinsten. Bewerbungsunterlagen gibt’s beim ZDH. Denk(t)mal drüber nach.
Sorgen um Entsorgung
Wegen der Unsicherheit bei der Entsorgung von Dämmstoffen ist auch ein Sanierungsstau zu befürchten. Mit der einjährigen Übergangsphase, in der die bis Oktober 2016 gültige Regelung wieder in Kraft gesetzt wurde, ist das Problem natürlich nicht gelöst. Da in der entsprechenden Gesetzgebung die Vermeidung von Abfällen an erster Stelle steht, werden WDVS künftig vielleicht häufiger aufgedoppelt, deren Wirkung also „doppelt gemoppelt“.
Strahlemann?
Gerade gelesen, dass ein intensiver Handy-Nutzer erstmals erfolgreich einen gesundheitlichen Schaden geltend gemacht hat. Dazu das Bonmot eines schlagfertigen Malermeisters: „Mich machen nicht die Strahlen krank, aber die Nachrichten.“
Beim Fuchs in Würzburg
Als Sommerlektüre in dem Büchlein „Das Wirtshaus im Spessart“ gelesen, wie eine Frau dem Dichter Robert Gernhardt von der Besichtigung eines berühmten Bildes in der Region abriet: „Die Kirch werd renoviert, das Bild ist beim Fuchs in Würzburg.“ Ja, der hatte einen Namen. Viele andere gute Maler auch. Heute heißen die Betriebe immer öfter MTA KG, MPT-Service oder Streich-Bar GmbH. Alles streichbar.
Giftiges Gelb
Ich hatte den Nachbarn vor dem kalten Gelb für seine Fassade gewarnt und vorhergesagt, dass sie schon bald schmutzig und kotig aussehen würde. Das geschah schneller als gedacht: Schon nach eineinhalb Jahren sieht das Haus aus, als müsse es dringend renoviert werden. Schrilles Gelb ist für Fassaden Gift.
Ab nach Abu Dhabi
Patrick Röder aus Fulda misst sich in diesem Herbst bei den Berufsweltmeisterschaften in Abu Dhabi mit den besten Malern der Welt. Klar, dass wir ihm alle Daumen drücken, damit er’s aufs Treppchen schafft.
Schlüsselerlebnis
Unlängst hatte ich hier von einem Unternehmensberater berichtet, der einem Aussteller anstelle eines aufwendigen Messestandes eine unauffällige Box empfahl, zu der nur ausgewählte Kunden mit einem Schlüssel Zutritt hatten. Jetzt bietet ein hiesiger Feinkosthändler Zugang zu seinem Laden mit einem „persönlichen Magnetschlüssel“ in Form eines Frühstücksbrettchens an und macht so den Kauf zum Schlüsselerlebnis. Eine gute Idee hat man halt nie alleine – und wenn man sie nicht gleich umsetzt, macht’s ein anderer.
Urlaubsgrüße
Bei einem Besuch in Kanton, unserer chinesischen Partnerstadt, habe ich immer wieder über die Fassadengerüste aus Bambusstangen gestaunt, die lediglich zusammengebunden waren. Mehr noch über die artistischen Gerüstbauer, die gerade erst bei ca. siebzig Metern waren und noch viel höher hinaus mussten. Ohne Netz und doppelten Boden – wie im Zirkus. Und das Frühstück dort oben sicher mit Stäbchen. Auch eine artistische Leistung.

praxisplus
Relevantes für die Branche entdecken, Anstöße geben, manche Dinge auf die Schippe nehmen – genau das macht Werner Schledt in seiner Kolumne „Unverdünnt aufgetragen“. Der Autor war jahrzehntelang Betriebsberater und Verbandsgeschäftsführer im hessischen Maler- und Lackiererhandwerk.
Werner Schledt
Gangstraße 35 c
60388 Frankfurt/Main
Tel.: (06109) 34208