Betriebsführung

Baustellenorganisation – So wird die Baustelle effektiver

Gerade bei der Baustellenorganisation gibt es massive Reibungsverluste. Wie lassen sich hier die häufigsten Produktivitätsfresser eindämmen?

Autor: David Recker | Foto: Brillux

Es ist eine Binsenweisheit: Wer weniger effektiv und damit weniger produktiv arbeitet, als er könnte, verbrennt bares Geld. Schlimmer noch: Er fügt nicht nur seinem Portemonnaie Schaden zu, sondern auch seinem Nervenkostüm. Inhaber von Handwerksbetrieben können davon ein Lied singen. Regelmäßig nennen sie als Quelle von Produktivitätsverlusten im Betrieb die Baustellenabläufe. Es hakt in der Zusammenarbeit mit dem Kunden und anderen Gewerken. Auch im Team selbst läuft nicht alles rund. Am Ende bleibt da nicht nur viel Zeit auf der Strecke: Der Chef zerreißt sich zwischen all den großen und kleinen Problemen auf den einzelnen Baustellen. Stress und Druck wachsen. Spätestens an dieser Stelle stellt sich die Frage, wie man die Baustellen effizienter gestalten, damit das Betriebsergebnis verbessern und gleichzeitig den Betriebsinhaber entlasten kann. Die Lösung liegt in besserer Strukturierung und konsequentem Delegieren, eindeutiger Kommunikation und präziser Dokumentation aller Aufgaben – oder kurz: in einer optimierten Baustellenorganisation. Doch wie rückt man diesem durchaus komplexen Thema zu Leibe? Am besten: pragmatisch, Schritt für Schritt und mit konkreten Verbesserungen auch bei nur vermeintlichen Kleinigkeiten. Wir stellen die häufigsten Zeitfresser und Chaosquellen rund um die Baustelle vor und zeigen, wie es besser geht.

Arbeitstage laufen – irgendwie

Der Arbeitstag beginnt für alle um 7 Uhr. Das heißt aber noch lange nicht, dass dann alle sofort produktiv arbeiten. In vielen Betrieben entsteht hier bereits der erste Leerlauf. Wird jeder einzelne Mitarbeiter oder jedes einzelne Team nacheinander mündlich vom Chef in die anstehenden Tagesaufgaben eingewiesen, drehen die anderen solange Däumchen. Dasselbe kann auf der Baustelle selbst passieren: Sind den Mitarbeitern die Aufgaben nicht klar, haben sie die mündliche Arbeitsanweisung bereits wieder vergessen und müssen sie beim Chef nachfragen, kostet das wieder Zeit. Hier kann und sollte man optimieren. Eindeutig und schriftlich abgefasste Mitarbeiteranweisungen, was genau mit welchen Materialien wo zu tun ist, sind hier eine große Hilfe. Diese Mitarbeiteranweisungen sollten bereits am Vorabend zusammengestellt werden. Dann kann der Arbeitstag für alle tatsächlich bereits um 7 Uhr beginnen.

Mitarbeiter arbeiten – vor sich hin

Jeder Mitarbeiter hat seine fachlichen Stärken und Schwächen. Daher wird ein Kollege, dessen absolutes Steckenpferd filigrane Innenraumarbeiten sind, beim Verkleben von WDVS-Platten nicht unbedingt effektiv arbeiten. Gute Baustellenorganisation beinhaltet deshalb auch, dem richtigen Mitarbeiter die richtige Aufgabe zu geben. Hier hilft ein Personaleinsatzplan, der schon Tage und Wochen vorher die besten Teams für die jeweilige Baustelle einteilt.

Ins Blaue hinein arbeiten ist ebenfalls Ursprung von gebremster Effektivität. Ganz anders sieht es aus, wenn man ein Ziel vor Augen hat. Immer mehr Betriebe machen sehr gute Erfahrungen mit Tageszielen für jeden Mitarbeiter. Sie werden schriftlich vorgegeben oder – bei bereits geübten und motivierten Mitarbeitern – von ihnen selbst erstellt.

Gleichermaßen gut für die Produktivität wie für die Motivation des Mitarbeiters und die Entlastung des Chefs ist es, ganzheitlich Verantwortung zu übertragen. Dazu jedoch müssen neben der Verantwortung auch klare Informationen, welche Aufgabe bis wann in welcher Form umgesetzt werden soll, übergeben werden.

Arbeitsmittel an der falschen Stelle

Material fehlt, Werkzeug ist nicht auffindbar oder Maschinen sind auf einer anderen Baustelle geparkt: Wohl kaum etwas anderes bringt so viel Sand ins Getriebe einer Baustelle und kostet so viel Zeit wie nicht vorhandene Arbeitsmittel. Mal schnell noch zwei Eimer Dispersion besorgen oder sich das Werkzeug vom Chef auf die Baustelle nachtragen lassen, frisst enorm viele Stunden übers Jahr. Und sicher sehr viele mehr, als es kostet, dieses Problem mit festen Strukturen zu lösen.

Dazu gehört unbedingt die Ladeliste für jedes Baustellenfahrzeug. Sie wird tagsüber erstellt. Am Abend beladen die verantwortlichen Mitarbeiter anhand dieser Vorgabe das Fahrzeug mit allen benötigten Arbeitsmitteln für den nächsten Tag. Das fördert die Eigenverantwortung – und am nächsten Morgen kann es direkt losgehen.

Außerdem sollte ein Mindestbestand an Verbrauchsmaterialien wie Klebebändern oder Abdeckfolien immer im Fahrzeug vorrätig sein. Dass das auch klappt – dafür sorgt eine Mindestbestandsliste und der konkret benannte verantwortliche Mitarbeiter.

Gegen das Vergessen – z. B. von Maschinen auf der Baustelle oder von täglich eingesetzten Verbrauchsmaterialien – wirken auch weitere, wenig aufwendige Ordnungsmaßnahmen. Jedes größere Werkzeug und selbstverständlich Maschinen sollten mit einem Firmenaufkleber kenntlich gemacht werden.

Arbeit ist nicht dokumentiert

Die Baustelle ist gelaufen – aber wie ist es im Einzelnen gelaufen? Nur mit einer konsequenten Dokumentation kann Arbeit effektiv abgerechnet und gegenüber den Bauherren belegt werden.

Eine detaillierte Zeiterfassung jedes Mitarbeiters in entsprechenden Formularen ist da natürlich Pflicht. Wichtig ist, dass jeder hier wirklich alle Arbeiten einträgt. Sehr oft werden Leistungen für Bauherren nebenbei erbracht, nicht dokumentiert und in Folge auch nicht abgerechnet: Das geht zu 100 Prozent zu Lasten des Betriebs.

Ein Rapport bzw. Regie- oder Arbeitsbericht zur Dokumentation von Arbeitsleistung und Materialverbrauch sollte im vereinbarten Turnus – täglich oder wöchentlich – ohne Ausnahme und Verzögerung im Betriebsbüro abgegeben werden. Das ist die Grundlage – für den Überblick, für die Rechnungsstellung oder auch Nachkalkulationen während der Projektlaufzeit.

Unverzichtbar ist selbstverständlich auch das Abnahmeprotokoll inklusive Mängelliste. Hat ein Mitarbeiter die Baustelle verantwortlich betreut, obliegt natürlich ihm die Erstellung und der Termin mit dem Bauherrn. Das fördert unternehmerisches Denken und die Selbstverantwortlichkeit.

Optimierte Baustelle – ein Prozess

In verbesserter Baustellenorganisation steckt viel Potenzial für ein besseres Betriebsergebnis und bessere Arbeitsbedingungen für den Chef und alle Mitarbeiter. Dieses Bewusstsein ist wichtig: Denn auch Verbesserungen sind Veränderungen, deren Wert alle Beteiligten zunächst erkennen und akzeptieren müssen. Deshalb sollten die Mitarbeiter mit ins Boot geholt und die Optimierungen schrittweise umgesetzt werden. Hilfreich sind da natürlich auch Impulse von außen. Im Seminar „Unternehmerisches Denken und Handeln für Mitarbeiter“ der Brillux Akademie erfahren Gesellen und Meister, warum und wie eine in jeder Hinsicht gut geführte Baustelle dem Betrieb und ihnen ganz persönlich nützt.


PraxisPlus

Kontakt

David Recker

Postfach 1640

48005 Münster

Tel. 0251 7188-759

Fax 0251 7188-53395

marketingunterstuetzung@brillux.de

www.brillux.de/

service/marketingunterstuetzung



Firmenverzeichnis
Hier finden Sie mehr über:

Anzeige

Anzeige

Aktuelle Ausgabe

Titelbild Malerblatt 2
Ausgabe
2.2020

ABO

Anzeige


Malerblatt Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Malerblatt-Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Medien GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Malerblatt-Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Malerblatt-Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de