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Aufdoppelung mit Resol-Hartschaumplatten: Doppelt hält wärmer

WDVS
Aufdoppelung mit Resol-Hartschaumplatten: Doppelt hält wärmer

Mit einer Aufdoppelung mit Resol-Hartschaumplatten ist es jetzt auch möglich, Fassaden „nachzurüsten“, bei denen bisher nicht genügend Platz für eine Aufdoppeelung mit EPS oder Mineralwolle vorhanden war.

Autorin: Susanne Sachsenmaier-Wahl | Fotos: Baumit

Für eine Aufdoppelung eines bestehenden Wärmedämm-Verbundsystems sprechen viele Argumente. Markus Haberland, Produktmanager WDVS bei Baumit, fasst sie so zusammen: „Mit einer Aufdopplung eines bestehenden WDVS können die Dämmwerte erhöht werden. Dadurch wird der energetische Charakter eines Gebäudes an die aktuell vorliegenden Werte angepasst. Zudem kann auf einen Rückbau des Altsystems verzichtet und damit die Umwelt geschont werden.“ Das vorhandene WDVS wird also nicht nutzlos, sondern erfüllt weiterhin seine Aufgabe. Es bekommt lediglich Unterstützung durch eine weitere „wärmende“ Schicht darüber. Folglich entstehen keine Abriss- und Entsorgungskosten.

Problematisch bei einer Aufdoppelung mit EPS oder Mineralwolle ist aber häufig das Platzangebot. Dachüberstände werden zu knapp, die erlaubte Grundstücksbebauung wird überschritten oder die Proportionen des Gebäudes werden empfindlich gestört.

Schlank und leistungsstark

Seit gut zehn Jahren sind extrem schlanke Dämmungen auf dem Markt, mit denen sich bei geringerer Dicke gleiche Dämmwerte, wie mit herkömmlichen Dämmstoffen (EPS, Mineralwolle, …) erzielen lassen. Die Rede ist von Resol-Hartschaum.

Bei Resol-Hartschaum (häufig auch als Phenolharzschaum bezeichnet) handelt es sich – anders als bei EPS – nicht um ein Erdölprodukt. „Bakelit ist der erste industriell hergestellte Kunststoff. Die ersten Lichtschalter und Telefongehäuse wurden aus diesem Material produziert“, erklärt Markus Haberland und ergänzt: „Es ist ein Kunststoff auf der Basis von Phenolen, welcher ohne Rohöl produziert wird. Die Herstellung der Dämmplatte erfolgt ähnlich, wie beim EPS-Dämmstoff: Phenolharz wird unter Zugabe von Treibmitteln (Pentan) aufgebläht.“ Danach wird es beidseitig mit Glasvlies kaschiert. Der fertige Dämmstoff verfügt über eine geschlossene Struktur mit sehr kleinen Zellen und besitzt eine relativ hohe Rohdichte von 40 kg/m3. Dadurch kann das Material von Wärme und Kälte nur schlecht durchdrungen werden. Zudem hat auch das in den Zellen fest eingeschlossene Treibgas eine isolierende Wirkung.

Da die Wärmeleitfähigkeit von Resol-Hartschaum bei nur 0,022 W/(mK) liegt, kann die Dämmschicht um ca. 30 Prozent geringer ausfallen, als bei EPS, um denselben Dämmwert zu erreichen. „Als WDVS ist die Platte uneingeschränkt einsetzbar“, nennt Markus Haberland die Anwendungsgebiete. „Bevorzugt wird sie aber dort verwendet, wo das Augenmerk auf einer geringeren Dämmstoffdicke liegt. Der Mauerwerksaufbau wird schlanker, was auch eine Einsparung bei der Ausarbeitung von Blechüberständen usw. mit sich bringt.“ Phenolharzschaumplatten ermöglichen die energetische Aufwertung von Bereichen, die bisher nicht oder nur sehr schwierig gedämmt werden konnten: in Loggien, an Dachgauben oder an Grenzbebauungen.

Weitere Vorteile von Phenolharz

Doch die geringe Wärmeleitfähigkeit oder im Umkehrschluss die sehr gute Dämmwirkung sind nicht das einzige, was Phenolharzschaumplatten attraktiv macht. „Im Vergleich zu den üblichen Dämmstoffen aus Polystyrol oder Steinwolle kann der CO2-Footprint in der Herstellung bei den Phenolharzschaumplatten bis zur Hälfte niedriger vorliegen“, erklärt Markus Haberland. „Verbunden mit der hohen Dämmleistung bei geringerer Dämmstoffdicke wird weniger Material benötigt, was ein Pluspunkt bei der ökologischen Betrachtung ist. Das Material ist unverrottbar und hält bei einer fachgerechten Anbringung theoretisch dauerhaft. Nachhaltigkeit liegt damit vor.“

Auch hinsichtlich des Brandschutzes schneidet Resol-Hartschaum gut ab. WDV-Systeme mit Resol-Hartschaum sind in die Baustoffklasse B1, („schwer entflammbar“) eingeordnet. Anders als bei EPS-Dämmfassaden, die nur dann schwer entflammbar sind, wenn sie zuvor mit Flammschutzmitteln versetzt wurden, erreicht Resol-Hartschaum die Baustoffklasse B1, ohne diese umstrittenen Zusätze. Außerdem tropft es bei Beflammung nicht ab. Für WDV-Systeme mit diesem Dämmstoff sind deshalb keine zusätzlichen Brandriegel vorgeschrieben.

Aufdoppelung mit Resol-Hartschaumplatten

Dass Phenolharzschaumplatten sich aufgrund der genannten Eigenschaften ideal für die Aufdoppelung eignen, erklärt sich fast von selbt. Seit Anfang Mai 2016 verfügt Baumit über die deutschlandweit erste bauaufsichtliche Zulassung für die Aufdoppelung bestehender WDV-Systeme mit Resolhartschaum-Dämmplatten. Und – darauf ist Markus Haberland besonders stolz – das Unternehmen hat damit eine Alleinstellung am Markt: „Unseres Wissens, ist Baumit momentan der einzige Hersteller, der ein Aufdoppelungssystem mit Resol-Hartschaumplatten am Markt anbietet.“ Mit der neuen Zulassung für das äußerst schlanke Dämmsystem lässt sich eine Aufdoppelung auch dort durchführen, wo für Mineralwolle oder EPS kein Platz ist.

Worauf ist bei der Aufdoppelung mit Resol-Hartschaumplatten zu achten? „Das Altsystem muss am Untergrund angeklebt oder angeklebt und gedübelt sein. Durch einen Fachhandwerker muss die Standsicherheit und die Tragfähigkeit des Altsystems überprüft werden“, sagt Markus Haberland. Baumit bietet Resol-Hartschaumdämmplatten in Dicken zwischen zwei und zwanzig Zentimetern an. Doch für die Aufdoppelung kann nicht beliebig aus dem Sortiment gewählt werden. „Eine Gesamtdämmstoffdicke von Alt- und Neusystem darf das Maß von 200 Millimetern nicht überschreiten. Die mögliche Dicke des Neusystems ist demnach von der Dicke des Altsystems abhängig“, warnt Markus Haberland. Die neue Dämmung darf außerdem maximal 14 Zentimeter betragen. Doch Haberland ist sich sicher: „Durch die Verwendung des Dämmstoffes mit der geringeren Wärmeleitzahl wird in der Regel dennoch ein genügender U-Wert bei diesen Vorgaben erreicht.“

Worauf zu achten ist

Bisher dürfen nur bestehende Wärmedämm-Verbundsysteme aus EPS-Platten überarbeitet werden. Doch „eine Erweiterung auf andere Systeme ist angedacht“, lässt uns Haberland wissen.
So lange hat die Beschaffenheit der Altdämmung aber Auswirkungen auf das Brandverhalten des Gesamtsystems. „Das Vorhandensein eines Brandriegels ergibt die Brandklassifizierung des Altsystems. Mit Brandriegel ist es schwerentflammbar, ohne ist es normalentflammbar“, klärt Markus Haberland auf. Selbstverständlich kann das Altsystem aber brandschutztechnisch optimiert werden. Zur Erreichung einer Schwerentflammbarkeit des Gesamtsystems können im Altsystem nachträglich die zusätzlichen Brandriegel eingefügt werden.

Die neuen Platten werden auf die alte Dämmschicht aufgeklebt. Die Verklebung erfolgt bei der Aufdoppelung vollflächig, während sie bei einer Erstdämmung mit Phenolharzplatten im Wulst-Punkt-Verfahren erfolgen kann und lediglich eine Kontaktfläche von 40 Prozent gewährleistet sein muss. Resol-Hartschaumplatten müssen generell statisch relevant gedübelt werden. Das gilt selbstverständlich auch für die Aufdoppelung. „Dabei wird durch das Alt- und Neusystem hindurch im Mauerwerk verankert“, konkretisiert Markus Haberland. Einen entscheidenden Unterschied zu EPS-Platten gibt es bei der Verarbeitung der schlanken Dämmplatten: „Phenolharzschaumplatten sind an der Oberfläche vlieskaschiert und können deshalb nicht geschliffen werden. Es ist daher darauf zu achten, dass der Untergrund eben ist und die Platten lotgerecht aufgebracht werden“, rät der Produktmanager. Bei einer Aufdoppelung dürfte das aber das kleinere Problem sein, da die alte Dämmung in der Regel ja relativ eben ist.

Als unterer Abschluss des aufgedoppelten Systems sollte ein Sockelprofil installiert werden. Nach der Armierung erfolgt die Schlussbeschichtung. „Als Endbeschichtungen können sowohl mineralische als auch pastöse Oberputze aufgebracht werden.“ Markus Haberland gibt außerdem folgenden Tipp: „Es eignet sich auch der Originalkratzputz mit vielen Vorteilen einer geringeren Verschmutzungsneigung und einer guten Dauerhaftigkeit.“

Mehr zur Aufdoppelung: https://bit.ly/3bs5mOl


PraxisPlus

Die Resol-Hartschaumplatte von Baumit trägt die Bezeichnung „ResolTherm XS 022“. Das Aufdoppelungssystem mit der schlanken Platte wird unter dem Namen „onTop XS 022“ geführt.

Weitere Informationen:

www.baumit.de


Markus Haberland, Produktmanager WDVS bei Baumit

Bisher können bestehende WDVS aus EPS-Platten überarbeitet werden. Eine Erweiterung auf andere Systeme ist angedacht.



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