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Effektbeschichtungen - Anwendungsgebiete und Trends

Effektbeschichtungen
Längst mehr als ein Modetrend

Effektlacke, also Lacke mit metallisch-silbrig reflektierenden Pigmenten, werden heute für die Gestaltung verschiedenster Bauteile verwendet. Über unterschiedliche Effektbeschichtungen, ihre Anwendungsgebiete und Trends sprach das Malerblatt mit Bernhard Linck vom Caparol-Produktmanagement Lacke und Lasuren.

Fotos: Caparol

Herr Linck, neben „normalen“ Weiß- oder Buntlacken werden immer mehr Effektlacke angeboten. Kann man hier von einem Trend sprechen?

Effektlacke, also Lacke mit metallisch-silbrig reflektierenden Pigmenten, werden heute für die Gestaltung von nahezu allen Bauteilen vom Treppengeländer über Türen bis zur Wandfläche eingesetzt. Als Modetrend kann man das mittlerweile nicht mehr bezeichnen. Dafür sind diese Lacke schon zu lange im Portfolio fast aller Lackhersteller. Ein Oberflächentrend bei Farben und Tapeten dauert als zeitlich begrenztes Ereignis etwa sechs bis zehn Jahre. Eine anziehende Nachfrage nach Effektlacken haben wir aber schon vor etwa 15 Jahren festgestellt. Diese Nachfrage hält auf etwa gleichbleibendem Niveau bis heute an. Ein Ende ist derzeit nicht zu erwarten. Ausgelöst wurde der „Trend“, wie meistens im Bausektor, durch andere Wirtschaftszweige wie die Textilmode oder in diesem Fall die Automobilindustrie. Seit Anfang der 90er-Jahre haben Metalliclacke im Automobilbereich einen sehr großen Marktanteil. Auch Möbel- und Gebrauchsgegenstände wurden zunehmend mit Metalliclacken versehen. Das hat schnell den Wunsch des Kunden geweckt, auch Baustoffoberflächen mit Effektlacken zu veredeln.

Welche Effektbeschichtungen unterscheidet man und welche davon ist die beliebteste?

Es werden im Wesentlichen drei Typen unterschieden. Zum einen gibt es die Metalliclacke, bei denen dem Lackbindemittel Silberbronzepigmente beigemischt werden und die über eine ausgeprägte Reflexion verfügen. Bei Perlglanzlacken befinden sich Mineralpigmente im Lackbindemittel, weshalb diese eine dezente Reflexion aufweisen. Schließlich gibt es noch Glimmerlacke. Der dem Lackbindemittel zugefügte Eisenglimmer und Glimmerpigmente dienen vorrangig dem Korrosionsschutz, sind bedingt aber auch für dekorative Zwecke zu verwenden.

Bernhard Linck: „Eine anziehende Nachfrage nach Effektlacken haben wir schon vor etwa 15 Jahren festgestellt.“

Sogenannte „Flip-Flop-Lacke“, die sich je nach Betrachtungswinkel farblich verändern, sind auch im Kfz-Bereich Exoten. Im Bausektor sind sie so gut wie gar nicht anzutreffen, weil deren Verarbeitung zu aufwendig ist.

Ein Ranking nach Beliebtheit der Varianten ist branchenweit schwierig. Am häufigsten kommt sicher der klassische Metalliclack zum Einsatz, weil er am bekanntesten ist. Aber auch der Perlglanz-Effektlack wird nachgefragt, weil in der weitverbreiteten RAL-Farbtonkollektion seit einigen Jahren auch 15 Perlganzfarbtöne enthalten sind wie z. B. RAL 4011 Perlviolett oder RAL 3032 Perlrubinrot.

Wie werden diese Effektbeschichtungen eingesetzt? (als Akzentwand z.B.?)

Der Anteil der zu lackierenden Flächen besonders im Neubau hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten durch werkseitig lackierte Oberflächen stark abgenommen. Der Markt für Bautenlacke ist nicht zuletzt deshalb rückläufig. Bei Caparol konnten wir uns trotzdem sehr gut dagegenstemmen, gerade auch durch ein marktgerechtes Sortiment. Dazu gehören „Spezialitäten“ wie die Effektlacke. Wenn man schon nicht mehr die Türen lackiert, dann eben die Wandfläche im Restaurant oder im Foyer des Hotels mit einem Perlglanzlack. Aber auch bandbeschichtete Blechfassaden werden mit Metallic- oder Glimmerlacken lackiert. Ein Beispiel ist das VW-Werk in Emden mit inzwischen weit über 60.000 Quadratmetern Blechfassade, die mit Capalac Dickschichtlack im Glimmerfarbton RAL 9006 beschichtet wurde.

Wohin entwickeln sich die Ansprüche der Kunden in diesem Marktsegment?

Effektlacke werden sehr häufig in repräsentativen Bereichen von Hotels, Restaurants, Banken, Foyers und Treppenhäusern von Firmengebäuden verwendet. Im Neubausektor werden viele dieser Objekte heute nach DGNB oder LEED, also nach Nachhaltigkeitskriterien, zertifiziert. Hier werden wasserverdünnbare Beschichtungen gefordert. Der Lacksektor ist bei den meisten Farbenherstellern das einzige Segment, in dem noch zwei komplette Sortimente nebeneinander existieren: lösemittelhaltig und wasserverdünnbar. Das gilt auch für die Effektlacke. Die Nachfrage geht aber unaufhaltsam vermehrt in Richtung wasserverdünnbar.

Selbst bei Produkten für Holzbauteile im Außenbereich findet man immer öfter Metallic-Effekte. Woher kommt der Trend, die natürliche Vergrauung des Holzes nachzuempfinden?

Dazu muss man sich die Entwicklung des Holzfassadenbaus der letzten 20 Jahre anschauen. Die Holzfassade erfreut sich seitdem zunehmender Beliebtheit. Ausgehend vom allmählich nachlassenden „Trend“, Fassaden auch unbehandelt zu belassen, haben viele Bauherren erkannt, dass eine verwitterte Fassade oftmals nicht das gewünschte Erscheinungsbild hat. Vor seinem inneren Auge hat sich der Kunde eine gleichmäßig silbergraue Fassade vorgestellt. Inspiriert wurde das auch von den silbergraue uralten Bauernhöfen und Scheunen in den trocken-kalten Bergregionen, die nie einen Pinsel gesehen haben. Im feuchteren Klima des deutschen Flachlandes und der Mittelgebirge wird die Fassadenoberfläche aber selten silbergrau, sondern eher schwarz, weil sich immer auch Bläuepilze hinzugesellen. Zudem verläuft der Abwitterungsprozess nicht gleichmäßig über die gesamte Fläche. Es dauert nicht selten Jahrzehnte, bis sich auch unterhalb der Dachuntersicht das gewünschte Bild eingestellt hat. Die Fertighaushersteller, insbesondere in Österreich, haben daher schon vor 15 Jahren damit begonnen, neue Holzfassaden mit grauen Lasuren zu versehen, um das natürliche Verwittern von Anfang an idealisiert darzustellen. Unsere Schwesterfirma Synthesa in Österreich hat diesen Wunsch nach natürlich aussehenden Holzoberflächen aufgegriffen und erfolgreich eine silbergraue bis silbrigfarbige Lasurenkollektion geschaffen. Caparol war dann der erste Lieferant, der diese Lasuren auf dem deutschen Markt angeboten hat. Unter dem Slogan „Natürlich inspiriert“ werden seitdem Effekt-Lasuren wie Capadur Greywood und Capadur Silverstyle mit einer eigenen Farbtonkollektion angeboten. Interessanterweise werden diese heute nicht mehr verwendet, weil man dem Ideal einer vergrauten Fassade nachhängt. Der Kunde möchte besonders an der modernen Holzfassade einfach nicht mehr die klassischen Farbtöne wie Eiche, Kiefer und Nussbaum sehen, sondern dezent edle Silbergrautöne in nuancierter Abstufung von warmem graubraun bis zu kühlem Silbergrau. Aber auch Lasuren in grün- oder blau-silbrigen Farbtönen. Dabei soll der Holzcharakter immer noch lasierend sichtbar sein. Deckende Metalliclacke sind zumindest auf Holzfassaden nicht gewünscht. Andernfalls könnte man auch eine Blechfassade anbringen.

Herr Linck, vielen Dank für das Gespräch.

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