Technik & Werkstoffe

Sanieren statt austauschen

Was tun mit stark verwitterten Holzfenstern? Ist der Austausch wirklich die einzige Möglichkeit? Mit einem Holzreparatur-System ist eine ebenso kostengünstige wie nachhaltige Reparatur mit den Mitteln des Maler- und Lackiererhandwerks möglich.

Autorin: Susanne Sachsenmaier-Wahl I Fotos: Caparol

Auch wenn das Kunststoff-Fenster schon viele (alte) Holzfenster verdrängt hat, gibt es immer noch Bauherren, die sich ganz bewusst für Fenster aus Holz entschieden haben. „Der Bestand an Holzfenstern beträgt in Deutschland aktuell, je nach Quelle, nur noch maximal 17 Prozent,“ weiß Bernhard Linck, Produktmanager Lacke und Lasuren bei Caparol. „Trotz des gewachsenen Bewusstseins für Nachhaltigkeit und Umwelt stehen hier die wirtschaftlichen Überlegungen deutlich im Vordergrund. Hier wird das Holzfenster immer den Kürzeren ziehen. Dennoch wird es das Holzfenster auch in Zukunft geben. Es wird nicht aussterben. Die Zahlen für den derzeitigen Holzfensterbestand sind in den letzten Jahren immerhin konstant geblieben.“ Sei es der Optik wegen oder aber weil die Entscheidung zugunsten eines nachwachsenden Rohstoffs gefallen ist, das Holzfenster braucht regelmäßige Wartung in Form eines Anstrichs, um dem Besitzer lange Freude zu bereiten. Denn wird diese Wartung vernachlässigt, kann es schnell passieren, dass das Holz so stark geschädigt ist, dass ein einfacher Anstrich nicht mehr ausreicht. Doch auch dann kann der Maler der Retter in der Not sein und verhindern, dass weitere Holzfenster durch solche aus Kunststoff oder Aluminium ersetzt werden – und sich so kostbare Auftragsflächen erhalten.

Extrem belastete Bereiche

In der Regel sind es die waagerechten Bauteile von Fenstern und Balkontüren, die nach einigen Jahren Bewitterung deutliche Schäden zeigen. „Regenwasser trifft nicht nur unmittelbar auf diese waagerechten Flächen, sondern läuft gesammelt von der Fensterfläche und teilweise von der darüber befindlichen Fassadenfläche über diese Teile des Fensterflügels und -rahmens ab. Diese Flächen (z. B. Wetterschenkel am Flügel und unterer Blendrahmen oberhalb der Fensterbank) sind also die am stärksten belasteten Teile eines Fensters und werden zu allererst schadhaft,“ erklärt Bernhard Linck. Handelt es sich obendrein um ein weniger witterungsbeständiges Holz, wie etwa Fichtenholz, dann bleibt – sofern der komplette Fensteraustausch nicht zur Debatte steht – auf den ersten Blick häufig nur noch eine Möglichkeit: die waagerechten Fensterbauteile von einem Holzfachbetrieb auswechseln zu lassen. Doch es geht auch anders. Mithilfe einer Holzleiste, den passenden Anstrichstoffen und einer Abdeckleiste aus Aluminium kann der Maler Holzfenster professionell, relativ kostengünstig und vor allem nachhaltig sanieren.

Weg mit dem maroden Holz

Sind die waagerechten Bauteile sehr stark verwittert, lässt sich mithilfe einer Spachtelmasse keine saubere Bauteilkante mehr modellieren. Deshalb sollte im ersten Schritt der Querriegel von sämtlichem Holz, das nicht mehr fest und tragfähig ist, befreit werden. Mit einem oszillierenden Sägewerkzeug kann die verwitterte Oberfläche sauber abgetrennt werden. Im Holzfachhandel sind Holzleisten mit einem dreieckigen Querschnitt erhältlich. Mit diesen kann wieder eine geradlinige Bauteilkante am Querriegel hergestellt werden. Der dreieckige Querschnitt sorgt dafür, dass die Kante auch gleich über die erforderliche Ablaufneigung verfügt.

Um eine gute Haftung sicherzustellen, behandelt man sowohl den gekürzten Querriegel als auch die Holzleiste mit einem geeigneten Primer, z. B. einem zweikomponentigen Primer auf Epoxidharzbasis. Dieser imprägniert das rohe Holz zum einen; zum anderen verfügt er über eine holzverfestigende Wirkung. Nach einer Ablüftzeit von
ca. 20 Minuten – der Primer darf auf keinen Fall mehr nass sein – wird eine, ebenfalls aus zwei Komponenten bestehende Holzreparaturmasse auf Querriegel und Holzleiste aufgelegt. Sie ist das verbindende Element zwischen den beiden Holzteilen. Sobald die Leiste aufgelegt wurde, richtet man sie mit der Wasserwaage aus. Dann lässt man die Holzreparaturmasse trocknen. Falls die Leiste breiter als der vorhandene Querriegel sein sollte, spielt das keine Rolle. Der Überstand wird nach der Trocknung einfach plangeschliffen.

Anstrichaufbau

Sofern die Leiste bzw. das Fenster aus Fichtenholz besteht, sollten die rohen Holzflächen vor dem eigentlichen Anstrich einen fachgerechten Schutz vor Bläuebefall mit einem Holz-Imprägniergrund erhalten.

Nun kann der Anstrich mit geeigneten Beschichtungsstoffen erfolgen. Lasierend kann beispielsweise mit einer aromatenfreien Alkydharzlasur oder einer wasserverdünnbaren PU-Lasur gearbeitet werden. Für deckende Anstriche stehen u. a. wässrige PU-Lacke oder ventilierende Lacke zur Auswahl. Insbesondere lasierte Holzfenster sind durch die Witterung häufig so stark angegriffen, dass mit einem neuen Lasuranstrich allein kein optisch zufriedenstellendes Ergebnis mehr erzielt werden kann. „Mit einfachem Drüberlasieren ist es dann nicht mehr getan,“ weiß Bernhard Linck. „Bei einem derart vorgeschädigten Fenster ist aus wirtschaftlichen Gründen zu überlegen, ob die Aufhell- oder Maseriertechnik die bessere Lösung ist. Das würde auch zu längeren Pflegeintervallen führen, da deckende Beschichtungen generell länger halten als Lasuren.“ Die Grundierung erfolgt in einem zum Holz passenden Farbton deckend. Dann lasiert man das Fenster zweimal. Durch den Pinselstrich entsteht der Eindruck einer Holzmaserung.

Doppelter Schutz

Bei einer Standard-Fenstersanierung wäre die Arbeit nun beendet. Das Fenster sieht wieder ansprechend aus, verfügt wieder über eine Abtropfkante mit entsprechender Neigung und ist fürs Erste vor Witterungseinflüssen geschützt.

Wie eingangs bereits erwähnt, sind die kritischen Bereiche an einem Fenster die waagerechten Flügel- und Rahmenteile. Das gesamte Niederschlagswasser läuft von den Scheiben über diese schmalen Bauteilflächen ab. Die Witterungsbelastung ist in diesen Bereichen um ein Vielfaches höher und infolgedessen baut die Beschichtung hier auch deutlich früher ab. Was liegt also näher, als diese Bereiche ganz besonders zu schützen und dadurch haltbarer zu machen? Schaut man sich moderne Fensterkonstruktionen an, zeigen diese häufig schon die Lösung: Die waagerechten Bauteile sind durch eine Abdeckleiste aus Aluminium geschützt.

Warum sollte man nicht auch ein altes Fenster auf diese Weise sehr einfach, aber äußerst wirkungsvoll nachrüsten?

Simpel, aber wirkungsvoll

Eigens für die Nachrüstung von Fenstern im Bestand wird ein System aus Abdeckleiste, Befestigungsclips und elastischen Gummikappen in verschiedenen Breiten und Farben angeboten.

Für die korrekte Länge der Abdeckleiste nimmt man das Maß des Wetterschenkels an der Scheibe und zieht davon zweimal fünf Millimeter, also insgesamt einen Zentimeter für die noch anzubringenden Gummistopfen ab. Der Zuschnitt erfolgt mit einer Gehrungs- oder Kappsäge. Auf die rechtwinklig abgesägten Enden steckt man die Gummistopfen auf. Sie sorgen später für den dichten Anschluss an die senkrechten Holzbauteile, auch wenn sich das Holz durch Temperaturänderungen bewegen sollte.

Die Befestigung der Aluleisten erfolgt mithilfe stabiler Clips aus Kunststoff. Dadurch lassen sich die Leisten für einen Wartungsanstrich des Fensters jederzeit abnehmen und wieder aufstecken. Die Clips werden auf den Holzrahmen aufgeschraubt. Ein Abstandhalter an der Unterseite der Clips positioniert diese automatisch richtig an der Bauteilkante. Der Abstand der Clips und damit ihre Anzahl sind vom Hersteller der Abdeckleiste vorgegeben. Die passend zugesägte und mit Gummikappen bestückte Abdeckleiste wird an der Scheibe angesetzt und mit leichtem Druck auf ihre Vorderkante in die Clips eingerastet.

Abschließend wird der Anschluss zwischen Glas und Fensterrahmen mit einer elastischen Versiegelung ausgespritzt und mit einem Fugenglätter abgezogen.

Haltbares Ergebnis

An einem auf diese Weise renovierten Fenster läuft das Regenwasser von der Scheibe über die um 15 Grad geneigte Leiste hinweg zur acht Millimeter überstehenden Leistenkante. Hier tropft es vor der Holzoberfläche ab, wodurch der Wetterschenkel deutlich weniger belastet ist. Der Kunde kann sich über ein Fenster freuen, das nicht nur ansprechend aussieht, sondern auch deutlich haltbarer ist. „Diese Maßnahme verlängert die Renovierungsintervalle um das Zwei- bis Dreifache,“ klärt Bernhard Linck auf. „Je nach Witterungsbelastung können auf der Nord- und Ostseite Renovierungsintervalle von zehn bis 15 Jahren möglich sein. Auf den süd- bis westlichen, sogenannten Schlagwetterseiten sechs bis acht Jahre.“ Das mag die Aufträge für den Maler auf den ersten Blick reduzieren. Dennoch profitiert unterm Strich auch dieser: zuerst natürlich von einem umfangreicheren Auftrag und langfristig von einem zufriedenen Kunden. Wartungsanstriche sind nach wie vor nötig (wenn auch in längeren Intervallen) und bleiben dem Maler erhalten, da das grundsanierte Holzfenster keinem Kunststoff- oder Alufenster weichen muss. Ein Gewinn für beide Seiten also.

Dennoch hat diese Fenstersanierung selbstverständlich auch ihre Grenzen. „Natürlich kann man nicht alle Fenster derart nachrüsten,“ räumt Bernhard Linck ein. „Bei Sprossenfenstern oder generell an denkmalgeschützten Gebäuden verbietet sich das aus Gründen eines historisch authentischen Erscheinungsbildes.“ Aber diese Fenster bleiben dem Maler bzw. Restaurator ohnehin als Beschichtungsflächen erhalten – denn hier stellt das Kunststofffenster definitiv keine Konkurrenz dar.

Weitere Fotos zur Fenstersanierung:
www.malerblatt.de


Der Querriegel wird mit einem oszillierenden Sägewerkzeug vom verwitterten Holz befreit.


Die auf die richtige Länge zugesägte
Aluminiumleiste wird auf die Clips gedrückt.


Die Gummikappen an den Enden der Aluleiste schmiegen sich fest an das Holz und nehmen temperaturabhängige Längenänderungen auf.


Abschließend wird der Bereich zwischen Glasscheibe und Rahmen elastisch abgedichtet und mit einem Fugenglätter abgezogen.


Mithilfe einer Holzleiste mit dreieckigem Querschnitt lässt sich eine geradlinige Bauteilkante
mit der erforderlichen Ablaufneigung herstellen.


Sowohl auf den Querriegel als auch auf die Holzleiste wird nach dem Grundieren mit einem Primer eine Holzreparaturmasse aufgebracht.


Die Holzleiste wird auf den Querriegel aufgedrückt. Die Holzreparaturmasse verbindet beide Teile fest und lückenlos miteinander.


Die Vorderkante wird oberflächenbündig angespachtelt.


Falls die Leiste etwas zu breit ist, wird sie nach der Trocknung plan geschliffen.


Falls es sich um eine Fichtenholzleiste handelt, sollte sie vor der Beschichtung mit einem Bläueschutz imprägniert werden.


Bei strak verwitterten Lasurfenstern empfiehlt sich die Maseriertechnik, bestehend aus einem deckenden Grundanstrich und einer Lasur.


Auf das fertig beschichtete Fenster werden Befestigungsclips aufgeschraubt. Ein Abstandhalter an deren Unterseite positioniert diese passend an der Bauteilkante.


PraxisPlus

Das Holzreparatur-System „Capadur Repair“, bestehend aus einer zweikomponentigen Holzreparaturmasse und dem dazugehörigen Primer, einem Hirnholzschutz und dem Fensterglasdichtstoff in drei Farbtönen, liefert Caparol. Die Aluminium-Profile für die Abdeckung der neuralgischen Fensterbereiche sind von der Firma Renova 1–2–3 erhältlich.

www.caparol.de
www.1–2–3-renova.de


Bernhard Linck, Produktmanager Lacke und Lasuren bei Caparol

Diese Maßnahme verlängert die
Renovierungsintervalle bei Holzfenstern um das Zwei- bis Dreifache



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