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Imitation Belgischer Granit

Imitation Belgischer Granit
Ein Klassiker für Möbel

Imitationen des „Belgischen Granits“ wurden früher gerne im Möbelbau eingesetzt. Auch heute fasziniert diese Steinmalerei noch. In der 21. Folge der Dekorationsmalerei-Serie zeigt Friederike Schulz, wie sich der dunkle Stein nachahmen lässt.

Autorinnen: Friederike Schulz, Susanne Sachsenmaier-Wahl | Fotos: Lars Krüger

Als Belgischer Granit wird ein grau-blauer bis anthrazitfarbener Kalkstein aus Belgien bezeichnet. Dabei ist der Belgische Granit (oder Granit Belge) eigentlich gar kein Granit. „Die Gesteinsbezeichnung kommt daher, dass in diesen Kalkstein zahlreiche fossile Bruchstücke von Seelilien eingeschlossen sind, die eingelagerten Feldspäten in Graniten zum Verwechseln ähnlich sehen“, so ist auf Wikipedia zu lesen. In Belgien nannte man die sehr harten und mikrokristallinen Kalke „Petit Granit“, also „Kleiner Granit“. In Deutschland wurde aus dem „Kleinen Granit“ schließlich der „Belgische Granit“.

Verwendung fand er in Frankreich zu Beginn des 19. Jahrhunderts und im Biedermeier im Möbelbau. Die Imitation des Gesteins eignet sich hervorragend für kleine Tischoberflächen, Sockel oder kleinere Objekte. Seine Tiefe wird durch einen mehrschichtigen Lasuraufbau erzeugt bei dem unterschiedlichste Applikationstechniken zur Anwendung kommen, die auch bei anderen Gesteinsimitationen immer wieder eingesetzt werden.

Zusammenspiel von Pigmenten

Die Basis für den Belgischen Granit bildet eine schwarz gestrichene Oberfläche. Ansonsten benötigt man folgende Pigmente: Zinkweiß, Titandioxyd, Oxydschwarz, Preußisch Blau und etwas Siena gebrannt. Zum Binden des Pigments und für die Lasuren sollten Acrylbinder und Wasser bereitstehen. Wer das Arbeiten mit Pigmenten nicht gewohnt ist, kann auch auf fertige Acrylfarben zurückgreifen. Egal, ob man sich für Trockenpigmente oder fertige Acrylfarben entschieden hat – es wird in beiden Fällen direkt von der Palette gearbeitet und die Pigmente/Farben werden je nach Arbeitsschritt gemischt und nach Bedarf verändert. Die Imitation von Granit eignet sich hervorragend, um ein Gespür für Mengen, Kontraste und Lasuren zu entwickeln, was gerade im Bereich der Marmorimitation sehr hilfreich ist. Aufgetragen bzw. verarbeitet wird die Farbe mittels Naturschwamm, einer Zahn- oder Spritzbürste, eines Dachshaarvertreibers, eines Gummischabers, sowie eines Stücks zerknülltem Zeitungspapier.

Imitation Belgischer Granit: So wird´s gemacht

Auf der Palette mischt man aus Zinkweiß, Schwarz und etwas Blau einen Grauton. Dieser wird mit dem feuchten Naturschwamm flächig aufgetupft. Mit einem zweiten, etwas helleren Ton wiederholt man diesen Arbeitsschritt.

Nun kommt die Zeitung zum Einsatz: Aus einem Zeitungsblatt formt man sich durch Zerknüllen einen Stupfballen. Dabei sollte man darauf achten, dass die Struktur des Zeitungsballens durchbrochen ist und keine allzu flachen Partien vorhanden sind. Nun mischt man sich einen helleren Grauton und stupft mit der strukturierten Zeitung ein „SteinCluster“ auf die Fläche. Dabei wird die Zeitung in der Hand immer mal wieder gedreht und umgefaltet, damit die Muster sich nicht ständig wiederholen. Die hellen Fragmente werden mithilfe des Dachshaarvertreibers weich gezeichnet. Wichtig ist, dass man stets in kleineren Teilbereichen arbeitet, damit die Farbe beim Vertreiben tatsächlich noch modellierbar ist.

Mit einem dunkleren Grauton wird nun die Fläche mit dem Naturschwamm lasierend getupft. Dadurch bekommt die Oberfläche eine größere Tiefenwirkung. Soll mit dem Grau eine geringere Deckkraft erzeugt werden, benutzt man anstelle von Titandioxid Zinkweiß, welches eine lasierende Wirkung hat.

Mithilfe einer Zahnbürste (vorzugsweise mit harten Borsten) wird die Fläche anschließend „besprenkelt“, also mit vielen kleinen Farbpunkten versehen. Hierbei mischt man ab und zu etwas gebrannte Siena in die Grautöne.

Nun folgt eine schwarze Lasur, die man aus einem Teil Pigment und zwei Teilen Binder und Wasser anrührt. Mit dieser wird nun die Fläche komplett mit dem Naturschwamm abgetupft. Mit jeder Lasurschicht wird die Tiefenwirkung der Oberfläche erhöht.

Mit einem Gummischaber werden danach kleine helle Gesteinsbrocken eingemalt. Durch die Applikation mit dem Schaber entstehen unwillkürliche Formen, die denen eines Steins recht nahe kommen. Sollten sie zu markant sein, kann man sie durch Tupfen mit dem Naturschwamm leicht brechen.

Endbeschichtung für mehr Tiefe

Zum Schluss überzieht man die komplette Fläche mit einer Lasur, bestehend aus Schwarz und Preußisch Blau, Binder und einem hohen Wasseranteil. Aufgetragen wird diese entweder mit einem Flächenstreicher oder einem Modler. Wichtig ist, dass am Ende keine Pinselstruktur sichtbar zurück bleibt.

Den optimalen Effekt erzielt man, wenn die Imitation am Ende mehrschichtig farblos lackiert wird.

Weitere Folgen der Serie:

Holzimitation

Tapetenimitation


Imitation Belgischer Granit Foto: Lars Krüger

Zuerst tupft man mit dem Naturschwamm einen halbdunklen Grauton flächig auf. Dann wiederholt man diesen Schritt mit einem etwas hellerer Ton.


Dekorkationsmalerei Foto: Lars Krüger

Ein Zeitungsblatt wird zu einem Stupfballen zerknüllt. Wichtig ist, dass die Struktur durchbrochen ist und keine allzu flachen Partien vorhanden sind.


Imitation Belgischer Granit Foto: Lars Krüger

Mit der Zeitung tupft man ein „Steincluster“ in einem helleren Grauton auf die Fläche. Dabei wird die Zeitung immer wieder gedreht und umgefaltet.


Imitation Belgischer Granit Foto: Lars Krüger

Mit dem Dachshaarvertreiber werden die hellen Fragmente weichgezeichnet. Man arbeitet dabei in Segmenten, damit die Farbe noch modellierbar ist.


Imitation Belgischer Granit Foto: Lars Krüger

Mit einem dunkleren Grauton wird die Fläche mithilfe des Schwamms lasierend getupft, um eine größere Tiefenwirkung zu erzielen.


Dekorationsmalerei Foto: Lars Krüger

Mithilfe einer Zahnbürste mit harten Borsten wird die Fläche nun mit Farbe besprenkelt, wodurch feinen Punkte entstehen.


Imitation Belgischer Granit Foto: Lars Krüger

Mit dem Gummischaber werden kleine helle Gesteinsbrocken eingemalt. Die unwillkürlichen Formen kommen denen eines Steins recht nahe.


Imitation Belgischer Granit Foto: Lars Krüger

Abschließend wird eine dünne Lasur aus Schwarz und Preußisch Blau mit dem Flächenstreicher oder dem Modler über die komplette Fläche gezogen.

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